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Der Betriebsleiter 3/2016

Der Betriebsleiter 3/2016

Adaptive

Adaptive Fertigungssteuerung Maschinenbauer synchronisiert hochkomplexe Auftragsnetze mit ERP-Software Bei Maschinen- und Anlagenbauern sind Änderungen durch den Kunden bis kurz vor Lieferung üblich. Preis dieser Flexibilität sind hohe Durchlaufzeiten und schwierige Steuerungsprozesse. Mit einer um Module zur adaptiven Fertigungssteuerung erweiterten ERP-Suite ist es einem Hersteller von Mahl- und Sichtanlagen gelungen, seine Fertigungsabläufe zeitnah und automatisiert an Veränderungen anzupassen. Das Ergebnis: stark reduzierte Warte- und Liegezeiten sowie hohe Liefertermintreue. Als die Auftragseingänge bei der Hosokawa Alpine AG Anfang des neuen Jahrtausends anstiegen, stießen die Fertigungsplaner des in Augsburg ansässigen Herstellers von Maschinen und Turnkey-Systemen zur Aufbereitung von Pulvern, Granulaten und Schüttgütern immer häufiger an ihre Grenzen. „Je weiter der Planungsprozess in der Ferne lag, desto schwieriger war es für unsere Planer, sich einen Überblick in unserem Auftragsnetz zu verschaffen“, sagt Reinhard Wagner, stellvertretender Fertigungsleiter bei Hosokawa Alpine. Der Spezialist für Pulvermahlanlagen für die Pharma, Food- und Chemieindustrie und die mineralische Grundstoffindustrie produziert einen Großteil der Komponenten in seinen Hallen selbst. Reinhard Wagner erklärt: „Die selbst gefertigten Teile gilt es, rechtzeitig herzustellen und die Einkaufsteile sind zielgenau in den Prozess einzusteuern und so durch die einzelnen Werkstätten zu navigieren, dass alles zum großen Finale in der Montage bereit steht“. Problematisch: lange Durchlaufzeiten … Dass ein Auftrag vorgezogen werden muss, ein Zukaufteil nicht rechtzeitig ankommt oder betriebsbedingte Störungen wie etwa der Ausfall einer Maschine auftreten, sind nicht nur Probleme von Sondermaschinenund Anlagenbauern. Mit ihrer Werkstattfertigung sind sie auf solche Situationen aber besser eingestellt als Serienfertiger, da sie wesentlich flexibler auf Störungen reagieren können. Der Typus der Werkstattfertigung hat aber den Nachteil, dass zwischen den eigentlichen Bearbeitungsschritten „sehr viel Luft“ ist. Als Ergebnis liegt die Bearbeitungszeit eines Teils bei gerade mal zehn Prozent; 90 Prozent seiner Zeit verbringt es dagegen praktisch in Wartestellung. Bevor man sich bei Hosokawa Alpine für eine adaptive Steuerungslösung entschied, rechnete man für jeden Übergang von einem Bereich in den anderen mit drei Tagen. Diese langen Wartezeiten, die sich bei der Planung eines Auftrags im ERP- System von Arbeitsstation zu –station addieren, führten regelmäßig dazu, dass der errechnete Fertigungsstart in der Vergangenheit lag. Anschließend wurde der Verzug im Laufe des Herstellungsprozesses wieder „irgendwie“ aufgeholt, um den Liefertermin zu halten. … und aufwändige Identifikation von Langläufern Der zweite Faktor, von dem die Liefertreue abhängt, ist der Einkauf. Oft ergibt es wenig Sinn, mit der Eigenfertigung eines Anlagenteils zu starten, wenn z. B. ein Motor erst Im Fokus Effizienz Sicherheit Nachhaltigkeit 34 Der Betriebsleiter 3/2016

