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Der Betriebsleiter 9/2019

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FERTIGUNGSTECHNIK I EMO

FERTIGUNGSTECHNIK I EMO HANNOVER Es geht um Spindellaufzeiten Mehr Produktivität durch neues 5-Achs-Bearbeitungszentrum mit automatisiertem Handling Formwerkzeuge, Komponenten, Lehren und Prototypen für Maschinenbauer – das ist das breite Spektum, das ein Lohnfertiger zu bearbeiten hat. Kein Auftrag gleicht dem anderen. Um dennoch flexibel und gleichzeitig effizient produzieren zu können, investierte das Unternehmen in ein 5-Achs- Bearbeitungszentrum mit adaptierter Automatisierung. 01 Die HZT Honermeier Zerspanungstechnik in Bünde, rund 20 Kilometer nördlich von Bielefeld, ist ein erfolgreiches Familienunternehmen, das Prototypen, Einzelteile und Serien für die Druck- und Lebensmittelindustrie sowie den Maschinen- und Automobilbau herstellt. 2001 machte sich Lars Honermeier selbstständig. Die notwendige Expertise brachte er als ausgebildeter Zerspanungsmechaniker mit Meisterbrief ebenso ein wie den unternehmerischen Weitblick. Er setzt zum einen auf eine flexible Fertigung, um unterschiedliche Aufträge abarbeiten zu können, zum anderen auf eine persönliche Beziehung zu seinen Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern. Aktuell arbeiten zwölf Fachkräfte im Betrieb. Sie erstellen aus vorhandenen Datensätzen, Modellen und Baugruppen die CNC- Programme für die Fräsbearbeitung und entwickeln dabei möglichst ökonomische Zerspanungs- und Aufspannstrategien. Die Bearbeitung der Formen, Komponenten, Lehren und anderer Werkstücke erfolgt auch auf Fräszentren der Maschinenfabrik Berthold Hermle AG. „Unsere erste Hermle war eine gebrauchte 3-Achs-Maschine“, erinnert sich Honermeier. „Das war einfach eine Kostenfrage damals.“ Und schon diese Maschine überzeugte den Unternehmer. Überzeugendes Konzept Vor rund fünf Jahren folgte ein kompaktes Bearbeitungszentrum der Baureihe C 12 U 02 mit der Heidenhain TNC 640-Steuerung und einem Werkzeug-Zusatzmagazin. „Es sind die vielen Kleinigkeiten, die einem den Arbeitsalltag erleichtern“, erklärt der Geschäftsführer und nennt als Beispiel die Werkzeugverwaltung: „Statt selbst händisch zu suchen, welches Werkzeug für den Auftrag benötigt wird, zeigt die Hermle- Maschine nach der Simulation an, ob die benötigten Werkzeuge an Bord sind.“ Eine weitere Optimierung erhoffte er sich von der Investition in ein 5-Achs-Bearbeitungszentrum: Um der Auftragslage in der gewohnten Qualität und Schnelligkeit gerecht zu werden, entschied sich Lars Honermeier, in die Automation zu investie- 01 Das Hermle-Fertigungszentrum bei HZT Honermeier besteht aus dem 5-Achs-Bearbeitungszentrum C 400 U und der Automationslösung HS flex 02 Die zwei Speichermodule des HS flex-Systems bieten Platz für 15 Paletten ren, statt eine zweite Schicht einzuführen. „Eigentlich wollten wir die Maschine von der Vorderseite bedienen können – das sprach zunächst gegen das Handlingsystem HS flex“, erklärt Honermeier. Bei einem Besuch bei Hermle in Gosheim mit eingehender Beratung überzeugte ihn die frontseitig angebrachte Automatisierungslösung dann 16 Der Betriebsleiter 9/2019

