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Der Betriebsleiter 7-8/2019

Der Betriebsleiter 7-8/2019

FERTIGUNGSTECHNIK

FERTIGUNGSTECHNIK Fertigung im Wandel EMO Hannover 2019 zeigt, wie die Produktionsanforderungen der Elektromobilität erfüllt werden Das Mobilitätskonzept für den Individualverkehr wird in der näheren Zukunft eine Kombination aus kleiner werdenden Verbrennungsmotoren und Elektroantrieb sein, sagen die einen, die anderen bauen darauf, dass Elektromobilität Arbeitsplätze sichern oder gar neu schaffen wird. Sicher ist nur: Werkzeugmaschinen gehören noch lange nicht zum alten Eisen – ausgestattet mit smarten Techno- logien werden sie auch das Bild der EMO Hannover 2019 prägen. Der Umstieg auf Elektromobilität bedeutet einen tiefgreifenden Wandel für die Produktionstechnik“, warnte bereits 2010 der damalige Präsident der Fraunhofer- Gesellschaft Prof. Hans-Jörg Bullinger. So werde sich im Automobilbau die gesamte Wertschöpfungskette ändern. Die Bedeutung der Elektrifizierung für die Wertschöpfung im Antriebsstrang nimmt auch die von Autor: Walter Frick, Fachjournalist aus Weikersheim der Aachener FEV Consulting GmbH erstellte VDMA-Studie „Antrieb im Wandel“ aus dem vergangenen Jahr unter die Lupe. Demnach wird die zunehmende Dynamik bei der Elektrifizierung von Fahrzeugen und in der Antriebstechnik zu einschneidenden Veränderungen in der gesamten deutschen Mobilitäts- und Fahrzeugindustrie sowie in bedeutenden Teilen des Maschinenbaus führen. Zudem kommt der Forschung und branchenübergreifenden Netzwerken eine zentrale und entscheidende Rolle zu. Zwar erwarten die FEV-Experten in den drei betrachteten Märkten Europa, USA und China eine Verringerung des Absatzes von Verbrennungsmotoren (inkl. Hybridantriebe) bei Pkw um 10 % bis zum Jahr 2030 im Vergleich zu 2016. Dennoch soll für Komponentenhersteller sowie Maschinen- und Anlagenbauer weiterhin ein substanzielles Geschäft verbleiben. Denn verbesserte Antriebstechnologien – beispielsweise Effizienzmaßnahmen in Verbrennungsmotor und Getriebe – erhöhen auch die Anforderungen an die Fertigungstechnik. Zugleich rechnen die Studienautoren in diesen drei Märkten mit einem Anteil von 22 % an rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen. Die Auswirkungen der Elektrifizierung auf die einzelnen Fertigungsprozesse, die bei konventionellen Antrieben dominieren, sind erheblich. So reduziert sich deren Wertschöpfung beim batterieelektrischen Antrieb im Durchschnitt um 64 % (ohne Batteriezellproduktion). Im Gegensatz dazu steigt beim (Plug-in-) Hybridantrieb die 01 Hochpräzise Lasertechnologie ermöglicht die Massenproduktion von Elektroautos Wertschöpfung um 24 % – hier wird neben einem Verbrennungsmotor auch ein elektrischer Antrieb verbaut. Entscheidend ist, was unter dem Strich herauskommt: Hier zeigt die Studie auf, dass sich die Kombination aus Hybridantrieben, einer höheren Komplexität beim Verbrennungsmotor sowie steigenden Absatzzahlen von Fahrzeugen – vor allem in China – insgesamt positiv auf die Wertschöpfung auswirken. Nach Einschätzung von VDMA-Präsident Carl Martin Welcker „birgt der Transformationsprozess der Mobilität für den Maschinenbau Chancen auf zusätzliche Wertschöpfung – für uns kann der ‚Antrieb im Wandel‘ ein Wachstumsgeschäft sein“. 02 In den kommenden Jahren bleiben Verbrennungsmotoren wohl das zentrale Antriebskonzept; d.h., dass sich der Zerspanungsanteil mittelfristig eher erhöht 24 Der Betriebsleiter 7-8/2019

