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Der Betriebsleiter 5/2018

Der Betriebsleiter 5/2018

Die „atmende Fabrik“

Die „atmende Fabrik“ Mit Lean Production und Ergonomie zu höchster Fertigungsflexibilität Eine Elektronikfertigung sollte so gestaltet werden, dass sie ergonomischen Gesichtspunkten entspricht und gleichzeitig den anspruchsvollen Montageabläufen gerecht wird. Hierfür wurde ein Spezialist für Arbeitsplatzsysteme in Industrie und Logistik hinzugezogen. Ergebnis ist eine nach Lean-Production-Aspekten realisierte schlanke Fertigung. Die Lenord, Bauer & Co. GmbH mit Stammsitz in Oberhausen ist ein international tätiger Spezialist im Bereich der Bewegungssensorik und integrierten Antriebstechnik. Kontinuierliches Wachstum führte zu großer räumlicher Enge in der Produktion. Schließlich entschloss sich die Geschäftsführung zu einem Neubau am Standort Gladbeck. Ziel war es, die Abteilungen Einkauf, Lager, Betriebsmittelbau und Qualitätssicherung am Materialfluss orientiert direkt an das Layout der Produktion anzubinden. Treston Deutschland, Spezialist für moderne Arbeitsplatzsysteme in Industrie und Logistik, beriet das mittelständische Unternehmen bei der Umsetzung und stattete anschließend alle Bereiche in der Elektronikfertigung mit Arbeitstischen und Zubehör aus. Der Neubau wurde von Beginn an unter den Aspekten der größtmöglichen Produktionsflexibilität und der Lean Production geplant. Das Gebäude ist, laut Achim Olkner, Leiter Produktion und Logistik bei Lenord + Bauer, eine „atmende Fabrik“, die viele Möglichkeiten für Veränderungen lässt. Das Werk in Gladbeck ermöglicht maximale Flexibilität bei minimalem Aufwand, um schnell auf die Gegebenheiten des Marktes reagieren zu können. Flexibilität wird groß geschrieben Auch bei den Arbeitsplätzen wird das Prinzip der Flexibilität groß geschrieben: „Wir wollten immer in U-Inseln arbeiten. Dann haben wir die Tische standardisiert, ausgelegt mit elektrischer Energieversorgung, Druckluft, EDV, so dass wir immer flexibel sind und uns schnell anpassen können. Dazu kommt noch die Vielseitigkeit der n der Lean-Betrachtung kommt I es immer darauf an, dass der Gesamtproduktionszusammenhang beachtet wird. Abteilungsübergreifende Lean-Projekte sind hocheffizient, weil kosten- und zeitintensive Schnittstellen untersucht und beseitigt werden. Ulrich Fröleke, Lean-Experte bei Treston Mitarbeiter, die bestimmte Grundfähigkeiten haben und mehrere Produkte herstellen können. Und so können wir atmen – das ist die atmende Fabrik“, erklärt der Leiter Produktion und Logistik zufrieden. Schlanke Elektronikfertigung Bevor es an die Neugestaltung der Fertigung ging, untersuchte ein Team aus Experten von Treston und Lenord + Bauer zunächst die bestehenden Arbeitsprozesse und stellte sie bewusst in Frage. Der gesamte Prozess – von der Analyse der ursprünglichen Fertigungsabläufe bis zum Erarbeiten und Umsetzen der optimalen Lösung im neuen Werk – dauerte rund ein Jahr. Die Lösungen wurden unter Lean-Production-Aspekten mit Standardkomponenten von Treston realisiert. 22 Der Betriebsleiter 5/2018

