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Der Betriebsleiter 9/2018

Der Betriebsleiter 9/2018

REINIGUNGSTECHNIK I

REINIGUNGSTECHNIK I SPECIAL 01 Damit Gebäude mit modernen Reinigungsmaschinen zügig und kostengünstig gereinigt werden können, sollten sie reinigungsgerecht ausgelegt sein Kosten senken auf die saubere Art Bereits bei der Gestaltung von Industriebauten an deren Reinigung denken Mit einigen einfachen Grundsätzen lassen sich Lager oder Produktionshallen reinigungsgerecht gestalten. Ein entsprechend geplantes Gebäude ermöglicht nicht nur niedrigere Betriebskosten und eine kontinuierlich saubere Optik, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf Aspekte wie Anlagenwartung und Mitarbeitermotivation. Autor: Olaf Meier, freier Journalist, Mönchengladbach nigung hat also auch direkte Auswirkungen auf die Wartungskosten der produktionstechnischen Anlagen. Bei der Planung bzw. Modernisierung eines Gebäudes lohnt sich daher der Blick auf die Reinigungskosten. Eine Faustformel besagt, dass hierfür pro Jahr Beträge in Höhe von rund drei bis sechs Prozent der Baukosten aufgewendet werden müssen. Mit den Betriebskosten korrelieren auch die Belastungen für die Umwelt: Wird die Reinigung optimiert, sinkt der Verbrauch an Reinigungsmitteln, Energie und Wasser. Ein reinigungsgerecht geplantes Gebäude ist also auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit. Hindernisse vermeiden Wichtigster Grundsatz bei der reinigungsgerechten Gestaltung ist es, Hindernisse zu vermeiden. Unzugängliche Ecken, Nischen, Zwischenräume, Stufen usw. bedeuten immer einen deutlich größeren Aufwand bei der Reinigung. Zumal in den meisten Industriegebäuden auf Grund ihrer Größe die Reinigung maschinell durchgeführt Die Planung von Industriegebäuden wie Produktionshallen oder Logistikbauten ist einzig und allein auf die spätere Nutzung ausgerichtet: Bodenlasten, Materialflussströme, Brandschutz – der Architekt muss dabei viele Dinge berücksichtigen. Doch ein Aspekt gerät gerne in Vergessenheit: die Reinigung des Gebäudes. Dabei spielt sie eine wichtige Rolle im späteren Betrieb: Eine saubere Produktion ist nicht nur eine gute Visitenkarte für das Unternehmen. Sie ist auch die Basis für eine positive Atmosphäre am Arbeitsplatz und für das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Zudem verringert die regelmäßige Reinigung der Böden die Rutschund damit die Unfallgefahr. Sauberkeit in Lager und Fertigung wirkt sich aber auch direkt auf die installierte Technik aus – Staub kann zu Fehlfunktionen von Sensoren und zu Ausfällen an Antrieben und Fördertechnik führen. Eine sorgfältige Reiwerden wird. – Engstellen verhindern den effizienten Einsatz dieser Maschinen. Dazu gehören häufig auch Türen. Damit Reinigungsmaschinen sie problemlos passieren können, sollte die Durchfahrbreite mindestens 1,2 Meter betragen. In den Bereichen, in denen Stapler fahren, wird dies automatisch der Fall sein. Doch eventuell soll die Reinigungsmaschine ja auch angrenzende Bereiche reinigen – eine zu schmale Tür würde das verhindern. Ähnliche Maße sind auch zu berücksichtigen, wenn freie Flächen durch Säulen abgestützt werden: Sie sollten nicht zu nah an einer Wand platziert werden und bei maschineller Reinigung genug Platz bieten, dass sie umfahren werden können. Zusätzlich sollte aber auch die Installation von Druckluft, Wasser und Elektrik angepasst sein. Rohre und Leitungen, die durch den Boden geführt werden, stellen für die Reinigung unnötige Hindernisse dar, so entstehen schnell Schmutzecken. In den Wandbereichen sollten zudem Kehlsockel und ein rund 15 Zentimeter breiter Streifen mit unprofiliertem Bodenbelag eingeplant werden – dies erleichtert die Reinigung entlang der Wände erheblich. Ein unprofilierter Bodenbelag empfiehlt sich auch unter feststehenden Maschinen und Geräten. Werden Treppen nass gereinigt, entstehen oft hässliche Tropfnasen, da das Schmutzwasser ungehindert von der Stufe laufen kann. Daher empfiehlt es sich, Stufen mit einem seitlichen Wasserschutz oder einer Wasserrinne zu wählen. Die Geländerstützen sollten nicht direkt auf der Treppe aufgesetzt sein, da sie wiederum ein Hindernis darstellen und sich um sie herum schnell Schmutzablagerungen bilden. Der Aufwand für die Reinigung lässt sich zudem erheblich reduzieren, wenn der Schmutz in Eingangs- und Übergangsbereichen von intensiv verschmutzten zu eher sauberen Zonen abgefangen wird. Bereits in der Planungsphase sollten daher Schmutzschleusen und Sauberlaufzonen – Abstreifmatten, Gitterroste, oder auch Fußbecken – vorgesehen werden. Mittels dieser Zonen kann die Verschmutzung auf ein Mindestmaß reduziert werden. Im Fokus Effizienz Nachhaltigkeit Sicherheit 36 Der Betriebsleiter 9/2018

