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Der Betriebsleiter 4/2019

Der Betriebsleiter 4/2019

ADDITIVE FERTIGUNG I

ADDITIVE FERTIGUNG I SPECIAL Ersatzteilfertigung mit 3D-Druck Mit additiver Fertigung zu gesteigerter Profitabilität, Wirtschaftlichkeit und Innovationskraft Um ihre Vorreiterrolle in Zeiten zunehmenden Wettbewerbsdrucks weiter auszubauen, verfolgt die EvoBus GmbH strategische Ziele, wie beispielsweise die nachhaltige Erhöhung der Profitabilität und Wirtschaftlichkeit sowie die Steigerung der Innovationskraft. Insbesondere soll eine Antwort auf die wachsenden Herausforderungen im Bereich Customer Services & Parts (CSP) gefunden werden. In der additiven Fertigung sieht die Tochter der Daimler AG ein zentrales Mittel, um diese Ziele zu erreichen. Der Bereich Customer Services & Parts (CSP) der EvoBus GmbH steht der Herausforderung von steigenden Kosten für Lagerung und Logistik sowie langen Lieferzeiten gegenüber. Grund dafür ist ein immer breiter werdendes Portfolio, verbunden mit der Zusicherung an die Kunden, ihnen über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren nach Serienauslauf Ersatzteile für ihre Busse zur Verfügung zu stellen. Derzeit verwaltet der CSP-Bereich von EvoBus über 300 000 aktive Ersatzteile, von denen eine Vielzahl auf Lager gehalten werden – Tendenz steigend. Aufgrund von Mindestabnahmemengen kommt es zudem häufig zur Überproduktion: Oft müssen 15, 20 oder sogar 100 Teile abgenommen werden, selbst wenn nur eines benötigt wird. Mit konventionellen Produktionsverfahren kann EvoBus den wachsenden Herausforderungen im Bereich Customer Services & Parts schwer begegnen. In der Produktionsflexibilität der additiven Fertigung sieht das Unternehmen hingegen großes Potenzial: „Durch die Implementierung des 3D- Drucks in unser CSP-Geschäftsmodell er- hoffen wir uns, die steigenden Lager- und Werkzeugkosten aufgrund des zahlenmäßigen Anstiegs der unterschiedlichen Omnibus-Ersatzteile zu reduzieren und zugleich unsere Lieferleistung an unsere Endkunden weiter zu verbessern“, fasst Ralf Anderhofstadt, Projektleiter CSP 3D-Druck zusammen. Beratung auf unterschiedlichen Ebenen Bei der Implementierung der additiven Fertigung in ihr CSP-Geschäftsmodell setzt EvoBus auf die Expertise von Additive Minds, der Beratungssparte des 3D-Duck- Experten EOS. Die Unterstützung erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen: Im Rahmen von Workshops und mittels Off-Site-Support wurde die gesamte Lieferkette beleuchtet und ermittelt, wie der CSP-Bereich von EvoBus das Potenzial des industriellen 3D-Drucks bestmöglich nutzen kann. In enger Zusammenarbeit konnte die technische und wirtschaftliche Machbarkeit des Projekts innerhalb weniger Monate sichergestellt werden. Die Experten von Additive Minds brachten dabei ihre Erfahrung aus weltweit mehr als 250 industrieübergreifenden Projekten ein. In einem ersten Workshop ging es um die systematische Auswahl geeigneter Bauteile für die additive Fertigung. Mithilfe der von Additive Minds entwickelten Methodik „Part Screening and Selection“, die bereits in über 50 Kundenprojekten in verschiedenen Industrien zum Einsatz kam, identifizierte EvoBus mehr als 2 000 Teile. Von diesen sollen zunächst einige Metall- und Polymer-Bauteile umgesetzt werden. Da für viele Ersatzteile keine digitalen Baupläne vorliegen, beleuchteten 01 Dank 3D-Druck stehen Ersatzteile, z. B. für den Innenraum von Bussen, kostengünstig und schnell zur Verfügung Additive Minds und EvoBus gemeinsam die Möglichkeiten zur Digitalisierung mittels Reverse Engineering und analysierten potenzielle Dienstleister. Dabei entstand ein eigenes Unterprojekt: Wie erreichen wir mit additiver Fertigung die typischen Haptik- und Oberflächenvorgaben von Interieurteilen? Die kontinuierlich enge Zusammenarbeit von Additive Minds und EvoBus stellt sicher, dass für alle im Projektverlauf aufkommenden Fragen eine Lösung gefunden werden kann. So auch bei der Auswahl des Materials. Hier arbeiten EOS und EvoBus bereits gemeinsam an der Qualifizierung eines neuen Werkstoffs, der die strengen Brandschutzbestimmungen im Fahrzeugbau erfüllt. Im Fokus Effizienz Nachhaltigkeit Sicherheit 34 Der Betriebsleiter 4/2019