BETRIEBSTECHNIK 01 So geht Lean Production: Elektronikfertigung von Lenord + Bauer am Standort Gladbeck 02 Die Concept-Arbeitstische von Treston wurden zu U-förmigen Inseln gruppiert 03 One-Piece-Flow: Ein Werkstück wird in einer Insel bis zur Fertigstellung bearbeitet Ulrich Fröleke, Lean-Experte bei Treston, erläutert das Lean-Production-Prinzip: „In der Lean-Betrachtung kommt es immer darauf an, dass der Gesamtproduktionszusammenhang beachtet wird. Abteilungsübergreifende Lean-Projekte sind hocheffizient, weil kosten- und zeitintensive Schnittstellen untersucht und beseitigt werden.“ Im Zuge dieser Überlegungen wurde die ganze Halle in Rastern geplant, die auf den Maßen der Treston-Arbeitstische (2 m x 0,75 m) basieren. Diese Concept- Arbeitstische wurden zu U-förmigen Inseln gruppiert. Der Vorteil der Rasterplanung: Falls nötig, können Umbaumaßnahmen für neue Arbeitsinseln innerhalb von ein bis zwei Tagen vorgenommen werden. Spezielle Kundenwünsche können schnell und flexibel umgesetzt werden. Die prozessorientierte Anordnung und Verkettung der verwendeten Treston- Produkte brachte für Lenord + Bauer deutliche Vorteile: die Trennung von Logistik und Montage, die gleichzeitige Einbindung in den neu gestalteten Produktionsablauf und einen transparenten Materialfluss. Die einzelnen Fertigungsinseln werden nun durch einen Materialzug (Milkrun) mit dem benötigten Material versorgt, der durch die Anwendung eines elektronischen Kanban-Prinzips immer bedarfsgenau gesteuert wird. Während die Produkte früher in ca. drei bis vier Tagen Durchlaufzeit gefertigt wurden, wird das heute, dank Lean Production, in nur einem oder eineinhalb Tagen erledigt. Fertigung im One-Piece-Flow Die Elektronikfertigung gliedert sich in einzelne Fertigungsinseln. Es gibt produktspezifische Inseln für alle Erzeugnisse. Die Tischplatten der U-förmig gestellten Treston- Arbeitstische sind alle mit ESD-Schutz versehen. Jeder Tisch ist mit Elektroanschlüssen, EDV sowie Druckluft und Absaugung ausgestattet. Weitere Möbel wie Schubladenblöcke, Industrieschränke oder Multiwagen ergänzen die Inseln. Innerhalb des U-Aufbaus gibt es für jeden Arbeitsschritt einen eigenen Platz, bei dem nur das jeweils nötige Arbeitsmaterial zu finden ist. Gemäß dem Prinzip des One- Piece-Flow begleitet ein Mitarbeiter ein Werkstück durch die verschiedenen Bearbeitungsgänge bis zur Fertigstellung. Lean- Spezialist Fröleke von Treston erläutert: „Gerade kleine Losgrößen und häufige Variantenwechsel, die ständiges Umrüsten nötig machen würden, sind die idealen Voraussetzungen für die Einrichtung einer One-Piece-Flow-Fertigung, wenn man die Materialversorgung clever strukturiert und alle nötigen Betriebsmittel und Materialien direkt an der Fertigungslinie vorhält. Was die Variantenwechsel angeht, kann ich die Umrüstzeiten durch eine One-Piece-Flow- Fertigung deutlich reduzieren und damit auch Lieferzeiten verkürzen.“ Ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze Die Arbeitsplätze sind ergonomisch gestaltet. Die Tische sind individuell höhenverstellbar und Werkzeuge bzw. Materialien, die für die einzelnen Arbeitsschritte nötig sind, sind mit der sogenannten MTM- Greifraumschablone angelegt. MTM bedeutet Methods-time-Measurement – eine Art Messverfahren für typische Bewegungs- und Zeitabläufe am Arbeitsplatz. Sich wiederholende Arbeitsabläufe werden zeitlich besser berechenbar und dadurch der Arbeitsprozess planbar, außerdem können körperliche Belastungen erkannt und durch optimierte Bewegungsabläufe am Arbeitsplatz minimiert werden, was z. B. Rückenschäden vorbeugt. Bei ca. 80 % der Aufträge liegen die Losgrößen bei Lenord + Bauer im Bereich von 1 bis 20. Je nach Dringlichkeit und Menge können für die Fertigung mehr Mitarbeiter eingesetzt werden. Wenn in einer Insel beispielsweise zehn Arbeitsplätze sind, könnte eine Person nacheinander alle Stationen abarbeiten. Bei Bedarf nimmt man mehrere 04 Werkzeuge bzw. Materialien für einzelne Arbeitsschritte sind im MTM-Greifkreis angelegt Mitarbeiter dazu. Die Fertigung arbeitet bedarfsgerecht, ohne eine Layout-Änderung vornehmen zu müssen. Durch ihre flexiblen Fähigkeiten können die geschulten Mitarbeiter auch problemlos an einem anderen Produkt mitarbeiten. Fazit Lenord + Bauer fährt gut mit diesem Produktionskonzept und sieht sich für die Zukunft bestens aufgestellt. Achim Olkner: „Die Märkte werden immer unüberschaubarer. Da muss ich ein Konzept haben, um schnell auf die Marktanforderungen reagieren zu können. Angefangen damit, wie wir die Halle geplant haben, über die Einrichtung der Arbeitsplätze bis hin zu den geschulten Mitarbeitern.“ Auch weiteres Wachstum ist problemlos möglich: Momentan gibt es in der Elektronikfertigung mehr Arbeitsplätze als Mitarbeiter. Zitat Achim Olkner: „Das leisten wir uns.“ www.treston.de Im Fokus Effizienz Sicherheit Nachhaltigkeit Der Betriebsleiter 5/2018 23

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