SPECIAL I REINIGUNGSTECHNIK Auf den Punkt gebracht Bei der Planung bzw. Modernisierung eines Gebäudes lohnt der Blick auf die Reinigungskosten. Eine Faustformel besagt, dass hierfür pro Jahr Beträge in Höhe von rund drei bis sechs Prozent der Baukosten aufgewendet werden müssen. Mit den Betriebskosten korrelieren auch die Belastungen für die Umwelt: Wird die Reinigung optimiert, sinkt der Verbrauch an Reinigungsmitteln, Energie und Wasser. Ein reinigungsgerecht geplantes Gebäude ist also auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit. 02 Kompakte Aufsitz-Scheuersaugmaschine für die rationelle Nassreinigung großer Flächen: Je nach Bodenbelag und Verschmutzung kann zwischen Teller- oder Walzenbürsten gewählt werden 03 Dosier- und Befüllsysteme tragen dazu bei, dass der Einsatz von Scheuersaugmaschinen umweltfreundlich, zeitsparend und wirtschaftlich erfolgt Putzräume nicht vergessen Wichtiger Aspekt für die Effizienz der Gebäudereinigung ist auch ein eigener Putzraum. Hier lassen sich die benötigten Reinigungsmittel sicher und ordentlich verwahren, Eimer mit Schmutzwasser entleeren, frisches Wasser holen und eine Reinigungsmaschine abstellen. Bei mehrstöckigen Produktions- und Logistikgebäuden sollte pro Etage eine Putzkammer vorgesehen werden, um unnötige Wege für das Reinigungspersonal zu vermeiden. Ausgestattet sein sollte dieser Raum mit einem Waschbecken, das groß genug ist, um Eimer zu befüllen und das dafür auch einen ausreichenden Wasserfluss hat. Zum Befüllen einer Scheuersaug-Maschine sollte zudem ein 1- oder ¾-Zoll-Wasseranschluss vorgesehen werden. Ein großzügig dimensionierter Bodenabfluss ermöglicht zudem die einfache Entleerung des Schmutzwassertanks der Reinigungsmaschine. Reinigungsaufwand. Betonböden z.B. sondern durch Abrieb kontinuierlich Staub ab – es muss also häufiger gereinigt werden. Offenporige Betonböden empfehlen sich zudem nicht für Bereiche, in denen flüssige Verschmutzungen anfallen – der Schmutz würde in die Poren eindringen und ließe sich nur aufwändig wieder entfernen. Will man das verhindern, bietet sich eine Kunststoffbeschichtung des Betonbodens an. Doch Wichtigster Grundsatz bei der reinigungsgerechten Gebäudegestaltung ist es, Hindernisse zu vermeiden nicht jede Beschichtung verträgt stark alkalische Reiniger, wie sie etwa in metallverarbeitenden Betrieben eingesetzt werden. Nicht jede Nutzung eines Industriegebäudes erfordert hochbelastbare Böden. 04 Der an den Bürsten befestigte Wasserhaltering hält die Reinigungsflotte länger auf der zu reinigenden Fläche – das spart Wasser und Reinigungsmittel Gerade in diesem Fall sollte der Architekt wissen, welcher spezifische Raddruck durch eine Reinigungsmaschine auf den Boden aufgebracht wird – immerhin kann eine mittlere Aufsitz-Scheuersaugmaschine mit vollem Wassertank und Batterie bis zu 760 kg wiegen. Ist der Boden für eine derartige Belastung nicht ausgelegt, können Keramikfliesen, die auf einer zu dünnen Estrichschicht verlegt sind, wegplatzen oder der Estrich-Untergrund wegbrechen. Daher sollte sich der Architekt schon während der Planungsphase mit den zu erwartenden Verschmutzungen und den daraus resultierenden Belastungen, Reinigungsverfahren und der notwendigen Reinigungschemie auseinandersetzen und den Boden auch unter diesen Aspekten auswählen. www.hako.com Sorgfältige Wahl des Bodenbelages Im Industriebereich kommen die unterschiedlichsten Materialien als Bodenbelag zum Einsatz. Bei der Wahl des Bodenbelags stehen meist Faktoren wie Rutschhemmung oder mechanische Belastbarkeit im Vordergrund. Doch der Bodenbelag spielt auch eine wesentliche Rolle beim zukünftigen Der Betriebsleiter 9/2018 37

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