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Der Betriebsleiter 6/2019

Der Betriebsleiter 6/2019

FERTIGUNGSTECHNIK

FERTIGUNGSTECHNIK Schrauben im Kugelhagel Trommelstrahlanlagen als wichtiger Bestandteil von Beschichtungsprozessen Schrauben, Muttern und Co. so zu beschichten, dass sie den hohen Anforderungen etwa der Automobilindustrie genügen, erfordert viel Know-how – und eine ausgeklügelte Technik. Dabei spielt die Vorbehandlung eine entscheidende Rolle. Spezielle Strahlanlagen sorgen bei einem Lohnbeschichter für Vorteile. Der Neubau einer Industrieanlage auf der grünen Wiese – welcher Betriebsleiter träumt nicht davon!? Realität wurde dies für Johan Adriaan de Hek, Werkleiter der Benseler Oberflächentechnik NRW GmbH & Co. KG in Lüdenscheid. „Als Lohnbeschichter versehen wir hier am Standort Lüdenscheid ausschließlich Kleinteile mit Geomet, einer widerstandsfähigen Zinklamellenbeschichtung. Es geht bei uns um Korrosionsschutz für Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben usw. Unsere Kunden sind überwiegend Automobilzulieferer“, erläutert de Hek. „Bis 2016 haben wir unter dem Namen BV Oberflächentechnik firmiert und waren Autorin: Martina Laun, Redaktion DER BETRIEBSLEITER als Joint Venture zwischen Benseler und Vossloh in Werdohl ansässig. 2016 hat sich Vossloh dann von seinem Anteilpaket getrennt und Benseler hat beschlossen, hier in Lüdenscheid neu zu bauen“, berichtet der Werkleiter. Und so kam es für ihn zu dem glücklichen Umstand, die Gestaltung des neuen Betriebs von Anfang an maßgeblich zu begleiten. „Wir haben hier wirklich neu angefangen, sowohl mit der Prozesstechnik inklusive Intralogistik und Logistik als auch mit der Haustechnik. So konnten wir alles bestmöglich anordnen und miteinander verknüpfen und dabei auch noch auf Energieeffizienz, Umweltschutz und Nachhaltigkeit achten.“ Ergebnis ist ein perfekt geplanter Betrieb mit einer verketteten Beschichtungsanlage als Herzstück. Dazu gehören u. a. die Anlagenteile zur integrierten Vorbehandlung, zur Strahlung, für die erste und zweite Beschichtung sowie zur Aufbringung eines Topcoat. Kleine Teile – hohe Anforderungen Schrauben, Muttern und Co. sind heutzutage Hightech-Produkte. Branchen wie die Automobilindustrie stellen hohe Anforderungen an die kleinen Teile. Durch die Oberflächenbeschichtung wird nicht nur der Korrosionsschutz sichergestellt, sondern auch die Eigenschaften der Verbindungselemente lassen sich entscheidend beeinflussen. „Unsere Kunden bringen die Teile, wir beschichten sie und schicken sie wieder zurück“, sagt de Hek und erläutert: „Wir bekommen die Teile so, wie sie beim Kunden entstehen, das kann verzundert, das kann blank oder auch einmal ein bisschen ver- 01a+b Die drei Trommelstrahlanlagen für die Vorbehandlung der Kleinteile sind in Reihe geschaltet; die Trommeln sind leicht zugänglich und lassen sich schonend befüllen und entleeren VOR ORT

