Aufrufe
vor 10 Monaten

Der Betriebsleiter 11-12/2019

Der Betriebsleiter 11-12/2019

BETRIEBSTECHNIK

BETRIEBSTECHNIK Rekord-Anwendung Kunststoff-Energiekette mit 615 m Verfahrweg seit zehn Jahren ohne Ausfall im Betrieb 01 Manchmal 24/7-Dauerbetrieb, manchmal einen Monat Stillstand – mit diesen Bedingungen muss die längste Kunststoff-Energiekette der Welt im tschechischen Braunkohlekraftwerk Tušimice zurechtkommen. Dies gelingt der Rollen-Energiekette auf dem Rekord-Verfahrweg mit 615 Metern nun seit zehn Jahren ohne Probleme. Auf den Punkt gebracht Bereits 2010 wurde die Anwendung in Tušimice mit dem goldenen vector award ausgezeichnet. Diesen Wettbewerb initiiert igus alle zwei Jahre, um die mutigsten und spannendsten Energieketten-Anwendungen zu küren. Dass diese Lösung auch die ideale Lösung für den Langzeiteinsatz war, zeigt sich nun, zehn Jahre später. Im normalen Betrieb wird abgebaute Kohle direkt aus dem Tagebau ins Braunkohlekraftwerk gefördert und dort verfeuert. Wird die Förderung jedoch aus irgendwelchen Gründen unterbrochen, muss selbstverständlich für Nachschub gesorgt werden, damit weiterhin Energie erzeugt werden kann. Dies realisieren die Betreiber von Kohlekraftwerken über große Halden (sog. „stockpiles“) in unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk. Im von der ČEZ-Gruppe betriebenen Braunkohlekraftwerk „Tušimice“ in der Tschechischen Republik wird die Kohle auf einer in die Länge gezogenen Halde am Rande des Kraftwerksgeländes gelagert, mit der das Kraftwerk theoretisch eine ganze Woche lang befeuert werden könnte. Um die Kohle automatisch auf der Halde aufschichten zu können, wird ein „Stacker“ benötigt. Damit dieser zuverlässig mit Energie, Daten und Medien versorgt wird, hat sich die ČEZ-Gruppe für ein Energiekettensystem von igus entschieden. Resultat: 615 m Verfahrweg – Weltrekord. 10 Jahre zuverlässiger Betrieb in preisgekrönter Anwendung Bereits 2010 wurde die Anwendung in Tušimice mit dem goldenen vector award ausgezeichnet. Diesen Wettbewerb initiiert igus alle zwei Jahre, um die mutigsten und spannendsten Energieketten-Anwendungen zu küren. Dass diese Lösung auch die ideale Lösung für den Langzeiteinsatz war, zeigt sich nun, zehn Jahre später. Realisiert wurde das Projekt damals zusammen mit dem tschechischen Händler Hennlich, mit dem igus eng in mehreren Ländern zusammenarbeitet, in denen das Kölner Unternehmen nicht durch direkte Niederlassungen vertreten ist. Zum Einsatz kommt hier in Tušimice eine Energiekette vom Typ 5050RHD. Dabei steht das „R“ im Namen für „Rollen“. „Durch Rollen in den Kettengliedern sinkt der Reibwert auf langen Verfahrwegen enorm, wenn sich das Obertrum der Kette auf dem Untertrum ablegt“, erklärt Frank Schlögel, Head of Engi- neering Projects, Sales & Marketing bei igus. „Dadurch werden die Reibwerte reduziert und es lassen sich bis zu 57 % der benötigten Antriebsenergie einsparen, um das Energiekettensystem zu bewegen. – Was sich auf Rekord-Verfahrwegen wie hier selbstverständlich erst recht lohnt.“ Mit seinem Project-Engineering-Team kümmert sich Frank Schlögel bei igus um Sonderprojekte, die das Unternehmen rund um den Globus realisiert, und begleitet Kunden je nach Wunsch direkt in allen Schritten: Vom ersten Design über die Detailplanung bis zur Montage und sogar der Wartung. Probleme gehören der Vergangenheit an Bevor das igus Energiekettensystem in dieser Anwendung installiert wurde, kam hier eine Kabeltrommel zum Einsatz. Durch Witterungsbedingungen wie Schnee und Eis im kalten tschechischen Winter froren die Leitungen jedoch immer wieder fest. 24 Der Betriebsleiter 11-12/2019

