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Der Betriebsleiter 3/2017

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Ineffizienz kommt nicht

Ineffizienz kommt nicht in die Tüte! MES unterstützt nachhaltige Produktion von Filtertüten Melitta macht nicht nur „Kaffee zum Genuss“, sondern investiert auch in die nachhaltige Produktion von qualitativ hochwertigen Massenartikeln wie beispielsweise Filtertüten. Der Einsatz eines Manufacturing Execution Systems (MES) ermöglicht die ganzheitliche Herangehensweise an die Optimierung eines traditionsgeprägten Herstellungsprozesses. Die mittlerweile über 100 Jahre aktive Melitta Unternehmensgruppe schafft Produkte und Dienstleistungen, die das Leben genussvoller, angenehmer und leichter machen. Ein marktprägendes Produkt ist dabei die Filtertüte, die auf eine innovative Idee von Melitta Bentz zurückzuführen ist. Bereits im Jahre 1908 erfand sie den ersten Kaffeefilter aus Papier und legte damit den Grundstein für ein erfolgreiches Familienunternehmen. Heute produziert Melitta Europa GmbH & Co. KG – Geschäftsbereich Kaffeezubereitung – am Standort Minden Filtertüten aller Art. Weitere Produktionsstandorte für Filtertüten befinden sich in den USA und Brasilien. Die Melitta Unternehmensgruppe stellt aber auch weitere Produkte wie Kaffeeautomaten (Melitta), Teefilter (Cilia), Staubsaugerbeutel (Swirl) und Frischhaltefolien beziehungsweise -beutel (Toppits) her. Mit Software-Hilfe effizient produzieren Gerade bei der Herstellung von Filtertüten kommt es auf Qualität, Wettbewerbsfähigkeit, Umweltschonung und Innovation an. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man Wir haben es geschafft, dass die Mitarbeiter das MES-System als ein wichtiges Werkzeug im Arbeitsalltag akzeptieren. Ohne Hydra wären wir blind und könnten lange nicht so effizient produzieren. Michael Weber, Leiter Technik Minden, Melitta Europa, Geschäftsbereich Kaffeezubereitung bei Melitta nichts dem Zufall überlässt. Der Einsatz der ganzheitlichen MES-Lösung Hydra von MPDV in der Produktion unterstützt Michael Weber, Leiter Technik Minden bei Melitta Europa GmbH & Co. KG, Geschäftsbereich Kaffeezubereitung, dabei, einen effizienten Ablauf sicherzustellen. Zur Unterstützung der Filtertüten-Herstellung nutzt Melitta die Module Betriebs- und Maschinendaten sowie den Wartungskalender der MES-Lösung Hydra. Die im führenden SAP-System erzeugten Fertigungsaufträge werden im MES auf die jeweilige Maschine bzw. Linie eingeplant. Am Datenerfassungsterminal meldet der Werker den nächsten anstehenden Auftrag an und rüstet die Maschine. Über das Terminal erfasst Hydra automatisch sowohl die produzierte Menge als auch den Maschinenstatus. Hierbei wird die komplette Herstellung der Filtertüten bis hin zur Verpackung als ein Arbeitsschritt gesehen. Dahinter versteckt sich ein 38 Der Betriebsleiter 3/2017

