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Der Betriebsleiter 5/2015

Der Betriebsleiter 5/2015

BETRIEBSTECHNIK

BETRIEBSTECHNIK Industriefußböden sind nicht für den Wettbewerb um einen Schönheitspreis geschaffen. Dessen ungeachtet bedürfen sie sowohl bei der Herstellung als auch bei der Beschichtung, Reinigung und Pflege besonderer Aufmerksamkeit. Denn sie werden außerordentlich strapaziert und sollen dabei doch trittsicher sein. Zudem legen viele Unternehmen auch im Produktionsbereich Wert auf ein gepflegtes Ambiente. Eine vielseitige Herausforderung Bodenreinigung in der Industrie – auf das Equipment kommt es an Bei Industriefußböden handelt es sich in der Regel um glatte, fugenlose, stark verdichtete und damit hoch belastbare Estriche aus einer beim Auftragen weichen Masse, die direkt im Objekt gegossen oder gespachtelt wird und dann aushärtet. Erstreinigung Je nach Größe des Objektes erfordert die Erstreinigung zunächst das Aufnehmen des Grobschmutzes mit einer Kehrsaugmaschine oder das Aufsaugen mit einem Nass-/ Trockensauger. Hartnäckige Verschmutzungen wie Lacke, Dispersionsfarben, Teer oder Klebstoffe werden vorsichtig mit dem Spachtel bzw. einer Klinge entfernt. Letzte Reste von Mörtel lassen sich mit einem grünen, harten Handpad beseitigen. Zur Beseitigung von Dispersionsfarbe ist es ratsam, alkalischen Grundreiniger unverdünnt ca. fünf Minuten einwirken zu lassen und mit einem grünen Handpad vorsichtig zu bearbeiten. Anschließend gründlich nachspülen. Achtung: Diese Methode darf nicht auf Selbstglanzemulsionen oder Polymerbeschichtungen eingesetzt werden. Unterhaltsreinigung Bei der Beseitigung von geringeren Verschmutzungen, die in der Ein-Schritt- Methode erfolgt, werden rote Standard- Schrubbbürsten mit mittlerem Härtegrad bzw. Pads eingesetzt. Der Schrubbautomat arbeitet mit geringem bis mittlerem Anpressdruck. Dabei wird ein alkalischer Bodenreiniger je nach Schmutzeintrag in einer Dosierung von 0,5 bis 3 % eingesetzt, um Öle, Fette, Ruß oder Mineralverschmutzungen abzulösen. Ein Nachwischen oder Spülen ist nicht erforderlich. Der Boden ist sofort wieder begehbar. Um dabei ein streifenfreies Absaugergebnis zu erzielen, sind ölfeste Sauglippen zu wählen. Auch sollte der Saugbalken parallel zur Bodenfläche eingestellt werden. Eine besondere Herausforderung ist die Beseitigung von Brems- und Reifenspuren, die vor allem in Kurven, vor Laderampen und Hochregalen entstehen. Für diese Aufgabe wird ein spezieller, hochalkalischer Grundreiniger (pH-Wert 13) unverdünnt auf die verschmutzten Stellen mit einer Sprühflasche aufgetragen. Nach einer Einwirkzeit von fünf Minuten wird die Fläche in der Ein- Schritt-Methode unter Einsatz eines Scheuersaugautomaten mit grünen Scheiben- bzw. Walzenpads gereinigt und mit klarem Wasser gespült (Ein-Schritt-Methode). Diese Methode darf jedoch nicht auf polymer- und wachsbeschichteten Industrieböden verwendet werden, da diese sich sonst auflösen. Grundreinigung in der Ein- oder Zwei-Schritt-Methode Haftende Verschmutzungen wie Öl- und Fettschmutz und Schmutzkrusten werden durch Nassscheuern mit leistungsstarken Schrubbautomaten beseitigt. Sofern der Belag es zulässt, wird dabei mit vollem Anpressdruck und mit grünen Schrubbbürsten bzw. -pads in der Zwei-Schritt-Methode gearbeitet. Dabei sollte nur abschnittsweise vorgegangen werden, um eine Durchfeuchtung des Bodens zu vermeiden. Im ersten Schritt wird die Reinigungsflotte mit der Scheuersaugmaschine auf die zu reinigende Fläche aufgebracht, die dann zweibis dreimal abgeschrubbt wird, bis sich der Schmutz vollständig abgelöst hat. Im zweiten Schritt wird dann die Schmutzflotte über den Saugbalken und die Saugeinrichtung der Maschine aufgenommen. Abschließend wird die gesamte Fläche nochmals mit klarem Wasser in der Ein-Schritt-Methode nachbearbeitet. Das heißt: Wasser auftragen, schrubben und absaugen. Als Reinigungsmittel empfiehlt sich ein alkalischer Bodengrundreiniger bis zu einem pH-Wert von 12, in einer Dosierung von 3 bis 5 % (je nach Verschmutzungsgrad auch mehr). Dabei darf es sich nicht um einen Entschichtungsreiniger handeln, da sonst die Gefahr einer Ablösung aufgebrachter Beschichtungen besteht. Bei nicht oberflächenvergüteten oder wasserempfindlichen Industrieböden sollte die Grundreinigung prinzipiell in der Ein-Schritt-Methode erfolgen, da sonst der Boden zu nass wird und Folgeschäden auftreten können. Bei dieser Methode wird der Boden in einem Durchgang mit derselben Maschine zunächst unter Zugabe eines Reinigungs- 10 Der Betriebsleiter 5/2015