BETRIEBSTECHNIK 02 01 Auf der Halde des Kohlekraftwerks Tušimice wird mithilfe eines „Stackers“ Kohle automatisch aufgeschichtet. Dieser wird über Leitungen und Schläuche mit Energie, Daten und Medien versorgt, die von der längsten Kunststoff-Energiekette der Welt sicher geführt werden 02 In zehn Jahren Betrieb mussten hier lediglich 10 Kunststoff-Öffnungsstege ausgetauscht werden Was zur Folge haben könnte, dass es auf dem langen Verfahrweg immer wieder zu Ausfällen und ungeplanten Stillständen kommt, wenn die Anlage anfährt. Diese Probleme gehören seit zehn Jahren der Vergangenheit an. Gemeinsam mit Hennlich hat igus ein Komplettpaket für die Anwendung entwickelt. Seitdem werden lediglich turnusmäßige Sichtkontrollen durchgeführt. Die Gesamtbilanz: In der gesamten Zeit mussten rund zehn Kunststoff- Öffnungsstege ausgetauscht werden. Eine Arbeit, die innerhalb weniger Sekunden erledigt ist. Den Fußweg entlang der 615 m Verfahrweg nicht mit eingerechnet. Neben dem 615-m-Rekordverfahrweg werden darüber hinaus noch zwei weitere Systeme mit Rollenenergieketten von igus bewegt, deren Längen mit 400 bzw. 150 m ebenfalls nicht gerade zu vernachlässigen sind. Die beiden Systeme versorgen den sogenannten „Reclaimer“, der dafür sorgt, dass die aufgeschichtete Kohle wieder abgetragen wird und auf das Förderband zum Kraftwerk gelangt. Wasserschlauch geführt, der optional beheizt werden kann. Dadurch wird vermieden, dass das Wasser im Innern des Schlauchs gefriert. Das Wasser wird für die Sprühanlage am Ende des Stackers benötigt. Denn wenn die Braunkohle gefördert und aus einigen Metern Höhe auf der Halde aufgeschichtet wird, setzt sich sehr viel Staub frei. Durch die kontinuierliche Besprühung kann dem entgegengewirkt werden. Seit der Inbetriebnahme wird an den Energiekettensystemen in Tušimice eine elektronische Überwachung betrieben. Sie misst die Zug- und Schubkräfte der Ketten und kann bei zu hohen Kräften, die beispielsweise durch Fremdkörper im System hervorgerufen werden, die Anlage abschalten. In den letzten Jahren hat igus diese Form des „Condition Monitoring“ weiterentwickelt und bietet seinen Kunden heute optional als zusätzliche Absicherung verschiedenste Module zur Überwachung und zur vorausschauenden Wartung an. Unter dem Begriff „smart plastics“ ist hier neben einer Zug- und Schubkraftüberwachung („isense EC.P“) beispielsweise eine Bruchüberwachung („isense EC.B“) enthalten. Im Falle eines Kettenbruchs kann so die Anlage abgeschaltet werden, wodurch sich größere Schäden vermeiden lassen. Eine andere Lösung ist beispielsweise eine Abriebüberwachung („isense EC.W“), die kontinuierlich den Verschleiß misst und so eine verlässliche Aussage über die verbleibende Lebensdauer des Systems gibt. So kann ein Austausch des Systems frühzeitig und ohne plötzliche Ausfälle geplant und durchgeführt werden. Dauerbetrieb als Qualitätsbeweis Zugegeben verfährt der Stacker nur mit mäßiger Geschwindigkeit. Für die rund 600 m werden etwa 20 Minuten benötigt. Und hin und wieder kommt es vor, dass die Anlage einen ganzen Monat lang nicht bewegt wird. Doch wenn es soweit ist und die Kohle auf die Halde gefördert oder von dort benötigt wird, kann sich der Betreiber zu jeder Jahreszeit darauf verlassen, dass das System mit den igus Energieketten zuverlässig funktioniert. – Selbst bei diesen rauen Bedingungen und auch nach mehr als zehn Jahren. Bilder: igus www.igus.de 03 Erfolgreiche Zusammenarbeit (v.l.n.r.: Ladislav Kŕíž, František Farkaš (beide ČEZ), Jan Švarc (Hennlich CZ), Frank Schlögel (igus). Sichere Führung und sicheres Gesamtkonzept Im Innern der Ketten werden verschiedene chainflex Leitungen von igus geführt, die speziell für den Einsatz in Energieketten entwickelt worden sind. Neben chainflex Motor- und Steuerleitungen kommt auf den 615 m Verfahrweg zudem eine Lichtwellenleiter-Leitung für die Datenübertragung zum Einsatz. „Busleitungen kommen für diese langen Strecken nicht in Frage, da die Signalstärke nicht ausreichen würde“, berichtet Frank Schlögel. Neben den verschiedenen Leitungen wird in der Kette auch ein Der Betriebsleiter 11-12/2019 25

Der Betriebsleiter 7-8

© 2018 by Vereinigte Fachverlage GmbH. Alle Rechte vorbehalten.