SPECIAL I ADDITIVE FERTIGUNG Fokussiertes Vorgehen führt schnell zu Erfolg Im Rahmen eines Pilotprojekts wurden die ersten Bauteile bei EOS eingehend beleuchtet und gefertigt. Ein wichtiger Meilenstein war damit erreicht – und das schneller als erwartet: „Durch die Zusammenarbeit mit Additive Minds im Projekt CSP 3D-Druck konnten wir unser Projekt bis zum technischen und wirtschaftlichen Proof of Concept erheblich beschleunigen, da wir hierbei unterschiedlichste Themenschwerpunkte fokussieren und angehen konnten“, resümiert Anderhofstadt. Das nächste Projektziel ist der Einsatz additiv gefertigter Bauteile beim Endkunden. Ausgehend von einer zunächst zentralisierten Produktion wird auch explizit der zukünftige Einsatz der Drucker direkt bei den Außenorganisationen geprüft. Ausblick Industrieller 3D-Druck löst die aktuellen Herausforderungen von EvoBus im CSP- 02 Auch die typischen Haptik- und Oberflächenvorgaben von Interieurteilen können erreicht werden Bereich und hat das Potenzial, die Profitabilität, die Wirtschaftlichkeit und die Innovationskraft des Unternehmens langfristig zu steigern und eine Vorreiterposition zu sichern. Im weiteren Projektverlauf wird das additive Fertigungsportfolio laufend um andere Ersatzteile aus Kunststoff und Metall erweitert. Ein nächster Schritt wird die vollständige Digitalisierung der analogen 03 Im Rahmen von Workshops wurde ermittelt, wie EvoBus das Potenzial des 3D-Drucks bestmöglich nutzen kann Bauteile sein, um das gesamte Ersatzteilgeschäft effizienter zu gestalten. Auch die Endkunden profitieren: Dank verkürzter Lieferzeiten können sie unproduktive Ausfallzeiten ihrer Busse auf ein Minimum reduzieren. Zudem lassen sich Bauteile mittels additiver Fertigung auch hinsichtlich ihrer Komplexität und Funktionsintegration optimieren. Dadurch kann EvoBus in Zukunft noch besser auf individuelle Kundenanforderungen eingehen. Bilder: Daimler Buses, EOS www.eos.info Know-how rund um den industriellen 3D-Druck Mit seinem breiten Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten gehört der industrielle 3D-Druck zu den Innovationstreibern in der digitalen Fertigung der Zukunft. Additive Minds, die auf die Transformation durch industriellen 3D-Druck spezialisierte Beratungseinheit von EOS, unterstützt Unternehmen dabei, das volle Potenzial der Technologie auszuschöpfen. Sie vermittelt das notwendige Know-how für die Technologie und alle Aspekte des industriellen 3D-Drucks und hilft bei der Minimierung von Investitionsrisiken und der Erzielung von Wettbewerbsvorteilen. Gleichzeitig berät Additive Minds bei der Identifikation und Weiterentwicklung geeigneter Anwendungen, dem Aufbau einer AM-Fertigung und der Sicherstellung einer nachhaltigen, reproduzierbaren Produktqualität. Auf dieser Basis können Kunden die Vorteile der Technologie voll ausschöpfen und eine signifikant verbesserte Produktion aufbauen. Der Betriebsleiter 4/2019 35

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