BETRIEBSTECHNIK 01 Mit einer Aufsitzkehrmaschine werden Industrieböden von losem Schmutz befreit 02 Die Scheuersaugmaschine eignet sich für die Nassreinigung von Böden in der Ein-Schritt- oder Zwei-Schritt-Methode 03 Der Industriesauger nimmt große Mengen Schmutz problemlos auf und sorgt für einen reibungslosen Produktionsablauf mittels abgeschrubbt und anschließend gleich wieder von der Schmutzflotte befreit. Walze oder Scheibe? Ob der Scheuersaugautomat mit einem Scheiben- oder einem Walzenschrubbkopf ausgestattet wird, hängt von der Oberflächenstruktur des Industriebodens ab. Glatte Oberflächen lassen sich in der Regel einfach und sicher mit Scheibenbürstensystemen reinigen und pflegen. Wenn die Böden unbehandelt sind, der Belag rau ist und den Schmutz „festhält“, muss ein Walzenschrubbkopf eingesetzt werden. Dies gilt z. B. für Einstreuböden (Beschichtung mit Quarzsandabstreuung) oder Strukturbeschichtungen. In diesen Fällen ist die Reinigung nur mit kontrarotierenden Walzenbürsten erfolgreich. Durch die Gegenläufigkeit der Bürsten/Pads, den hohen und gleichmäßigen Anpressdruck (bis 260 g/cm²) über die gesamte Arbeitsbreite des Schrubbkopfes, die hohe Drehzahl (bis 1100 U/min) und den guten Bodenkontakt wird der Schmutz effizient aus den Strukturen herausgearbeitet und dem Saugbalken zugeführt. Außerdem kann oftmals auf ein Vorkehren verzichtet werden, da hier häufig eine Vorkehreinrichtung integriert ist, die die groben Schmutzpartikel aufnimmt. Je nach Verschmutzungsgrad kann außerdem die Drehzahl der Walzenbürsten und somit auch deren Verschleiß reduziert werden. Industriesauger für Späne und andere Abfallmedien Um die unterschiedlichen Arbeitsabläufe in den Produktionsbereichen sicherzustellen, sind klar definierte Reinigungsprozesse erforderlich. Das beinhaltet auch die Entsorgung von Abfallmaterial und Wertstoffen direkt an der Maschine. Diese kann nur durch zuverlässige und leistungsstarke Industriesauger gewährleistet werden. Bei der Auswahl der richtigen Geräte kommt es insbesondere auf folgende Punkte an: n Zur Beantwortung der Frage, ob der Einsatz eines Wechselstrom- oder Drehstromsaugers angebracht ist, spielt die Einsatzdauer eine wichtige Rolle. Bei mehr als zwei Stunden täglichem Einsatz bzw. bei Mehrschichtenbetrieb ist die Drehstromvariante zu wählen. n Die Behältergröße ist nach anfallendem Schmutzvolumen zu wählen. n Die Art des aufzunehmenden Schmutzes (trocken, feucht oder nass) bestimmt über den Einsatz eines Nass-/Trockensaugers. n Im Hinblick auf gesundheitsgefährdende Stäube ist die Zertifizierung des Saugers (z. B. für Holzstaub) zu prüfen. Dies gilt auch für die Frage, ob das Gerät in einem explosionsgefährdetem Bereich eingesetzt wird und welches Medium es aufsaugen soll. n Auswahl des richtigen Schlauchmaterials und dessen Länge sowie des auf die Anwendung abgestimmten Zubehörs. Fazit Bei der Industriereinigung handelt es sich um ein ungewöhnlich komplexes Gebiet. Viele Aspekte müssen hier Berücksichtigung finden, wenn das gewünschte Ergebnis erreicht werden soll. Das gilt für jeden Industriezweig und insbesondere für die Reinigung der Böden. www.kaercher.de Im Fokus Effizienz Sicherheit Nachhaltigkeit ISEL.indd 1 13.04.2015 16:12:13

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