FERTIGUNGSTECHNIK EMO Hannover – Weltleitmesse der Metallbearbeitung Vom 16. bis 21. September 2019 präsentieren internationale Hersteller von Produktionstechnologie zur EMO Hannover 2019 smarte Technologien. Unter dem Motto „Smart technologies driving tomorrow’s production!“ zeigt die Weltleitmesse der Metallbearbeitung die gesamte Bandbreite moderner Metallbearbeitungstechnik. Vorgestellt werden neueste Maschinen plus effiziente technische Lösungen, Produktbegleitende Dienstleistungen, Nachhaltigkeit in der Produktion u. v. m. Der Schwerpunkt der EMO Hannover liegt bei spanenden und umformenden Werkzeugmaschinen, Fertigungssystemen, Präzisionswerkzeugen, automatisiertem Materialfluss, Computertechnologie, Industrieelektronik und Zubehör. www.emo-hannover.de Noch bleibe den Unternehmen Zeit, um die Transformation erfolgreich zu gestalten, um Geschäftsmodelle und Technologien anzupassen. Gleichzeitig zeige die Studie aber klar: „Hybridisierung und Elektrifizierung werden sich am Markt durchsetzen.“ Maschinenbau profitiert von Elektromobilität Die Meinung des VDMA-Präsidenten findet bei Marc Kirchhoff, Head of Industry Management Automotive der Trumpf GmbH + Co. KG in Ditzingen, uneingeschränkte Zustimmung: „Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland kann von der Elektromobilität profitieren.“ Die Mobilität der Zukunft werde bei Trumpf Arbeitsplätze in Entwicklung, Produktion und Applikation mindestens sichern, teilweise sogar neu schaffen, „denn Laser machen es überhaupt erst möglich, dass Elektroautos wettbewerbsfähig produziert werden können. Und wir verzeichnen bereits heute eine steigende Nachfrage nach Fertigungstechnologien für die Elektromobilität“, so Kirchhoff. Nicht zuletzt wegen der für das Jahr 2024 prognostizierten gleichwertigen Attraktivität von Verbrennern und Elektrofahrzeugen sollte laut VDMA-Präsident Welcker spätestens jetzt der Transformationsprozess in den betroffenen Unternehmen angegangen werden. Genau das, sagt Marc Kirchhoff, „ist bei uns durchaus der Fall und zwar auf unterschiedlichen Ebenen. Mit unserem Branchen- und Applikationswissen etwa unterstützen wir heute schon die Branche dabei, neue Technologien zu verstehen, zu entwickeln und komplette Produktionsanlagen für die Serienfertigung aufzubauen.“ Viele der vorhandenen Produkte des Unternehmens können vom Stand weg für die Fertigung von E-Komponenten eingesetzt werden. So habe man beispielsweise weltweit mehr als 500 Laser verkauft, die in der Batterieproduktion zum Einsatz kommen – Tendenz kräftig steigend. „Unsere Technologien sind in der Batteriefertigung breit im Einsatz“, berichtet Kirchhoff. „Schon heute entfällt bei Trumpf jeder zehnte Euro bei den Automobilumsätzen auf die Batteriefertigung.“ Die Auswirkungen der Elektrifizierung auf die einzelnen Fertigungsprozesse des Unternehmens erläutert Kirchhoff so: „In unseren Auftragsbüchern verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg an Fokussieroptiken in Kombination mit Hochleistungslasern für hochproduktive Anlagen im Bereich der Elektromobilität.“ Hinzu kommen verstärkt Anfragen nach grünen Lasern zum Schweißen von Kupfer sowie nach Lösungen für das Schneiden von kohlefaserverstärkten Kunststoffen. Daraus lasse sich ableiten, dass viele in der Automobilund Zulieferindustrie – aber auch einige neue Player auf dem Markt – die Zeichen der Zeit erkannt haben und ihre Fertigungshallen auf die massenhafte Produktion von E-Autos vorbereiten. Und weil die genannten Anfragen so signifikant steigen, bietet Trumpf Laser und Lasersysteme speziell für die Anforderungen der Elektromobilität an. Zerspanungsanteil mittelfristig gleichbleibend „Das Individual-Mobilitätskonzept in der näheren Zukunft wird eine Kombination aus kleiner werdenden Verbrennungsmotoren und Elektroantrieb sein“, glaubt Manfred Maier, Geschäftsführer und COO der Heller Gruppe, Nürtingen. Vieles deute darauf hin, dass die politisch postulierte Zielvorgabe vollelektrifizierter Fahrzeuge nicht von heute auf morgen realisierbar ist, sondern sich in einem längeren Prozess und in vielen Zwischenschritten vollziehen wird: „So wird es beispielsweise Jahre, wohl eher sogar Jahrzehnte in Anspruch nehmen, eine geeignete Infrastruktur aufzubauen“, so Maier. Momentan jedenfalls gehen alle relevanten Studien übereinstimmend davon aus, dass sich der weltweite Pkw-Bestand in den kommenden zehn Jahren um weitere 30 Mio. Fahrzeuge erhöhen wird. Davon soll der Anteil an reinen Elektrofahrzeugen kaum mehr als 10 % betragen. „In den kommenden zehn, 20 oder mehr Jahren“, so Maier, „bleiben demnach Verbrennungsmotoren das zentrale Antriebskonzept. Für uns heißt dies, dass sich der Zerspanungsanteil mittelfristig eher erhöht und im weiteren Verlauf – wenn überhaupt – nicht wesentlich reduziert.“ EMO Hannover als Plattform für Lösungen der Zukunft Seine Erwartungen an die Weltleitmesse der Metallbearbeitung bringt Heller-COO Manfred Maier so auf den Punkt: „Die EMO Hannover 2019 bietet uns die Plattform, mit Der Transformationsprozess der Mobilität birgt für den Maschinenbau Chancen auf zusätzliche Wertschöpfung – für uns kann der ‚Antrieb im Wandel‘ ein Wachstumsgeschäft sein. Noch bleibt den Unternehmen Zeit, um die Transformation erfolgreich zu gestalten, um Geschäftsmodelle und Technologien anzupassen. Carl Martin Welcker, Präsident des VDMA unseren Kunden über die aktuellen und zukünftigen Fertigungsanforderungen zu sprechen und gemeinsam Lösungen zu finden. Die EMO ist zugleich auch ein hervorragender Indikator, Entwicklungen in Technologien und Prozessen sowohl im Werkzeugmaschinenbau als auch bei unseren Kunden wahrzunehmen und daraus möglicherweise neue Geschäftsmodelle abzuleiten.“ Bilder: Deutsche Messe www.vdw.de www.trumpf.com www.heller.biz Der Betriebsleiter 7-8/2019 25

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