02 Benseler-Werkleiter Johan Adriaan de Hek begutachtet mit Redakteurin Martina Laun eine fertig beschichtete und versiegelte Charge Schrauben Die Strahlanlagen Mit Schleuderrad-Strahlanlagen von Agtos lassen sich metallische Oberflächen entrosten, entzundern, endsanden, entgraten oder verfestigen. Weitere mögliche Arbeitsschritte sind das Finish-Strahlen empfindlicher Bauteile oder das Aufrauen von Oberflächen für eine nachfolgende Beschichtung. Nach Art des Transports der zu bearbeiteten Werkstücke werden die Schleuderrad-Strahlanlagen in verschiedene Typen unterteilt. Bei Benseler kommen Trommel-Strahlanlagen zum Einsatz, weil diese für die Bearbeitung von Schüttgütern ideal geeignet sind. Gegenüber dem weit verbreiteten Muldenbandprinzip ergeben sich wichtige Vorteile: Da die Trommel aus einem Teil gefertigt ist, werden Übergänge von beweglichen zu festen Maschinenteilen vermieden. Es wird daher verhindert, dass Teile eingeklemmt werden. Zudem können Trommeln leichter restlos entleert werden, was eine doppelte Bearbeitung einzelner Werkstücke verhindert. rostet sein.“ Deshalb müssen die Teile bevor sie mit Geomet beschichtet werden, einer Vorbehandlung unterzogen werden. Die Vorbereitung besteht aus einer wässrigen oder alkalischen Entfettung und dem Strahlen. Um die Bearbeitung zu vollenden, werden die Teile danach in ein flüssiges Beschichtungsmittel getaucht, überschüssiges Mittel wird abgeschleudert, dann folgen Trocknung und Einbrennung. Dieser Zyklus wird zwei bis drei mal wiederholt. Einige Teile sind danach fertig, andere müssen nochmals beschichtet werden mit einem sogenannten Topcoat. „Das ist meistens eine Art Versiegelung, wie beispielsweise Plus VLh“, erklärt Johan Adriaan de Hek. Die Prozesse laufen vollautomatisiert ab. Der Mitarbeiter im Wareneingang gibt anhand der Papiere die Artikelnummer in der Anlage ein. Für jedes Teil ist ein spezielles Programm mit den spezifischen Strahl-, Vorbehandlungs-, Beschichtungs-, Waschund Spülzeiten erstellt und hinterlegt. Die Anlage weiß dann, welche Prozesse durchzuführen sind. Alle Anlagenteile basieren auf Zentrifugentechnik und sind im Prinzip gleich aufgebaut. Die Ware wird in den Kundenbehältern in ein Hebe-Kipp-Gerät eingestellt. Dieses fährt hoch und kippt die Teile auf eine Vibrationsrinne, die nicht nur als Transportmittel, sondern auch als Waage fungiert. Damit wird der Komplettauftrag des Kunden in Chargen verteilt. Die einzelnen Chargen werden in Zentrifugenkörbe eingeschüttet und anschließend mit einem Transportsystem (Fahrwagen) durch die komplette Anlage gefahren. Lieber Trommeln als Mulden Ein wichtiger Bestandteil der komplexen Anlagentechnik sind die Strahlanlagen, in denen das Schüttgut vorbehandelt wird. Hier setzt Werkleiter de Hek auf Trommelstrahlanlagen von Agtos: „Beim Ausschreiben der neuen Anlage haben wir natürlich bei verschiedenen Anbietern angefragt. Auf das Angebot von Agtos sind wir vor allem deshalb angesprungen, weil Trommelstrahlanlagen empfohlen wurden. Denn mit Muldenbandstrahlanlagen haben wir schlechte Erfahrungen gemacht: Insbesondere Kleinteile sind darin oft buchstäblich zwischen die Räder gekommen und beschädigt worden. Die Trommel dagegen ist leicht zugänglich, man kann zur Inspektion einfach hineinschauen, es bleiben keine Teile hängen, man kann sie schonend befüllen und restlos entleeren.“ Vor der Entscheidung holte der Werkleiter weitere Informationen ein und besuchte einen Agtos-Referenzkunden. Schließlich bestellte er nach der genauen Spezifizierung seiner Erwartungen drei Trommelstrahlanlagen bei Agtos. Schonend, aber wirkungsvoll Im Werk in Lüdenscheid wurden die drei neuen Strahlanlagen schließlich in Reihe installiert und in den vollautomatisierten Betrieb eingebunden. Die Strahlkammern sind wie alle Anlagenteile der Beschichtungsanlage für Chargen mit maximal 250 kg ausgelegt. Für das Strahlen kommen kleine Stahlkugeln zum Einsatz. „Damit bringen wir zwar eine ganze Menge Energie in das Produkt und sprengen dadurch den Belag – sei es Zunder, Rost o. a. –, der sich auf dem Teil befindet, ab. Wir rauen aber die Oberfläche nicht besonders auf, was bei scharfkantigen Strahlmitteln geschehen würde. So beeinflussen wir die Eigenschaften der Schrauben etc. durch den Strahlvorgang so wenig wie möglich“, berichtet Johan Adriaan de Hek. Das Strahlkorn wird regelmäßig kontrolliert: Es wird immer kleiner, bis es schließlich über einen Windsichter aussortiert und durch neues ersetzt wird. Fazit Die Beschichtungstrecke, in die die Trommelstrahlanlagen integriert sind, ist mittlerweile zwei Jahre in Betrieb. Die akribische Planung des neuen Werks auf der grünen Die Trommelstrahlanlagen sind qualitativ hochwertig, arbeiten zuverlässig und sind wartungsfreundlich Wiese hat sich bewährt, alles läuft rund. „Wir bearbeiten zur Zeit zwischen 125 und 150 t Schüttgut pro Tag – und haben noch Kapazitäten frei. Bei der Planung des neuen Standorts und dem Umzug haben wir natürlich dafür gesorgt, dass unsere frühere Kapazität erhöht wurde“, so de Hek. Der Werkleiter ist mit dem gesamten Projekt äußerst zufrieden. – Die drei Agtos- Strahlanlagen tragen ihren Teil dazu bei. „Sie erfüllen wirklich unsere Erwartungen. Sie sind qualitativ hochwertig, arbeiten zuverlässig und sind wartungsfreundlich“, resümiert er. Und sein Assistent Stefan Schulte ergänzt: „Von meiner Seite aus kann ich nur sagen, dass die Zusammenarbeit mit Agtos sehr positiv ist und dass einem sofort geholfen wird, wenn nach Hilfe verlangt wird.“ www.benseler.de www.agtos.de Im Fokus Effizienz Nachhaltigkeit Sicherheit Der Betriebsleiter 6/2019 7

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