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Der Betriebsleiter 3/2018

Der Betriebsleiter 3/2018

ERGONOMIE I SPECIAL Zwei

ERGONOMIE I SPECIAL Zwei Armlängen voraus Kombiniertes Tragarmsystem steigert an einer kompakten Präzisionsmaschine den Bedienkomfort An einer Biegemaschine für die Brillenfertigung sorgt ein flexibles Tragarmsystem statt einer feststehenden Bedieneinheit für mehr Ergonomie an der Mensch- Maschine-Schnittstelle. Mit Hilfe des aus zwei Standard- Tragarmeinheiten bestehenden Systems ist der Touchscreen nun frei positionierbar und lässt sich mühelos an die Körpermaße und die Position des Bedieners anpassen. Biegen, Fräsen, Gewindebohren, Montieren: Die Maschinen der Schüssler Technik GmbH & Co. KG in Pforzheim decken ein breites Spektrum der Bearbeitungsverfahren ab. Die Zielbranche hingegen ist eng fokussiert: Schüssler Technik ist Hersteller von Sondermaschinen, die ausschließlich in der Brillenfertigung eingesetzt werden. Hier hat sich das Unternehmen im Highend-Bereich einen sehr guten Ruf erarbeitet und mit einem Exportanteil von über 95 % auch eine hohe Marktdurchdringung. Dipl.- Ing (BA) Matthias Carstens, Geschäftsfüh- Im Fokus Nachhaltigkeit Effizienz Sicherheit rer des Unternehmens und verantwortlich für die Entwicklung: „Gut 90 % unserer Maschinen liefern wir nach China. Dort ist das Zentrum der internationalen Brillenproduktion.“ Die Maschine verarbeitet Profildraht, der zunächst gerichtet und dann in die gewünschte Form gebracht wird. Das geschieht mit hoher Geschwindigkeit von bis zu 1 200 Augenrändern pro Stunde. Der Biegevorgang erfolgt dreidimensional, damit der Profildraht das meistens gewölbte Brillenglas optimal aufnehmen kann. Die Daten für die Form kann man über ein integriertes Kopierwerk einfach von einem Muster abnehmen oder aber als DXF-Datei einlesen. Gefragt: universelle Bedienbarkeit Eine grundlegende Anforderung an die Maschinen, die sich aus dem hohen Exportanteil ergibt: Die Bedienung soll so einfach und universell sein, dass weltweit gleiche Qualitätsstandards erreicht werden. Dies Das flexible Tragarmsystem bietet die Möglichkeit, das HMI auf den jeweiligen Bediener einzustellen erreicht Schüssler u. a. mit einer Bedienoberfläche, die überwiegend mit Bildern und Icons arbeitet. Aber nicht nur das. Die Körpermaße der Menschen unterscheiden sich sehr stark – national und international. Hier ist Flexibilität gefragt. Dem hat Schüssler Rechnung getragen und die Mensch-Maschine- Schnittstelle neu designt. Während die Vorgängermaschine mit der Bezeichnung 30 Der Betriebsleiter 3/2018

SPECIAL I ERGONOMIE S-504 über ein feststehendes Panel an der Maschinenoberseite bedient wurde, übernimmt diese Aufgabe jetzt ein Touchscreen, den der Bediener über einen beweglichen Tragarm ganz nach Wunsch positionieren kann. Das verbessert die Ergonomie. Gleichzeitig hat der Bediener immer beste Sicht auf den Prozess und die Profildrahtzuführung. Zudem reduziert die Verstellbarkeit des Touchscreens die Bauhöhe der Maschine: Die Bedieneinheit wird für den Transport eingeklappt und liegt dann eng und geschützt an einer Seitenwand des Maschinengehäuses an. Auf die Frage, aus welchem Grund er seine Maschinen mit flexiblen Tragarmsystemen ausrüstet, antwortet Matthias Carstens: „Das komfortable Bedienen von Maschinen wird immer wichtiger – das fordert auch die Maschinenrichtlinie. Ermüdung und körperliche Fehlbeanspruchung des Bedienpersonals müssen auf ein Minimum reduziert werden. Das flexible Tragarmsystem bietet die Möglichkeit, das HMI an die Unterschiede in den Körpermaßen und an die Position des Bedieners (sitzend/ stehend) anzupassen. Die Anforderung kommt somit zum Teil aus dem Markt, ist aber auch ein Teil der Maschinenrichtlinie und der hauseigenen Philosophie.“ Gesucht: geeigneter Tragarm Mit den Haseke Tragarmen hat Schüssler Technik eine gute Lösung für die Verbindung von HMI und Maschine gefunden, musste dafür allerdings gründlich recherchieren. Schüssler hat mehrere Hersteller angesprochen, die verstellbare Tragarmsysteme anbieten. Matthias Carstens: „Letztendlich war Haseke derjenige Anbieter, der sowohl funktional als auch qualitativ am nächsten an die Idealvorstellung des von uns gewünschten flexiblen Tragarmsystems herangekommen ist. Für unsere kleinen kompakten Maschinen sind die meisten flexiblen Tragarmsysteme schlichtweg zu wuchtig und überdimensioniert. Die kleinen kompakten Systeme, die von der Größe her passen würden, wiederum sind nicht flexibel genug oder sehen ‚zusammengebastelt‘ aus.“ In Zusammenarbeit mit der Firma Haseke wurde die passende Lösung gefunden. Zum Einsatz kommt die Kombination von zwei Lift-20-Tragarmeinheiten. Matthias Carstens: „Dieses System ist schlank und sehr beweglich, und es lässt sich in den gewünschten 01 Der stufenlos höhenverstellbare Tragarm Lift 20 wurde für Industrieeinsätze entwickelt Positionen gut arretieren. Wir mussten nur den kleinen Kompromiss eingehen, dass wir die Kabel nicht innenliegend führen können.“ Gefunden: doppelter Lift – kompakte Lösung Im Rahmen von Hasekes Bauskastensystem für vertikal und horizontal verstellbare Drei Fragen an Dipl.-Ing. Uwe Kunitschke, Geschäftsführer von Haseke Was sind die besonderen Vorteile Ihrer Tragarmsysteme für Maschinenbetreiber bzw. -bediener? Das HMI kann immer auf den Bediener eingestellt werden. So werden Muskel-Skelett-Erkrankungen und ermüdende Körperhaltungen vermieden. Hierdurch werden Krankheitstage reduziert und Unfälle vermieden, da z. B. Not-Aus-Funktionen immer optimal erreichbar sind und mitgeführt werden können. Kann ich eines Ihrer Tragarmsysteme einfach nachrüsten, wenn ich eine Maschine mit fest installiertem Bedienpanel habe? Seit Jahren schon rüsten Kunden der Firma Haseke ihre Maschinen mit höhenverstellbaren Tragarmen nach. Durch die große Anbindungsflexibilität sowohl auf der Seite der Maschine als auch auf der Seite der Bedieneinheit sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Welche Möglichkeiten bietet mir als Betreiber einer Maschine Ihr Baukastensystem? Durch das große Baukastensortiment sind die verschiedensten kundenspezifischen Lösungen in Bezug auf Traglast, Hub und horizontale Auslegung ab Lager lieferbar. Aufwändige und teure Sonderentwicklungen sind somit nicht notwendig. Somit ist Haseke auch schon ab Stückzahl 1 der richtige Partner. Der Betriebsleiter 3/2018 31

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