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Der Betriebsleiter 7-8/2017

Der Betriebsleiter 7-8/2017

Ergonomisch hoch hinaus

Ergonomisch hoch hinaus Bushersteller setzt in neuer Fertigungslinie auf stufenlos verstellbare Aufdacharbeitsanlagen Mit der Umstellung der Prozesskette bei der Herstellung von Omnibussen hat Evobus im Werk Neu-Ulm eine Revolution der besonderen Art gestartet: Als erster Bus-Produktionsstandort innerhalb der Daimler AG wurde das Werk auf eine deutlich kürzere Taktzeit umgestellt. Großen Anteil am reibungslosen Workflow der neuen Busfertigung haben drei automatisierte, stufenlos verstellbare Aufdacharbeitsanlagen als Herzstück der neuen Vorbereitungslinie. 02 Die stufenlos elektrisch verstellbaren Arbeitsplattformen docken mit Spaltmaß null an den Bussen an Die Umstellung war für uns unausweichlich, denn wir sind der einzige Hersteller, der überhaupt noch in Deutschland produziert. Um die Standorte und die Arbeitsplätze zu stärken, mussten wir die Abläufe verändern, damit die Produktionskosten pro Fahrzeug auf einem wettbewerbsfähigen Level bleiben“, erklärt Lars Urban, Leiter Werkplanung bei der Evobus GmbH, die Omnibusse für die Marken Mercedes-Benz, Setra, Omni-Plus und Bus-Store produziert. Urban und sein Projektteam krempelten die Abläufe komplett um. Technologisch und organisatorisch wurde vom bisherigen Mehrlinien-Konzept auf ein Einlinien­ System umgestellt, die Montage erfolgt komplett staplerlos. Deutliche Effizienzsteigerung Dank der neuen Lösung mit verkürztem Zwangstakt und synchronem Rangieren der Fahrzeuge profitiert Evobus von einem Effizienzgewinn in Fläche und Logistik sowie einer signifikanten Arbeitszeiteinsparung. Der Wechsel vom Mehrlinien- auf das Einlinien-System zur Reduzierung der Taktzeiten war eine entsprechend große Herausforderung. „Wenn man aufgrund der Taktzeitenreduzierung ein kürzeres Zeitfenster zur Verfügung hat, bedeutet das eben auch, dass deutlich mehr Arbeiten gleichzeitig am Fahrzeug ausgeführt und auch schneller erledigt werden müssen als bisher“, so Urban. 8 Der Betriebsleiter 7-8/2017

