Aufrufe
vor 2 Monaten

Der Betriebsleiter 11-12/2018

Der Betriebsleiter 11-12/2018

DRUCKLUFTTECHNIK I

DRUCKLUFTTECHNIK I SPECIAL Absolut ölfrei Wassereingespritzte Schraubenkompressoren erzeugen Druckluft der Klasse 0 gemäß ISO 8573-1 In der Lebensmittelherstellung muss sichergestellt werden, dass die Produkte nicht durch ölhaltige Druckluft verunreinigt werden. Staatlich Bad Meinberger setzt in der Herstellung seiner Mineralwassergetränke deshalb auf drei wassereingespritzte Schraubenkompressoren mit Wasserkühlung. Die damit erzeugte Druckluft steht in Punkto „Ölhaltigkeit“ für die höchst mögliche Reinheitsklasse 0 gemäß ISO 8573-1. Seit 1770 wird Staatlich Bad Meinberger- Mineralwasser offiziell in Flaschen abgefüllt. „2017 haben wir knapp 120 Millionen Flaschen gefüllt, für dieses Jahr planen wir 135 Millionen. Damit gehören wir nicht zu den ganz Großen in dieser Branche, aber auch nicht zu den Kleinen“, beschreibt Volker Schlingmann, Sprecher der Geschäftsführung sowie Geschäftsführer Herstellung und Vertrieb bei der Staatlich Bad Meinberger Mineralbrunnen GmbH & Co. KG die positive Dynamik in dem Traditionsbetrieb. Aktuell beschäftigt das Unternehmen rund 100 Mitarbeiter. Der Hersteller bietet neben Mineralwasser auch Erfrischungsgetränke auf Mineralwasserbasis, isotonische und vitaminhaltige Flüssigkeiten, Apfelschorle, Zitronen- oder Orangenlimonade. Insgesamt hat das Unternehmen etwa 70 Artikel im Sortiment. Abgefüllt werden die Getränke in Mehrweg-Glas- und -PET-Gebinden. „Darüber hinaus sind wir als Lohnabfüller tätig“, sagt Schlingmann. Absolut reine Druckluft gefragt Bad Meinberger ist nach dem International Food Standard (IFS) zertifiziert. „Damit garantieren wir mit unseren Prozessen die geforderte Lebensmittelsicherheit“, erklärt Schlingmann. „In den vergangenen Jahren konnten wir stets ein hohes Level erreichen. Bei möglichen 100 % liegen wir aktuell bei 99,7 %.“ Eine große Rolle spielt die Druckluft, weil sie mit dem Produkt in Berührung kommen kann. „Sie dient für uns als Antriebsenergie sowie als Steuerungsluft für Ventile Autor: Florian Brähler, Product Manager bei Almig in Köngen und Zylinder“, beschreibt Karsten Kichelmann, Instandhaltung und Arbeitssicherheit bei Bad Meinberger. „Das Medium ist bei uns eigentlich überall im Einsatz“, sagt er und zeigt auf eine Anlage, die PET-Flaschen etikettiert. In dieser Maschine treibt Druckluft etwa 30 Pneumatik-Zylinder an. Diese werden permanent damit beaufschlagt. „Wir haben im ganzen Betrieb zahlreiche pneumatische Komponenten, zum Beispiel in unserem Palettierroboter, oder nutzen sie als Stopper an den Förderanlagen“, erläutert er. Radikaler Systemwechsel Lange setzte das Unternehmen auf ölgeschmierte Kompressoren. Bis vor ein paar Jahren waren für die Versorgung ein großer und zwei kleinere Verdichter verantwortlich. Damit die Druckluft die damals höchste Qualitätsstufe aufweisen konnte, wurde sie im Vorfeld u.a. mit mehreren Submikround Aktivkohlefiltern aufwendig aufbereitet. Das erhöhte allerdings auch den Druckverlust und verursachte in der Folge höhere Energiekosten und Kosten für permanenten (präventiven) Austausch der Filterelemente. Dazu kam: „Stand eine Wartung an dem großen Kompressor an oder fiel eine Anlage aus, konnten wir nicht immer eine ausreichende Versorgung mit genügend Druckluft sicherstellen“, so Kichelmann. Die Kompressoren waren zudem inzwischen an ihre Leistungsgrenzen gestoßen. „Unsere Planung sah und sieht jedoch weiteres Wachstum vor. Dafür benötigen wir die passende Ausrüstung“, sagt er. Sollten die Kompressoren nun nach und nach ausgetauscht werden? 2014 entschieden sich die Verantwortlichen für einen anderen Weg – einen radikalen Systemwechsel. 100 % ölfrei und wassereingespritzt „Wir haben uns verschiedene Anbieter angeschaut und kamen aufgrund unserer positiven Erfahrungen schnell zu der Entscheidung, weiter mit unserem langjährigen Lieferanten und Partner Almig Kompressoren aus Köngen zusammenzuarbeiten“, erinnert sich Kichelmann. Bad Meinberger hatte vorher schon Almig-Anlagen in Betrieb und war mit der Qualität der Maschinen und der professionellen und kompetenten Arbeit des Werkskundendienstes sehr zufrieden. „Wir empfahlen unsere ölfreien, wassereingespritzten Schraubenkompressoren der Lento-Baureihe“, sagt Bernd Müller, der als Gebietsverkaufsleiter Bad Meinberger betreut. Vor allem das Prinzip der ‚gewaschenen Druckluft‘, wie es bei dieser Baureihe zum Einsatz kommt, hat die Verantwortlichen überzeugt. Die Druckluft ist sauberer als die zur Verdichtung angesaugte Frischluft, weil die in der Ansaugluft enthaltenen Fremdbestandteile durch das Kreislaufwasser wirksam ausgewaschen werden. „Das haben mehrere unabhängige renommierte Institute in aufwändigen Testreihen bestätigt“, betont Bernd Müller. Die Baureihe gibt es in 15 Baugrößen von 15 bis 110 kW Leistung. Die Verantwortlichen entschieden sich für drei Anlagen vom Typ Lento 56 mit einem Volumenstrom von 9,97 m³/min. Ständig frisches Wasser In der Lento-Anlage ist ein Kältetrockner integriert. Dieser ist ein wesentlicher Teil der Wasseraufbereitung und dient primär als Frischwasserproduzent. Das anfallende Kondensat wird am Kondensatableiter des Kälte- 36 Der Betriebsleiter 11-12/2018