SPECIAL I DATENMANAGEMENT 01 Die Melitta-Mitarbeiter sind stolz auf ihr Produkt und nutzen das MES Hydra zur Unterstützung ihrer Kommunikation mit dem Management aufwendiger Prozess von der Nadelung des Papiers, das auf Rollen selbst hergestellt oder angeliefert wird, über das Schneiden, Falten bis hin zur Prägung der bekannten Doppelnaht. 80 Filtertüten werden gesammelt und anschließend vollauto matisch in eine Faltschachtel verpackt. Am Ende des Prozessschrittes wird die Anzahl der Schachteln erfasst und an Hydra zurückgemeldet. Wird die Zykluszeit überschritten, so erkennt Hydra automatisch eine Störung und fordert den Werker auf, einen Störgrund aus der vordefinierten Liste auszuwählen und zuzuweisen. Dies ermöglicht eine standardisierte Auswertung der Maschinenzeiten. Am Ende eines Auftrags wird dieser am Erfassungsterminal abgemeldet. Die Rückmeldung der gefertigten Stückzahlen an SAP erfolgt in einem nachgelagerten Schritt an der Palettieranlage. Aussagekräftige Auswertungen Mit den in der Produktion erfassten Daten werden in Echtzeit aussagekräftige Auswertungen generiert, die sowohl dem Schichtleiter als auch dem Produktionsleiter einen schnellen und informativen Überblick über die aktuelle Situation bzw. die vergangenen Schichten geben. Eine zentrale Darstellung ist hierbei der Shopfloor-Monitor. Hier sieht der Schichtleiter auf einen Blick, welche der mehr als 30 Maschinen produzieren, welche Störungen aktuell vorliegen und wo welcher Auftrag gefertigt wird. Im Maschinenzeitprofil werden alle Störungen und Produktionszeiten chronologisch und grafisch dargestellt. Ein standardisiertes Farbschema ermöglicht auch hier auf einen Blick die Einschätzung, ob die Maschine „gut läuft“ oder ob eine Besichtigung vor Ort bzw. sogar eine Wartung sinnvoll ist. Dadurch wird der Schichtleiter entlastet und kann sich deutlich entspannter um andere Themen kümmern. Den Produktionsleiter hingegen interessieren hauptsächlich Kennzahlen wie Nutzgrad oder OEE (Overall Equipment Effectiveness – Gesamtanlageneffizienz). Anhand dieser Kennzahlen bekommt er schnell ein Gefühl, ob alles „rund“ läuft. Michael Weber erläutert: „Wir stellen den Mitarbeitern in der Produktion alle Informationen zur Verfügung, die wir auswerten. So entsteht Transparenz für alle – dies fördert die Motivation der Mitarbeiter. Anhand von ge sicherten Daten kann wesentlich konstruktiver über Maßnahmen zur Optimierung diskutiert werden.“ Vorbeugende Wartung und Energiemanagement Mit der Einführung des Wartungskalenders wurden die Wartungsintervalle auf eine festgelegte Zahl von Takten umgestellt. Dies ist durch die automatische Erfassung der Takte möglich geworden. Für den Fertigungsablauf hat die Neuerung den Vorteil, dass durch eine gezieltere Wartung die Maschinen besser verfügbar sind und zudem die Kosten für Wartungsarbeiten deutlich gesenkt werden können. Um Kostenvorteile bei der Strombeschaffung zu erlangen, strebt Melitta zudem eine kontinuierliche Verbesserung der Voraussetzungen für die Zertifizierungen nach DIN EN ISO 50001 an. Daher wurde das Hydra-Energiemanagementsystem (EMG) eingeführt, das die schrittweise Reduzierung des Energieverbrauchs zum Ziel hat. Hydra-EMG ermöglicht sowohl die Erfassung von Energieverbräuchen und Leistungswerten als auch die Auswertung der Daten im Zusammenhang mit Maschinenund Auftragsdaten. Somit kann ohne großen Aufwand festgestellt werden, wie viel Energie für die Herstellung bestimmter Artikel benötigt wird. Auch für die Optimierung der Wartungszyklen liefert ein Energiemanagementsystem wichtige Informationen, da ein erhöhter Verbrauch Rückschlüsse auf den Zustand der Maschine zulässt. Der Einsatz des Hydra- Moduls EMG hat zudem den Vorteil, dass keine zusätzlichen Schnittstellen ent stehen, da alle produktionsrelevanten Daten in einem System erfasst, verarbeitet und ausgewertet werden. Tradition und Innovation vereint 02 Grafischer Maschinenpark: Hier haben Schichtleiter und Mitarbeiter einen Überblick über alle Maschinen und deren aktuellen Zustand 03 Tritt eine längere Störung an der Maschine auf, wählt der Mitarbeiter einen passenden Störgrund aus einer Liste aus 04 Blick in die Filtertüten-Produktion bei Melitta in Minden Michael Weber hat es geschafft, die traditionsreiche Produktion der Filtertüte mit einer innovativen MES-Lösung zu vereinen und somit die Grundlage für eine effiziente Produktion zu legen. Die Melitta-Mitarbeiter sehen in Hydra ein wichtiges System zur Steigerung von Transparenz und Effizienz. Durch die Auswertung überwiegend automatisch erfasster Daten haben sowohl das Management als auch die Mitarbeiter ohne Mehraufwand einen einheitlichen und realistischen Blick auf die Fertigung. Die Mitarbeiter erkennen sich andeutende Unregelmäßigkeiten frühzeitig und können im eigenen Verantwortungsbereich Gegenmaßnahmen einleiten. Hieraus entsteht ein sehr konstruktives Arbeitsklima – und etwas anderes kommt bei Melitta auch nicht „in die Tüte“! www.mpdv.com Im Fokus Effizienz Sicherheit Nachhaltigkeit Der Betriebsleiter 3/2017 39

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