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Der Betriebsleiter 6/2017

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Der Betriebsleiter 6/2017

Ergonomie-Expertise ist

Ergonomie-Expertise ist gefragt Betriebseinrichtungsexperte Florian Leins zu den Erfolgsfaktoren zukunftsweisender Arbeitsumgebungen Florian Leins, Geschäftsleiter Betriebseinrichtungen, Hoffmann Group, München Ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz hebt nicht nur die Motivation, sondern kann auch den Leistungsabfall während einer Arbeitsschicht vermindern. Deshalb kommt der Ergonomie bei der Planung neuer Betriebseinrichtungen eine besondere Rolle zu. Florian Leins, Geschäftsleiter Betriebseinrichtungen bei der Hoffmann Group, zeigt Erfolgsfaktoren zukunftsweisender Arbeitsumgebungen auf. Werden Industriearbeitsplätze nach ergonomischen Gesichtspunkten gestaltet und organisiert, können Mitarbeiter nach einhelliger Meinung effizienter arbeiten und ihre Leistungsfähigkeit steigern. Herr Leins, lässt sich das so pauschal formulieren? Das kann ich uneingeschränkt mit ‚ja‘ beantworten. Denn ein optimal abgestimmtes Umfeld mit passenden individuellen Arbeitsplätzen trägt unumstritten dazu bei, die Produktivität zu verbessern und langfristig zu sichern. Bei der Planung von Betriebseinrichtungen gibt es eine Reihe von Erfolgsfaktoren, die vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des steigenden Durchschnittsalters der Belegschaften immer mehr an Bedeutung gewinnen. Welche Faktoren sind bei der Bewertung der Arbeitsplätze aus Ihrer Sicht besonders wichtig? In einem ersten Schritt sollten die Lichtverhältnisse optimiert werden, denn Licht steuert den Biorhythmus. Ein ausgewogener Mix aus direkter und indirekter Beleuchtung sowie aus Arbeitsplatzleuchte und Tageslicht unterstützt den Organismus optimal. Für ausreichendes Tageslicht liegt das Verhältnis von lichtdurchlässiger Fläche zur Raumgrundfläche bei mindestens 1:10. Für Arbeiten mit besonders hohen Sehanforderungen sollte das Verhältnis auf 1:5 erhöht werden. Eine gute Orientierungshilfe bei der Einrichtung von Lichtquellen geben die genormten Mindestbeleuchtungsstärken. Die passende Auswahl der Lichtquellen leuchtet ein. Aber wie begegnet man den Belastungen durch überwiegend stehende Tätigkeiten, die für Produktionsarbeitsplätze doch wohl typisch sind? Sie haben völlig Recht. Bei längerem Stehen müssen die Beine gut durchblutet und die Gelenke entlastet werden. Anti-Ermüdungsmatten helfen hier nachweislich, die Gewichtsverteilung und die Mikrobewegungen in den Beinen zu fördern. Sogenannte offene Anti-Ermüdungsmatten binden zudem Schmutzpartikel und bieten dadurch mehr Rutschsicherheit. Und was empfehlen Sie, wenn typische Produktionstätigkeiten Mitarbeiter dazu zwingen, für längere Zeit stehend in derselben Position zu verbringen? Sind Anti-Ermüdungsmatten hier ausreichend? Nein. Bei mehr als zwei Minuten stehender Tätigkeit in unveränderter Position empfehlen wir den Einsatz von Stehhilfen. Diese können bis zu 60 Prozent des Körpergewichts auffangen. Welche Rolle spielen höhenverstellbare Werkbänke in diesem Zusammenhang? Gerade im Mehrschichtbetrieb gibt es hier sicherlich besondere Anforderungen. Was ist da aktuell angesagt? Werkbänke sind natürlich ein integraler Bestandteil von ergonomisch gestalteten Betriebseinrichtungen. Denn es ist wichtig, dass die Mitarbeiter die Arbeitshöhe an die zu erledigende Aufgabe, ihre Körpergröße und an die Abmessungen des Arbeitsgegenstands anpassen können. Ein Beispiel: Bearbeitet ein Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz Bauteile verschiedener Größe, ist es ausreichend, wenn er die Höhe der Arbeitsplatte verändern kann. Im Mehrschichtbetrieb sind hingegen komplett höhenverstellbare Arbeitsplätze ratsam. Bei elektronisch verstellbaren Werkbänken und Workstations geht das heutzutage über eine Memory-Funktion, die eine sehr schnelle Anpassung des Arbeitsplatzes möglich macht. Neben der Arbeitsplatzhöhe sollten außerdem die Greifräume und Sichtfelder richtig dimensioniert sein. 34 Der Betriebsleiter 6/2017

