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Der Betriebsleiter 11-12/2019

Der Betriebsleiter 11-12/2019

DRUCKLUFTTECHNIK I

DRUCKLUFTTECHNIK I SPECIAL Auf Nummer sicher gehen Mit Service die Verfügbarkeit von Kompressoren sicherstellen „Der Service ist im Wandel“, sagt Thomas Friedrich, der den Geschäftsbereich Marketing und Vertrieb im Service bei Atlas Copco Kompressoren und Drucklufttechnik GmbH in Essen leitet. „Unsere Kunden wünschen heute höchste Verfügbarkeit und absolute Sicherheit ihrer Produktion. Dem entsprechen wir mit individuellen Servicelösungen.“ Was das konkret bedeutet, erläutert er im nachfolgenden Interview. Sie arbeiten jetzt seit über zehn Jahren im Service in den unterschiedlichsten Bereichen – von der Produktentwicklung über das Management bis hin zur Betreuung der Händlerpartner von Atlas Copco Kompressoren und Drucklufttechnik. Wie hat sich der Service in dieser Zeit entwickelt und wo geht er hin? Der Service ist ein Bereich, der immer im Wandel ist. Vor zehn Jahren lag der Fokus noch auf der Wartung und Reparatur der Kompressoren. Die Kunden meldeten sich bei uns, wenn ein entsprechender Termin anstand. Heute wollen sie die Verfügbarkeit ihrer Kompressoren komplett abgesichert wissen; so effizient wie möglich Druckluft erzeugen, aber sich so wenig wie möglich selbst darum kümmern. Und am liebsten jedes Jahr ein bisschen mehr sparen. Deshalb sind wir mit unseren fast 230 Leuten im Team, wie Servicetechnikern, Energieberatern und anderen Spezialisten, immer bestrebt, die Anlagen draußen kontinuierlich über die gesamte Lebensdauer instand zu halten und zu optimieren. Wie stellen Sie denn die Verfügbarkeit der Kompressoren sicher? Über die Lebensdauer der Maschinen gesehen reichen Wartung und Reparatur auf Zuruf natürlich nicht aus. Wir bieten diese Leistungen zwar auch weiterhin „spontan“ oder zum Festpreis an. Aber wer die Verfügbarkeit seiner Anlagen erhöhen will, sollte eine Servicevereinbarung abschließen. Diese bieten wir in drei Stufen an: Als Basis führen wir alle vorgesehenen, vorbeugenden Wartungen gemäß Herstellerangaben aus. Zweitens bieten wir unter dem Namen „Extended Warranty+“ bei Neumaschinen Garantieverlängerungen auf fünf Jahre an, bei den neuen ölfrei verdichtenden Z-Serien sind es sieben Jahre. Und am sichersten fährt, wer mit uns eine Instandhaltungsvereinbarung über die gesamte Lebensdauer der Maschine trifft. Diese Full-Service- Vereinbarungen bieten quasi eine Langzeitgarantie, die alle Eventualitäten abdeckt. Wenn Sie die regelmäßige Wartung übernehmen, sichern Sie also zu, dass die Verfügbarkeit der Anlagen steigt? Je nach Umfang der Vereinbarung, genau. Sollte trotz allem eine Anlage ausfallen, können wir ohne Rücksprache, Angebotserstellung, Bestellabwicklung etc. direkt reagieren, denn alle Reparaturen sind mit der Vereinbarung abgedeckt. Je nach Redundanzsituation kann das ein wertvoller Zeitfaktor sein. Für den Notfall können wir auch Leihkompressoren zur Verfügung stellen. Die sind in der Regel binnen weniger Stunden vor Ort. Außerdem hat Atlas Copco eine 24-Stunden-Hotline, über die wir immer erreichbar sind. Ist es für Kunden nicht verlockender, auf „Crash“ zu fahren und Reparaturen dann fallweise und zum Festpreis in Anspruch zu nehmen? 01 Thomas Friedrich leitet den Geschäftsbereich Sales & Marketing im Service bei der Atlas Copco Kompressoren und Drucklufttechnik GmbH in Essen Nein. Die Druckluft muss ja vorhanden sein, da fährt man nicht auf Crash. Filter, Öl, Komponenten im Ölkreislauf und Ventile müssen einfach in bestimmten Abständen getauscht werden, je nach Typ in der Regel alle 4 000 oder 8 000 Betriebsstunden. Das mit den Ventilen ist übrigens ein wichtiger Punkt. Lässt man diese aus, riskiert man dadurch sofort die Verfügbarkeit, daher sollte immer darauf geachtet werden, dass Wartungen stets nach 32 Der Betriebsleiter 11-12/2019

