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Der Betriebsleiter 3/2017

Der Betriebsleiter 3/2017

BETRIEBSFORUM

BETRIEBSFORUM Guerilla-Flexibilität Wenn Mitarbeiter unter nicht-flexiblen Arbeitszeiten leiden Wenn Flexibilität marktseitig gefordert ist, hilft es nicht, sich aus vermeintlicher Rücksicht an starre Arbeitszeit-Grundsysteme zu klammern. Den Mitarbeitern ist am besten damit geholfen, wenn man systematisch vorgeht und flexible Arbeitszeitsysteme definiert, die die notwendige betriebliche Flexibilität erzeugen und gleichzeitig so weit wie möglich die Anforderungen an eine gesundheitlich und sozial verträgliche Arbeitszeitgestaltung berücksichtigen. Selten bis gar nicht wird darüber gesprochen, wie sich das Fehlen flexibler Arbeitszeitvereinbarungen auf Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter auswirkt. Produzierende Unternehmen müssen in immer stärkerem Maße flexibel agieren, weil ihre Kunden die Produkte nicht stetig und gleichmäßig abfordern, sondern sich sehr volatil verhalten und gleichzeitig kurze Lieferfristen verlangen. Damit muss auch die Arbeitszeit der Mitarbeiter flexibel den unterschiedlichen Auslastungssituationen angepasst werden, sonst können die Betriebe nicht mehr wettbewerbsfähig produzieren. Flexibilitätsdruck trifft auf starre Arbeitszeitvereinbarung Obwohl die Notwendigkeit da ist, gibt es in vielen betroffenen Unternehmen keine Vereinbarungen über die flexible Gestaltung der Arbeitszeit. Was passiert aber, wenn der Flexibilitätsdruck auf eine starre Arbeitszeitvereinbarung trifft? Die Flexibilität bahnt sich ihren Weg, einfach weil es nicht anders geht. Allerdings dann häufig in besonders ungünstiger Form und insbesondere nicht so, wie es für die Mitarbeiter am besten verträglich wäre. Was wir in der Praxis unter solchen Voraussetzungen beobachten, sind Phänomene wie: n „Guerilla-Flexibilität“: Mangels entsprechender Vereinbarungen gibt es weder eingeübte Prozesse einer mittel- bis langfristigen Vorausschau auf den Bedarf an Arbeitszeit- Anpassungen noch akzeptierte Grenzen, bis Autor: Dr. Burkhard Scherf, Dr. Scherf Schütt & Zander GmbH, Feldkirchen zu welchem Grad Flexibilität von den Mitarbeitern gefordert werden kann. Es entsteht Druck auf die Mitarbeiter, sich auch ohne entsprechende Vereinbarungen flexibel und bedarfskonform zu verhalten. Allerdings beugen sich nur manche Mitarbeiter diesem Druck, denn eine förmliche Verpflichtung dazu besteht ja nicht. Für diese „Gutwilligen“ sind die Folgen umso unangenehmer: Ein ständiges Hin und Her der Arbeitszeiten. n Auf dem Papier gute und ergonomisch sinnvolle Schichtpläne werden in der Praxis zu schlechten und ergonomisch kaum noch zu verantwortenden Plänen, weil bei der Konzeption der Pläne Möglichkeiten zur Anpassung an unterschiedliche Bedarfssituationen nicht berücksichtigt wurden und – mangels akzeptierter Grundlage – auch nicht berücksichtigt werden konnten. n Die fest beschäftigten Mitarbeiter können sich u.U. dem Anpassungsdruck entziehen. Als Konsequenz werden zunehmend Aushilfen und Leih-Mitarbeiter beschäftigt, die die gesamte Last der Flexibilität tragen müssen. n Die Führungsbeziehungen werden stark belastet. Einerseits wird versucht, Machtpositionen aufzubauen, die in die Lage versetzen, von Mitarbeitern auch ohne entsprechende Vereinbarungsbasis Flexibilität einzufordern. Gelingt dies nicht, müssen Führungskräfte regelmäßig um flexibles Verhalten der Mitarbeiter „betteln“, was es ihnen in anderen Situationen schwer bis unmöglich macht, konsequente Führung zu praktizieren. Der Flexibilität auszuweichen, ist also keine Lösung. Es gilt vielmehr, mit den Mitarbeitern bzw. der Mitarbeiter-Vertretung Arbeitszeitvereinbarungen abzuschließen, die es ermöglichen, den betrieblichen Flexibilitätsbedarf abzubilden, ohne die Mitar- beiter dabei zu überfordern. Dabei kann der Flexibilitätsbedarf durch gute Planung und Prognose der Auslastungsverläufe in den Dimensionen Vorhersehbarkeit und Bandbreite der Variabilität eingegrenzt werden. Nicht alle Mitarbeiter sind im gleichen Maße flexibel Hilfreich ist auch, zu beachten, dass nicht alle Mitarbeiter im gleichen Maße flexibel sein können. Es bietet sich daher an, unterschiedlich flexible Modelle anzubieten, denen sich die Mitarbeiter freiwillig zu ordnen können. Geht man diesen Weg, sollten allerdings die flexibleren Mitarbeiter monetär oder durch andere Vergünstigungen honoriert werden, damit ihre Bereitschaft zur Flexibilität auch langfristig erhalten bleibt. Flexible Reserveschichten helfen, kurzfristige Eingriffe in die planmäßig freien Tage der Mitarbeiter zu vermeiden und trotz Abwesenheiten die benötigten Besetzungsstärken sicherzustellen. Die Berücksichtigung von Arbeitszeitwünschen bei der Schichtplanung und die Möglichkeit des Schichttauschs helfen, auch in sehr flexiblen Systemen Wünsche der Mitarbeiter an die eigene Arbeitszeitgestaltung zu realisieren. Bild: Fotolia/industrieblick www.ssz-beratung.de Im Fokus Effizienz Sicherheit Nachhaltigkeit 6 Der Betriebsleiter 3/2017