BETRIEBSTECHNIK 01 In der neuen Vormontagelinie der Busfertigung von Evobus in Neu-Ulm steigern drei Aufdacharbeitsanlagen Ergonomie und Effizienz Sämtliche Dacharbeiten werden dabei in einer neuen Vorbereitungslinie vorgenommen, die aus drei automatisierten Aufdacharbeitsanlagen der Günzburger Steigtechnik besteht. Auf der ersten Bühne werden die Glasdachelemente oder Panoramadächer in die Bus-Chassis eingesetzt, auf der zweiten Bühne werden je nach Bustyp noch Fugenarbeiten vorgenommen sowie Antennen und Designelemente montiert. Bühne drei dient zur Montage von Klimaanlagen. Auch Dachluken oder Notausstiege werden hier endmontiert. Neue Qualität bei Arbeitssicherheit und Ergonomie „Höchste Arbeitssicherheit und Ergonomie für unsere Mitarbeiter sind hier ausschlaggebend, schließlich sind das Tätigkeiten, die in einer Höhe von drei oder vier Metern stattfinden. Dank der modernen Aufdachan lagen der Günzburger Steigtechnik haben wir hier eine ganz neue Qualität erreicht. Wir haben uns sozusagen aus der einen oder anderen ergonomischen Zwangslage befreit. Denn früher mussten immer erst Leitern oder sonstige Steighilfen an die Busse heran- und wieder weggeschoben werden, Höchste Arbeitssicherheit und Ergonomie für unsere Mitarbeiter sind bei den Dacharbeiten in der neuen Vorbereitungslinie ausschlaggebend, schließlich sind das Tätigkeiten, die in einer Höhe von drei oder vier Metern stattfinden. Dank der modernen Aufdachanlagen der Günzburger Steigtechnik haben wir hier eine ganz neue Qualität erreicht. Lars Urban, Leiter Werkplanung, Evobus GmbH, Neu-Ulm um Montagen am Dach vornehmen zu können. Diese Rüstzeiten entfallen jetzt komplett. Außerdem sind die neuen Bühnen komplett höhenverstellbar, sodass unser Team auf Knopfdruck die ideale Arbeitshöhe anfahren kann“, erklärt Urban. Materialaufzüge integriert Darüber hinaus können sich die Evobus- Mitarbeiter über einen ganz besonderen Mehrwert freuen: In die Arbeitsbühnen sind Materialaufzüge integriert, sodass sämtliche Bauteile und Werkzeuge nicht von Hand oder mit dem Stapler nach oben transportiert werden müssen. Über die integrierten Aufzüge landet das Material auf groß dimensionierten Vormontageplätzen. Auch das ist eine Revolution: Denn erstmals überhaupt werden Komponenten auf diesen integrierten Montageplätzen direkt auf Montagehöhe vormontiert. Jede Aufdacharbeitsanlage bietet insgesamt 70 m² an Montagefläche, genügend Platz also für Werkzeug und Bauteile. „Das komfortable Arbeiten auf Dachhöhe beschleunigt die Abläufe ungemein. Nur durch die komplette Umstellung der Vormontage können wir die Prozesse so optimieren, um den vollen Effizienzgewinn ausschöpfen zu können“, sagt Urban. Vorzeigeprojekt in vielerlei Hinsicht Für die Günzburger Steigtechnik ist das Evobus-Projekt ein Vorzeigeprojekt der besonderen Art. „Unser Team hat hier wieder einmal gezeigt, wie innovative Steigtechnik maßgeblich zur Prozessoptimierung beitragen kann. Das muss nicht auf Kosten der Arbeitssicherheit gehen. Im Gegenteil! Mit unseren Aufdacharbeitsanlagen haben wir eine ganz neue Dimension an Arbeitssicherheit implementiert“, erklärt Ferdinand Munk, Geschäftsführer der Günzburger Steigtechnik. Der Zugang auf die Aufdacharbeitsplätze führt über zwei 1 000 mm breite Variotreppen an den Längsseiten der Bühnen mit integrierten Zugangs- und Absturzsicherungen. Erst wenn alle Kontaktleisten auch „Kontakt“ gemeldet haben und zusätzlich über Knopfdruck die Freigabe manuell bestätigt wurde, können die Mitarbeiter den Arbeitsbereich betreten. Auch an Geländern und Türen erfolgt die Freigabe über diesen sicheren Bestätigungsmodus. 03 Erst wenn alle Kontaktleisten auch „Kontakt“ gemeldet haben und zusätzlich über Knopfdruck die Freigabe manuell bestätigt wurde, können die Mitarbeiter den Arbeitsbereich betreten Auch in Bezug auf Flexibilität ist den Entwicklern der Günzburger Steigtechnik ein Meisterwerk gelungen. Die Aufdacharbeitsanlagen bei Evobus lassen sich nicht nur mit Spaltmaß null an die Busse andocken und im Höhenbereich von 2 600 bis 4500 mm stufenlos verfahren, sondern sie passen sich auch automatisch an die unterschiedlichen Bustypen an. „Dadurch erreichen wir höchste Flexibilität im Prozessablauf. Wir können also ohne Zeitverlust einen Citaro-Linienbus nach einem Setra-Reisebus oder einem Setra-Doppelstockfahrzeug montieren, in allen Sequenzen und Varianten“, freut sich Lars Urban. Absolute Prozesssicherheit ist Pflicht: Daher entsprechen die Aufdacharbeitsanlagen auch in Bezug auf Wartung, Instandhaltung und Ausfallsicherheit allen Vorgaben des heutigen Industrie-4.0-Standards. „Gemeinsam mit Evobus haben unsere Entwickler die Steuerungstechnik optimiert, sodass die Prozesssicherheit zu jeder Zeit gegeben ist. Schließlich handelt es sich um eine A-Anlage, die nicht stehenbleiben darf“, erklärt Ferdinand Munk. www.steigtechnik.de Im Fokus Effizienz Sicherheit Nachhaltigkeit Der Betriebsleiter 7-8/2017 9

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