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Der Betriebsleiter 6/2016

Der Betriebsleiter 6/2016

INTRALOGISTIK I TITEL

INTRALOGISTIK I TITEL Störungsfreier Kranbetrieb Energiekettensystem bewährt sich bei extremen Umgebungsbedingungen Als in einer Müllverbrennungsanlage das Energieführungssystem zweier Krananlagen ausgetauscht werden musste, entschieden sich die Betreiber für E-Ketten statt des bisher verbauten Festoons. Nach dem Umbau im laufenden Betrieb überzeugen die Energieketten nun schon seit über sechs Jahren durch ausfallfreien Betrieb bei geringstem Wartungsaufwand. Im Müllbunker einer Müllverbrennungsanlage (MVA) werden die angelieferten Abfälle zwischengelagert und per Greiferkran umgeschichtet, bevor sie zur Feuerung weiterbefördert werden. Hohe Staubbelastung, feuchtwarmes Klima sowie 24-Stunden-Betrieb – mit diesen Bedingungen müssen Komponenten im Müllbunker zurechtkommen. Vor allem für die Krananlage werden dabei absolut verlässliche Komponenten benötigt, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten. Denn steht sie still, können die großen Mengen Müll nicht weiterverarbeitet werden. Umbau von Festoon auf Energiekettensystem Mit dieser Herausforderung beschäftigte sich vor einigen Jahren auch die MVA Weisweiler. Im Jahr 2009 stand dort ein Austausch des Energieführungssystems für die Versorgung der beiden Krananlagen an. Zusammen mit der RWE Power AG, die für die Müllverbrennungsanlage in Weisweiler einen Betriebsführungsvertrag mit der MVA Weisweiler GmbH und Co. KG abgeschlossen hat, wurde zunächst beschlossen, ein Ersatz-Festoon zu kaufen. „Nach einigen Jahren im Betrieb zeigten sich an einigen Stellen des Festoons bereits Kabelbrüche, woraufhin wir für Ersatz gesorgt haben“, erklärt Wolfgang Krebs von RWE, Referent 30 Der Betriebsleiter 6/2016

TITEL I INTRALOGISTIK 01 Seit mehr als sechs Jahren läuft die Krananlage im Müllbunker der MVA Weisweiler mit Energieketten von igus E-Ketten: hart im Nehmen und dabei energiesparend Herkömmliche Energieketten werden im Allgemeinen gleitend betrieben. Doch auf längeren Verfahrwegen und bei hoher Dynamik entspricht die Rollen-e-kette dem heutigen Stand der Technik, denn die Energiekette muss rollend weniger Kraft aufwenden, da der Rollreibwert geringer als der Gleitreibwert ist. Das macht diese Energieführungen wie die in der MVA Weisweiler eingesetzten Rollen-e-ketten der Serie E4 auf langen Wegen besonders energieeffizient: Im Vergleich zu gleitenden e-ketten reduziert sich die Antriebsleistung zum Bewegen der Energiekette um 57 Prozent. Alle igus Rollen-e-ketten gemeinsam sind wartungsarme auf Reibung und Verschleiß optimierte Kunststoff-Rollen. Das System lässt sich dank unter schiedlicher Rollentypen und Innenaufteilungen auf die jeweilige Anwendung anpassen. Elektro- und Leittechnik des Kraftwerks Weisweiler. „Das neue System kam allerdings nie zum Einsatz, da wir uns in der Zwischenzeit für die alternative und innovative Lösung der Firma igus entschieden haben.“ Die positiven Eigenschaften des eingesetzten Energiekettensystems überzeugten dabei schnell. Im Gegensatz zu einem Festoon-System werden verschiedenste Leitungen und Schläuche für Energie, Daten und Medien in einer Kette geführt. Bei einem langen Verfahrweg beweist sich dabei eine Rollenenergiekette als die optimale Lösung. Integrierte Rollen in den Kettengliedern sorgen für niedrige Reibwerte, sobald sich das Obertrum der Kette beim Verfahren auf dem Untertrum ablegt. So kann eine lange Lebensdauer des Systems gewährleistet werden. Zudem hat igus für die Führung der Kette auf den über 60 Metern Verfahrweg entlang des Müllbunkers eine Rinne aus V4A-Edelstahl installiert, die ebenfalls sehr gut mit den rauen Bedingungen vor Ort zurechtkommt. „Anfänglich waren wir etwas skeptisch, ob eine Kunststoffkette den Anforderungen standhalten kann“, so Wolfgang Krebs von RWE. „Nachdem wir uns aber mit der Firma igus auf einen Garantievertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren geeinigt und außerdem mit Dieter Reitz von igus eine andere Anlage mit einem Energiekettensystem im Einsatz besichtigt hatten, sind wir diesen Schritt gegangen.“ Wartungsfreundlichkeit und sicherer Betrieb überzeugen Auch nach Ablauf der vereinbarten Garantiezeit und nun schon über sechs Jahren im ausfallfreien Betrieb sind die Betreiber bei der MVA Weisweiler mit dem e-kettensystem von igus sehr zufrieden. „Es ist hier von großem Vorteil, dass sich die Ketten‚ von selbst reinigen, da der Schmutz einfach hindurchfallen kann, wenn die Kette verfährt“, so Stephan Ruhnke, der bei der MVA Weisweiler für das Technische Controlling im Bereich der Maschinentechnik zuständig ist. Wolfgang Krebs von RWE ergänzt: „Wir machen jedes Jahr im Wechsel eine Revision der Krananlagen. Ein Energiekettensystem muss also nur alle zwei Jahre gewartet werden, was uns im Gegensatz zu der alten Lösung eine Menge Aufwand erspart.“ Auch die Wartung selbst ist um einiges kostengünstiger und auch leichter, da eine Trennwand, die zuvor das Festoonsystem vom Laufweg neben dem Kran trennte, entfernt werden konnte. So steht nun für Wartungs- oder Reparaturarbeiten an den Krananlagen mehr Platz zur Verfügung. „Eine Wartung des Energiekettensystems ist an einem Arbeitstag erledigt“, erklärt Wolfgang Krebs. „Es erfolgt eine gründliche Sichtkontrolle von allen Seiten. Jedes einzelne Glied, der Mitnehmer und alle Anbauteile der Kette werden dabei überprüft.“ Im Laufe der Jahre mussten lediglich ein paar Klipse, die verschlissen waren, ausgetauscht werden. Außerdem wurde die Kranposition im Müllbunker vor einigen Jahren verändert, wodurch ein paar konstruktive Änderungen am Mitnehmer der Kette nötig waren. Ansonsten laufen die Energieketten sowohl auf 02 Die sehr hohe Staubbelastung sowie das feuchtwarmes Klima stellen hohe Anforderungen an die im Müllbunker eingesetzten Komponenten 03 Auch auf der Querfahrt auf dem Kran kommen mit integrierten Rollen ausgestattete Energieketten von igus zum Einsatz Der Betriebsleiter 6/2016 31

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