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Der Betriebsleiter 5/2019

Der Betriebsleiter 5/2019

FERTIGUNGSTECHNIK I

FERTIGUNGSTECHNIK I KOMMENTAR Lean vor Industrie 4.0 Lean- und Digitalisierungsprojekte nachhaltig implementieren Lean und Industrie 4.0 verfolgen zunächst sehr ähnliche Ziele. Lean möchte die Anforderungen in Bezug auf höchste Qualität, niedrige Kosten und kurze Durchlaufzeit als Voraussetzung für kurze Lieferzeiten erfüllen. Industrie 4.0 will darüber hinaus die Individualisierung der Produkte und Dienstleistungen meist im Rahmen neuer Geschäftsmodelle erreichen. So ähnlich die Ziele auch sind, so sehr unterscheiden sich jedoch die Ansätze zur Zielerreichung. Im Allgemeinen ist der Lean-Philosophie eine gewisse Technik- und Automatisierungsaversion inhärent. Im Mittelpunkt steht die ganzheitliche Betrachtung der Dimensionen Mensch, Technik und Organisation. Es wird durchaus vorsichtig und sehr bewusst mit Technik umgegangen. Der Begriff Industrie 4.0 dagegen umschreibt die Vision einer zukünftigen Industriegesellschaft unter dem Einfluss des Internets. Die physische Produktionswelt soll mit der virtuellen Welt verschmelzen. Menschen, Maschinen, Objekte und Systeme sind vernetzt und tauschen Informationen in Echtzeit aus. Die Produktion soll individualisierte Kundenwünsche (Losgröße 1) bei höherer Flexibilität und Robustheit sowie optimalem Ressourceneinsatz erfüllen können. Der zentrale Punkt der dritten industriellen Revolution war die computergestützte Automatisierung. Der nächste Evolutionssprung wird nun durch die intelligente Automatisierung und die Vernetzung von Material- und Informationsflüssen ausgelöst. Im Gegensatz zum Lean-Gedanken ist Industrie 4.0 also ein ausschließlich Technologie-getriebener Ansatz. Dies lässt zumindest potenzielle Zielkonflikte mit einer Digitalisierungsstrategie vermuten. Aus Lean- Sicht sollen stabile, standardisierte Prozesse in transparenten Produktionslinien aufgebaut werden. Abweichungen vom Soll-Zustand müssen plausibel und visuell erfassbar sein. Dagegen setzt Industrie 4.0 auf komplexe, sich selbst steuernde Systeme. Fließlinien mit Takt und Sequenz werden aufgelöst. Damit fehlen wichtige Bestandteile für das Erkennen von Abweichungen. Wir schlagen daher vor, zunächst alle Prozesse und Strukturen eines Unternehmens der Lean-Philosophie entsprechend zu optimieren. Unser ganz klares Credo lautet: Lean vor Industrie 4.0! In einem Folgeschritt kann dann überprüft werden, wie mit Hilfe von Industrie 4.0-Technologieangeboten die Unternehmensprozesse noch weiter in Richtung der von Lean vorgegebenen Ziele optimiert werden können. Technologie kann aus unserer Sicht nur ein Der auf die Kundenanforderungen ausgerichtete Wertstrom ist der Ausgangspunkt aller Überlegungen zur Digitalisierung und nicht die Technologie Enabler, kein Selbstzweck sein. Dies löst die Zielkonflikte für die Planer bei ihren Entscheidungen. Viele Unternehmen beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema Lean. Es wurden bei konsequenter Umsetzung enorme Verbesserungen in Qualität, Durchlaufzeit, Mitarbeiter- und Flächenproduktivität erreicht. Lean ist ein ganzheitliches Konzept, und stellt unserer Meinung nach aktuell die beste Methodik zur Organisation eines Produktionsunternehmens dar. Die Lean-Prinzipien sind nicht theoretisch entwickelt worden, sondern der Alltagspraxis entsprungen. Durch ständiges Hinterfragen aller Prozesse und Vorgänge werden die nicht wertschöpfenden Prozesse, die sogenannte Verschwendung, identifiziert. Grundlage des Lean-Denkens bildet die Prozessorientierung mit dem Ziel, den Kundenauftrag termintreu und in der geforderten Qualität zu erfüllen. Komplexität wird dabei durch Ressourcentrennung, Unterteilung in Produktsegmente und Prozessglättung reduziert – und nicht durch Technik beherrscht. 01 Dr. Markus Schneider, Professor für Logistik, Material- und Fertigungswirtschaft, Hochschule Landshut, wissenschaftlicher Leiter des Technologiezentrums PULS (Produktions- und Logistiksysteme), Dingolfing sowie Gründer und Geschäftsführer, PuLL Beratung GmbH Mit der Wertstrommethode zur Lean-konformen Digitalisierung Zur Beschreibung und Optimierung von Prozessen wird im Lean-Umfeld seit Jahrzehnten die Wertstrommethode angewendet. Diese dient dazu, den aktuellen IST-Zustand zu analysieren und einen zukünftigen SOLL-Zustand für sämtliche Ereignisse zu entwickeln, die ein Produkt bis zum Kunden hin durchläuft. Mittels des SOLL-Wertstroms wird das Zielbild für das Unternehmen beschrieben. Der SOLL-Wertstrom ermöglicht die Formulierung von Anforderungen an die Einzelprozessgestaltung und individuelle Verbesserungsaktivitäten, die sich auf das Gesamtoptimum beziehen. Das Alleinstellungsmerkmal dieser Vorgehensweise ist, dass der auf die Kundenanforderungen ausgerichtete Wertstrom der Ausgangspunkt aller Überlegungen zur Digitalisierung ist und nicht, wie bei den meisten anderen, die Technologie. Mit der Wertstrommethode 4.0 existiert eine methodische Erweiterung, mit der sich auf Basis des Zielbildes eine Lean-konforme Digitalisierungsstrategie ableiten lässt. Das Wertstromdesign 4.0 bildet die verbindende, ganzheitliche Basis für die Unternehmensentwicklung von der Gestaltung des Kommunikations-, des Material- und Informationsflusses bis zum Kapitalfluss. Da die Wertstrommethodik dem Lean-Management entstammt, wird die Kompatibilität der Digitalisierungs- und Lean-Strategie garantiert. www.pull-beratung.de 6 Der Betriebsleiter 5/2019