SPECIAL I DATENMANAGEMENT drei Wochen später im Werk eintreffen wird. Solche „Langläufer zu identifizieren oder Engpässe eines Auftragsprojekts herauszufinden, war bisher extrem aufwändig“, erklärt Wagner und betont: „Um solche kritischen Teile aus dem Datenberg eines ERP-Systems herauszuziehen, muss man sich extrem gut auskennen.“ Als die Unzufriedenheit mit der mangelnden Weitsicht immer größer wurde, entschloss sich das Team aus IT- PSIpenta Adaptive ermöglicht eine Rückstandsauflösung über eine Eliminierung der Tot- und Liegezeiten im Prozess. Zugleich macht das System nach einer täglichen Neuberechnung aller aktualisierten Zahlen und Fakten, Vorschläge, welche Prozesse zu priorisieren sind und in welcher Reihenfolge Teile hergestellt werden sollten. Terminverschiebungen und deren Ursachen markiert PSIpenta als „kritischen Weg“. In Kombination mit einem Modul, Die IT-Lösung bildet das hochkomplexe Auftragsnetz mit durchschnittlich 100 000 Arbeitsgängen im Jahr ab und dynamisiert es und Fertigungssteuerern nach einer Optimierungslösung Ausschau zu halten. Überzeugend fanden die Augsburger PSIpenta Adaptive, die Lösung für den dynamischen Produktionsabgleich ihres bestehenden ERP-Partners PSI Automotive & Industry (ehemals PSIPENTA), dessen Software Hosokawa Alpine bereits seit 1999 einsetzt. Adaptiv steuern „PSIpenta versprach uns, unser hochkomplexes Auftragsnetz mit durchschnittlich 100 000 Arbeitsgängen im Jahr abzubilden und zu dynamisieren“, nennt Reinhard Wagner den wichtigsten Entscheidungsgrund für die Lösung. Und tatsächlich: Heute gehört bei Hosokawa Alpine die „Fertigung auf Sicht“ der Vergangenheit an. PSIpenta adaptive bei Hosokawa Alpine das eine Simulation der möglichen Wegvarianten erstellt und Unterdeckungen oder Überbelegungen erkennt, wird zudem klar, welche Aufträge ohne weiteres freigegeben werden können beziehungsweise welche Zusatzmaßnahmen notwendig sind. Heute werden bei Hosokawa Alpine jeden Abend alle Aufträge neu berechnet und durchgespielt. Thomas Makkos, Informatiker in der Datenverarbeitung, erklärt: „Dabei berücksichtigt das System alle Abhängigkeitsfaktoren der Kapazitätsplanung: die benötigte und die verfügbare Kapazität an den Maschinen, die Dringlichkeit der einzelnen Aufträge und die Verfügbarkeit benötigter Einkaufsteile.“ Aufgrund dieser Berechnungen hat die Fertigungssteuerung in Augsburg immer einen Überblick da rüber, wo es gerade Engpässe und Probleme gibt. n realistische Anfangs- und Endtermine eines Auftrags n wesentliche Verkürzung der Transport- und Liegezeiten bzw. Übergangszeiten n rückstandsfreie Fertigung n Transparenz in allen Abläufen – Erkennbarkeit kritischer Wege n Synchronisation in Einkauf und Fertigung n automatische Priorisierung der Arbeit an den Maschinen n erhebliche Reduzierung des Kommunikationsaufwands n Steuerung des Personals im Drei-Schichtbetrieb n hohe Liefertermintreue Dank des adaptiven ERP-Systems hat die Fertigungssteuerung bei Hosokawa Alpine jetzt immer einen Überblick darüber, wo es gerade Engpässe und Probleme gibt Auf Basis dieser Fakten entscheidet das Team, ob die vorgeschlagene Priorisierung umgesetzt wird oder ob die Kapazität in einzelnen Bereichen erhöht werden muss. „80 Prozent der Faktensuche und Entscheidungsarbeit nimmt uns das System ab; die restlichen 20 Prozent glätten wir vollends bei unserer Fertigungsbesprechung“, sagt Wagner. Fazit „Heute kommt es“, so berichtet Wagner, „kaum noch zu einer Übersteuerung von Maschinen und Mitarbeitern“. Und Makkos fügt hinzu: „Der früheste Fertigungsstart beginnt tatsächlich am heutigen Tag und liegt nicht in der Vergangenheit.“ Wagner fasst zusammen: „Die IT-Lösung hat es geschafft, unser hochkomplexes Auftragsnetz zu synchronisieren.“ In den vergangenen fünf Jahren verdoppelte sich der Umsatz der Hosokawa Alpine AG. „PSIpenta Adaptive hat es uns ermöglicht, den mit der Umsatzsteigerung einhergehenden Aufwand in der Fertigungssteuerung zu bewältigen. Ohne PSIpenta Adaptive hätten wir dies nicht geschafft“, bringt es Reinhard Wagner auf den Punkt. www.psi-automotive-industry.de Wird auch unter Druck* nicht heiß * bis 700 N/mm 2 - Hochtemperaturwerkstoffe für industrielle Anwendungen. Halbzeuge und Zeichnungsteile. Mehr unter dotherm.de www.dotherm.de

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