EMO HANNOVER I FERTIGUNGSTECHNIK doch und er orderte ein Bearbeitungszentrum der Baureihe C 400 U – ausgerüstet mit dem Handlingsystem. „Zum Glück, denn direkt am nächsten Tag erhielten wir einen Auftrag, für den unser ursprünglich favorisiertes Bearbeitungszentrum zu klein gewesen wäre“, verrät der Geschäftsführer. Etwa zwölf Wochen später richtete Hermle das 5-Achs-Bearbeitungszentrum ein. „Es lief alles perfekt – innerhalb von drei Tagen konnten wir fräsen“, berichtet Honermeier und erzählt augenzwinkernd: „In der ersten Woche ist zweimal der Spänewagen übergelaufen, da die neue Maschine nicht mehr stillstand.“ Dieses eher unerwartete Problem zeigt, wie schnell sich die Mitarbeiter an der neuen Maschine eingearbeitet haben. Maschine rüsten, während sie läuft Mit der Automationslösung können die Zerspanungstechniker die Maschine rüsten, während sie läuft. Vom seitlichen Rüstplatz aus kann der Facharbeiter tagsüber die notwendige Bestückung vornehmen und später die Zerspanung bis in den Abend hinein laufen lassen. „Es geht um Spindellaufzeiten, und die bekommt man durch die Automatisierung in die Höhe“, verdeutlicht Honermeier. Im Schnitt ist ein Werkstück zwischen 15 Minuten und drei Stunden am Span. Dank der Softwarelösung HIMS (Hermle Information Software Monitoring) hat der Zerspanungsexperte den Überblick, auch wenn die Maschine alleine arbeitet. Das zentrale Überwachungstool liefert nicht nur den Live- Status und eine detaillierte Auswertung der Statushistorie, sondern schickt eine Mail bei Ereignissen oder Fehlern der Maschine. Die integrierte Werkzeugbruchkontrolle gibt ihm zusätzliche Sicherheit. Vom Büro aus programmieren Die Mitarbeiter programmieren das 5-Achs- Bearbeitungszentrum primär vom Büro aus. Lars Honermeier ist es wichtig, dass sie sowohl die Maschine bedienen als auch programmieren können. So sorgt er dafür, dass jeder Bediener die Hälfte seiner Arbeitszeit am CAD-/CAM-Arbeitsplatz verbringt und die andere Hälfte direkt an der Maschine. „Das ist für die Motivation und die Vertretungssituation wichtig“, betont er. Der großzügig gestaltete Zwischenraum bietet genügend Platz für manuelle Tätigkeiten im Arbeitsraum. Im Automatikbetrieb sichert eine Flügeltür den Zugang. Honermeier wählte neun Speicherplätze für 320 × 320 mm große Paletten sowie sechs für Paletten der Abmessung 500 × 400 mm. „Dem Bediener stehen so jederzeit verschiedene Spannsituationen zur Verfügung, aus denen er die passende nur noch auswählen muss“, verdeutlicht Lars Honermeier. Aufträge priorisieren Die beiden Palettenspeichermodule haben auch die Auftragsorganisation beim Zulieferer verändert. Durch die 15 Speicherplätze kann er die verschiedenen Jobs unterschiedlich priorisieren. Mithilfe der intelligenten Auftragsverwaltung HACS (Automation Control System) können neben der Auftragspriorisierung und -planung auch die Laufzeit und der Werkzeugeinsatz vorausberechnet und der Ablaufplan dynamisch geändert werden. „So halten wir weniger wichtige Aufgaben vor, die sich die Maschine dann zieht, wenn sich ein passendes Zeitfenster ergibt“, erläutert Honermeier. Das war anfangs ungewohnt für den Unternehmer, da nun manch ein Auftrag bis zu einer Woche auf der Maschine ist. Letztlich hilft es jedoch, Leerlaufzeiten zu vermeiden und die Auslastung zu optimieren. Wie gut dies gelingt, erklärt der Zerspaner knapp: „Alles, was eine 5-Achs-Bearbeitung erfordert, planen wir, wenn möglich, auf der Hermle ein.“ Und das, obwohl noch ein weiteres 5-Achs-Bearbeitungszentrum auf der 850 m² großen Fertigungsfläche steht, das nun deutlich seltener zum Einsatz kommt: „Die C 400 U nimmt der Bestandsmaschine 80 Prozent der Teile weg.“ Zum Einsatz kommt diese nur bei größeren Werkstücken, die längere Verfahrwege benötigen. Diese betragen bei der C 400 U maximal 850 × 700 × 500 mm. Auch komplexe Geometrien akkurat fertigen Honermeier erwartete, dass das neue CNC- Hochleistungs-Bearbeitungszentrum optimale Ergebnisse bei jedem von ihm verwendeten Material produziert. Neben Aluminium, Werkzeugstahl und Kunststoff zerspant der Zulieferer auch Stahlguss. „Probleme hatten wir bisher keine“, betont der Geschäftsführer. Dabei stellt er den hohen Anspruch, dass die Maschine auch komplexe Geometrien akkurat fertigt. Der Präzision kommt auch der torsionsarme Schneckenantrieb des Schwenkrundtischs zugute. Der Tisch verfügt über das optionale Palettenaufspannsystem, hat eine Aufspannfläche von 440 mm im Durchmesser 03 Je nach Geometrie bearbeitet die C 400 U die Werkstücke zwischen 15 Minuten und drei Stunden 04 Von links: Christian Sieks, Arbeitsvorbereitung, Marco Laute, CAD/CAM-Programmierung, Lars Honermeier, Geschäftsführer HZT Honermeier Zerspanungstechnik und ist für bis zu 450 kg schwere Werkstücke ausgelegt. Fazit „Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt“, resümiert der Firmengründer. Von der Beratung über die Inbetriebnahme bis zum Service lief für ihn alles optimal. Auch seine anfängliche Skepsis bezüglich der frontseitigen Adaption der Automationslösung hat er gänzlich abgelegt: „Ich würde es nicht anders machen. Wenn nochmal investiert wird, dann in diesem Verbund.“ www.hermle.de Wirtschaftlicher Einstieg in die Automatisierung Das Handlingsystem HS flex ist eine Lösung für den wirtschaftlichen Einstieg in die Automatisierung der Hermle-Bearbeitungszentren (BAZ). Die frontseitige Adaption bietet eine platzsparende Anordnung mit direkter Anbindung an das BAZ. Der großzügig gestaltete Zwischenraum erlaubt dem Bediener direkten Zugang zum Arbeitsraum für manuelle Tätigkeiten. Das individuell auslegbare Palettenspeichermodul bietet viele Kombinationsmöglichkeiten für ein hohes Teilespektrum. Das Hermle- Automation-Control-System (HACS), das über ein integriertes Touchpanel bedient wird, ermöglicht die intuitive Bedienung und Steuerung des Handlingsystems. Der Betriebsleiter 9/2019 17

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