Elektronik-Neigungsmesser als Handgerät und Messstation Der Messtechnikhersteller Stabila hat sein Sortiment um zwei Elektronik-Neigungsmesser erweitert: ein Handgerät für den flexiblen, mobilen Einsatz und eine Messstation, die sich besonders bei Langzeitmessungen anbietet und die Dokumentation der Messdaten erlaubt. Die einachsigen Elektronik-Neigungsmesser Tech 500 DP und Tech 1 000 DP kommen überall da zur Anwendung, wo Arbeitsprozesse effizienter gestaltet werden sollen, Langzeitmessungen erforderlich sind, bei Qualitätssicherung und Wartung, im Rahmen von Automatisierungsmaßnahmen sowie beim Ausrichten während der Inbetriebnahme und nach der Umrüstung von Maschinen und Anlagen. Mit ihrer durchdachten Technologie und Ausstattung ist der Messvorgang für Messungen von 0 bis 360° unkompliziert und bedienerfreundlich. Das schnelle Ausrichten ermöglicht die akustische Zielführung mit drei verschiedenen Signaltönen. Mit ihrem eloxierten, wasser- und staubdichten Gehäuse (IP65) sind die kompakten Geräte sehr robust und für eine lange Standzeit konzipiert. Die Digitalanzeige ist dank großer Ziffern und zuschaltbarer Beleuchtung auch bei schlechten Lichtverhältnissen gut ablesbar. Variabel zeigen sich die Befestigungsmöglichkeiten: Die T-Nut erlaubt die flexible Befestigung mit Nutensteinen, die V-Nut das exakte Positionieren auf Rohren und der Seitenerd-Magnet den sicheren Halt auf Stahlträgern und -rohren. Während das Handgerät Tech 500 DP mit zwei AA-Batterien eine Betriebsdauer von ca. 150 Stunden erreicht, wird das Top-Modell Tech 1 000 DP wahlweise mit Li-Ion-Akku, per Netzstecker oder Schnittstelle betrieben. Um Messdaten zu dokumentieren, verfügt der Tech 1 000 DP über eine RS-485-Schnittstelle mit Modbus-Protokoll. Per Print-Mode kann so ein aktueller Messwert direkt an einen durch USB-Datenkabel verbundenen Computer übertragen werden; per Auto-Mode werden Messwerte permanent übergeben. Dank individuell einstellbarer Adresse können mehrere Geräte gleichzeitig eingesetzt werden und Vergleichsmessungen erfolgen. Auch ohne Programmierkenntnisse lassen sich die Messergebnisse auswerten und dokumentieren: Die im Lieferumfang enthaltene Auswertesoftware Stabila Analytics ermöglicht u. a. die direkte Datenerfassung und Darstellung von bis zu zwei Geräten, das einfache Berechnen innerhalb der Software und die Rückverfolgung von Messfehlern. www.stabila.com Kompetenz in der Schleuderrad-Strahltechnik Wir bieten neue und gebrauchte Schleuderrad-Strahlanlagen einschließlich Förder- und Filtersystem an. Zum Produktprogramm gehören: • Verschleiß- und Ersatzteile • Reparatur und (Fern-)Wartung • Serviceleistungen … auch für Strahlmaschinen anderer Fabrikate. Besuchen Sie uns auf der GIFA in Düsseldorf, vom 25. – 29. Juni 2019, Halle 16, Stand A39 AGTOS Gesellschaft für technische Oberflächensysteme mbH Gutenbergstraße 14 D-48282 Emsdetten Tel. +49(0)2572 96026-0 info@agtos.de www.agtos.de anz-90-130-vfm_Layout 1 18.02.18 14:00 Seite 1 Agtos.indd 1 11.04.2019 10:42:03 167-12/18-4c Ab- und Einstechen mit höherer Stabilität Mit der neuen RhinoGroove-Serie stellt die Ingersoll Werkzeuge GmbH neue Abstech- und Einstechbearbeitungswerkzeuge vor, die speziell auf hohe Stabilität und geringe Vibrationsneigung bei der Bearbeitung entwickelt wurden. Die Werkzeugserie hat eine verkürzte Gesamtlänge, die für geringe Schnitttiefen beim Abund Einstechen ausgelegt wurde. Zusätzlich sorgt ein optimierter Schneidensitz im Halter für eine extra starke Klemmung. Beide Maßnahmen zusammen resultieren in einer sehr vibrationsarmen und stabilen Bearbeitung. www.ingersoll-imc.de www.ruwac.de 05226-9830-0 Der Betriebsleiter 5/2019 7 Ruwac.indd 1 12.03.2018 15:56:13

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