SPECIAL I DRUCKLUFTTECHNIK Herstellerangaben durchgeführt werden und nicht die Verfügbarkeit aufgrund von Einsparungen bei den Wartungen riskiert wird. Die Folgeschäden durch Betriebsausfälle sind um einiges höher. Von der Planbarkeit bei Wartungsverträgen haben alle Beteiligten etwas ... ... sicher. Wir können die anliegenden Termine effizienter organisieren, die Servicetechniker sparen Anfahrtszeiten und wir können gezielt neue Techniker einstellen. Diesen Kostenvorteil geben wir an unsere Kunden weiter, die wiederum selbst administrativen Aufwand sparen. Man muss die Wartung nicht anfragen oder bestellen, hat keine Wartezeiten, und wir sind zum richtigen Zeitpunkt da. Zudem sind wir mit geschulten Technikern und Energieberatern regelmäßig vor Ort. Die haben ständig im Blick, wie sie das System weiter optimieren können oder ob alles noch passt. So können wir unser Qualitätsversprechen an den Kunden einlösen und die Verfügbarkeit der Anlagen hochhalten. Eine feste Vereinbarung hat nur Vorteile! Viele Druckluftstationen sind ja gewachsen, in ihnen stehen Kompressoren und Maschinen verschiedener Hersteller. Können Sie die ebenfalls warten? Klar. Wir halten dafür alle gängigen Ersatz- und Wartungsteile vor und schulen unser Personal auch auf den Wettbewerbsmaschinen und -steuerungen. Daneben gestalten wir unsere Vereinbarungen so kundenspezifisch wie möglich, je nach individuellen Wünschen. Das reicht von den vorbeugenden Wartungen in festen Intervallen oder nur für unsere Maschinen bis hin zur Fernüberwachung der kompletten Druckluft-, Vakuum- oder auch Stickstoff- und Sauerstofferzeugung. Um den Kunden einen weiteren Vorteil zu bieten, wollen wir alles aus einer Hand rund um die Station anbieten! Wie kann man sich diese Fernüberwachung vorstellen? Unser Serviceprodukt hierzu nennt sich Smartlink. Die Software sammelt Betriebszustände, Störmeldungen und sogenannte Events des Kompressors. Ein Beispiel aus dem letzten Sommer: Die anhaltende Hitzeperiode führte vielerorts dazu, dass sich in Kompressorstationen die Umgebungstemperatur zu sehr erhöhte. Wenn dies per Smartlink gesendet wird, können wir proaktiv eingreifen und dem Kunden Bescheid geben, damit er vor Ort regulierend eingreift – noch bevor Probleme entstehen. Full-Service-Vereinbarungen bieten quasi eine Langzeitgarantie, die alle Eventualitäten abdeckt Mit den von Smartlink bereitgestellten Informationen können wir außerdem die Verfügbarkeit der Anlage dadurch erhöhen, dass wir diese stetig optimieren. In Richtung Energieeffizienz, aber auch, indem wir auf veränderte Auslastung reagieren können. Nicht zuletzt können wir die Daten zur weiteren Verbesserung unserer Produkte nutzen, weil wir Rückschlüsse auf die Funktionalität der Kompressoren und Bauteile im Betrieb erhalten. Die Kunden lassen sich in die Maschinen schauen? Oder sie schauen mit der Software selbst hinein. Smartlink gibt es in drei Stufen, man kann sie auch für sein eigenes Energiemanagement nutzen. Die energierelevanten Daten werden gemäß 02 Thomas Friedrich mit der Smartbox, die Atlas Copco sukzessive in sämtliche Kompressoren einbauen will. „Hierdurch sind wir in der Lage, die Betriebszustände der Maschinen tagesaktuell zu prüfen und die Verfügbarkeit zu optimieren“, so Friedrich der ISO 50.001 aufbereitet und als kompletter Bericht oder Datenfile zur Verfügung gestellt. Unser Ziel im Sinne zufriedener Kunden ist es, dass wir so früh wie möglich wissen, wann die nächste Wartung fällig ist oder welches Problem demnächst auftreten könnte. Deshalb vereinfachen wir den Prozess nun auch, denn wir wollen proaktiv eingreifen können. Hierfür haben wir die sogenannte Smartbox entwickelt, die wir in alle Kompressoren mit Leistungen ab 30 Kilowatt serienmäßig einbauen. Auch unsere neue Elektronikon-Steuerung MK5s kann die Daten der Sensoren, die in den angeschlossenen Maschinen verbaut sind, verarbeiten und senden. Die Box sendet die Betriebsdaten des Kompressors an unser Diagnostikcenter. Hierdurch sind wir in der Lage, die Betriebszustände der Maschinen tagesaktuell zu prüfen. Denn wenn ein Problem nicht frühzeitig erkannt wird, kann das schlimmstenfalls zu Produktionsausfällen führen. Dem zustandsabhängigen Service gehört also die Zukunft? Ja, so können wir die Verfügbarkeit erhöhen und somit einen Mehrwert für unsere Kunden schaffen. Unsere Servicetechniker machen auf den Punkt Kontrollbesuche oder wechseln Verschleißteile. Die Daten, die die Smartbox sendet, werden visuell so aufbereitet, dass auch der Kunde selbst sehr einfach den Zustand seiner Druckluftanlage im Blick behalten kann – am PC, Tablet oder über das Smartphone. Produktions- und Instandhaltungsleiter nutzen diese Daten zum Beispiel auch für das Energiemanagement. Und wenn Kunden nicht möchten, dass diese Daten das Unternehmen verlassen? Bei Unternehmen, die die Smartbox nicht nutzen möchten, schalten wir sie einfach ab. Der Trend geht aber dahin, dass mehr Kunden die Vorteile nutzen möchten. Sie reduzieren damit ihren administrativen Aufwand bei höchstmöglicher Transparenz. Daher wollen wir die Smartboxen sukzessive in sämtliche unserer Kompressoren einbauen. Bilder: Atlas Copco www.atlascopco.de Der Betriebsleiter 11-12/2019 33

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