BETRIEBSFORUM Fachtagung: Genehmigungsmanagement bei Neu- und Umbau von Industrieanlagen Die Jahrestagung „Genehmigungsmanagement bei Neu- und Umbau von Industrieanlagen“ vom 26. bis 27. April 2017 in Berlin greift die wichtigsten Themen rund um das industrielle Genehmigungsmanagement auf und informiert Teilnehmer über aktuelle Novellierungen in der Gesetzgebung. Namhafte Unternehmen zeigen aus erster Hand, wie sie ihr Genehmigungsmanagement optimieren. Darüber hinaus nehmen die Behörden BMUB und LA-NUV Stellung zu aktuellen Themen. Experten vermitteln ihr umfangreiches Fachwissen sowohl aus Industrie- als auch Behördensicht in kompakter Form mit hohem Praxisbezug. Halbtägige Intensiv-Workshops ermöglichen den Teilnehmern, sich intensiver mit den Themen „Antragsvorbereitung, Genehmigungsverfahren und nachfolgend Kontrolle“ sowie „Ausgangszustandsbericht und Rückführungspflicht“ auseinanderzusetzen. Ein geselliges Get-together am Ende des ersten Tages rundet die Veranstaltung ab. Bild: Fotolia/branex www.tacook.de/Genehmigung2017 Deutsche Werkzeugmaschinenindustrie erwartet 2017 weiteren Produktionszuwachs Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie ist optimistisch ins Jahr 2017 gestartet. „Wir erwarten für das laufende Jahr einen deutlichen Produktionszuwachs von 3 %“, erläutert Dr. Heinz- Jürgen Prokop (Bild), Vorsitzender des VDW. Grundlage für die Einschätzung sind die internationale Industrieproduktion und die globale Werkzeugmaschinennachfrage, die sich laut Oxford Economics, Prognosepartner des VDW, gut entwickeln sollen. Gestützt wird die Prognose auch durch das dicke Auftragspolster aus 2016. Bis November stiegen die Aufträge der deutschen Hersteller um 7 %, getrieben durch das Ausland. Die Inlandsbestellungen verharrten auf gutem Vorjahresniveau. Insgesamt profitiert die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie vor allem vom großvolumigen und automobilgetriebenen Projektgeschäft weltweit. www.vdw.de Hannover Messe: Die Zutaten für die Fabrik 4.0 Damit Fabriken zu Smart Factories werden, braucht es einen Mix aus innovativer Automationstechnik, digitalen Zwillingen, Cobots und künstlicher Intelligenz. Wie diese Technologien zusammenspielen und der Schritt in die cyberphysische Zukunft gelingt, zeigen die Leitmessen Industrial Automation und Digital Factory. Beide Veranstaltungen werden unter dem Dach der Hannover Messe ausgerichtet. Der Nutzen, der für das produzierende Gewerbe entstehen kann, ist enorm, denn Maschinen können z. B. in Zukunft den Produktionsprozess eigenständig optimieren und so für maximale Effizienz sorgen. Die ersten Schritte in diese neue Welt der Produktion können die Besucher vom 24.–28. April 2017 in Hannover sehen. www.hannovermesse.de Maintenance in Dortmund fokussiert auf Digitalisierung Wenn am 29. und 30. März 2017 die Leitmesse für industrielle Instandhaltung Maintenance in Dortmund stattfindet, steht alles unter dem Motto Digitalisierung. Dementsprechend treffen Besucher nicht nur auf zahlreiche Aussteller, die neueste Produkte und Lösungen zu dem Thema anbieten. Ein hochkarätiges Rahmenprogramm mit zahlreichen Experten und tiefgehenden Vorträgen bietet aktuelle Informationen. Vor allem KMU haben auf der Messe erstmals die Möglichkeit, sich zum Thema „Wie wird mein Unternehmen digital?“ beraten zu lassen. Dafür hat Easyfairs das Kompetenzzentrum Digital in NRW als Messepartner gewonnen. Zudem hat der Veranstalter Easyfairs auch das Science-Center weiter aufgewertet. Hier gibt es Vorträge in Kooperation mit dem Fraunhofer IML. www.maintenance-dortmund.com Bremsentechnologie 4.0 — jetzt upgraden! ROBA ® -brake-checker: Permanentes Bremsen-Monitoring von Schaltzustand, Temperatur und Verschleiß www.mayr.com Besuchen Sie uns auf der Intec, Leipzig, Halle 5Stand D36 Ihr zuverlässiger Partner Mayr.indd 1 16.02.2017 10:26:06 Der Betriebsleiter 3/2017 7

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