SPECIAL I ERGONOMIE 02 Anti-Ermüdungsmatten entlasten Muskeln und Gelenke 03 Werkbank mit Aufbau und EasyFix Haken und Haltern Wie wichtig sind ergonomisch gestaltete Greifräume und Sichtfelder? Was gilt es hier zu beachten? Greifräume und Sichtfelder sind sehr wichtig, will man Fehlbeanspruchungen wie etwa häufiges Bücken vermeiden. Um den Arbeitsplatz an die Armlänge anzupassen und einfaches Greifen ohne Abknicken des Handgelenks zu ermöglichen, haben sich schwenkbare Seitenlochwände an den Werkbänken bewährt. Bei länger anhaltenden Arbeiten im Greifraum können Armauflagen vorzeitiges Ermüden verhindern. Damit das Auge nicht ständig neu fokussieren muss, empfehlen wir, Griffbehälter, Werkzeuge und visuelle Informationen immer in gleicher Ent fernung anzuordnen. Sprechen wir über die Arbeitsmittel. Was müssen diese leisten, um sich in die Reihe der Erfolgsfaktoren für ergonomische Arbeitsplätze einzureihen? Auch für die Arbeitsmittel gibt es natürlich ergonomische Anforderungen. Die Werkzeuge müssen zum Beispiel gut in der Hand liegen und auch dann noch eine hohe Griffigkeit bieten, wenn die Hände oder die Schutzhandschuhe nass oder ölig sind. Werkzeuge mit Santoprene-Griffen haben sich hier besonders bewährt. Elektrowerkzeuge sollten zusätzlich möglichst vibrationsarm sein. Denn sie können Vibrationen auf das Hand-Arm- System übertragen und Durchblutungsstörungen der Finger und Hände auslösen. Wenn die Werkzeuge dann auch noch gut aussehen, kann das die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter zusätzlich steigern. Ordnung ist das halbe Leben. Was raten Sie Kunden, wenn es darum geht, die Arbeitsumgebung so zu gestalten, dass die Mitarbeiter ihre Arbeitsmittel schnell griffbereit haben? Für die übersichtliche Aufbewahrung gibt es anpassbare Ordnungssysteme. Unsere Garant-Lochwände erlauben zum Beispiel die flexible und einfache Anbringung von Garant Easyfix Haken und Haltern. Für Werkzeugschubladen gibt es individuell konfigurierte eForm-Schaumstoffeinlagen mit Frästaschen in Form der genutzten Werkzeuge und auch für unseren neuen Werkzeugausgabeautomaten Garant Tool24 PickOne haben wir uns etwas Besonderes einfallen lassen: Eine LED-Anzeige zeigt dem Mitarbeiter an, in welchem Fach sich sein Artikel befindet und das Entnahmefach öffnet sich automatisch. Das macht die Warenentnahme sehr komfortabel – auch in weniger gut ausgeleuchteten Umgebungen. Herr Leins, lassen Sie uns abschließend noch auf den Planungsprozess einer Betriebseinrichtung eingehen. Wie genau muss ich mir das vorstellen? Einrichtungsprojekte werden heutzutage per CAD-Software am Computer geplant und simuliert. Wir sind noch einen Schritt weiter gegangen und bieten unseren Kunden eine virtuelle Begehung mit Hilfe einer VR-Brille an. Dieser Service kommt extrem gut an, denn er gibt den Kunden ein Plus an Sicherheit – ganz davon abgesehen, dass die virtuelle Begehung einfach Spaß macht. www.hoffmann-group.com Im Fokus Nachhaltigkeit Effizienz Sicherheit ARBEITSSTÜHLE VON WERKSITZ EINE INVESTITION IN DIE GESUNDHEIT IHRER MITARBEITER Probieren Sie unseren Web- Konfigurator: www.werksitz.de/konfigurator Jetzt gratis testen! WERKSITZ GmbH W. Milewski Telefunkenstr. 9 | D-97475 Zeil am Main |info@werksitz.de Tel. +49 9524 8345-0 | Fax +49 9524 8345-19 Werksitz.indd 1 17.05.2017 13:11:08 Der Betriebsleiter 6/2017 35

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