SPECIAL I DRUCKLUFTTECHNIK trockners gesammelt und als Frischwasser in den internen Wasser- und Kühlkreislauf zurückgeführt. „Der Kompressor wird bei Inbetriebnahme mit normalem Leitungswasser befüllt und erzeugt danach sein Frischwasser kontinuierlich selbst“, erklärt Bernd Müller. Im Schnitt wird einmal pro Schicht auf diese Weise die komplette Wassermenge getauscht. Die Anlage arbeitet somit immer mit frischem Wasser. Eine aufwändig zu installierende Wasseraufbereitung entfällt. Dadurch ist das Frischwasser auch kalkfrei. „Viren, Bakterien oder Algen haben keine Chance. Das überschüssige Wasser kann ohne Aufbereitung in die Kanalisation eingeleitet werden“, sagt Bernd Müller. Seit Dezember 2014 sind die drei Anlagen nun im Einsatz. Sie weisen deutlich geringere Wartungskosten im Vergleich zu alternativen Technologien wie trockenlaufenden Schraubenkompressoren auf. Das ist hauptsächlich durch ihren einfachen Aufbau bedingt. Die Verdichterstufen arbeiten bei wassereingespritzten Maschinen mit vier- bis fünffach geringerer Drehzahl im Vergleich zu ölfreien, trockenverdichtenden Kompressoren. Dies wirkt sich positiv auf die Lebensdauer der Lager und somit auf die Betriebssicherheit aus. Wasser besitzt zudem im Vergleich zu Öl eine viel bessere Wärmeaufnahmekapazität. „Wir haben bei diesen Kompressoren sehr niedrige Verdichtungsendtemperaturen von deutlich unter 60 °C. Der Verdichtungsprozess ist nahe an der isothermen Verdichtung, das sorgt für einen besseren Wirkungsgrad und damit für eine höhere Wirtschaftlichkeit“, erklärt Bernd Müller. Auf Energieeffizienz geachtet Bad Meinberger arbeitet je nach Saison im Zwei- oder Dreischichtbetrieb mit ständig wechselndem Druckluftbedarf. Durch die in allen drei Kompressoren integrierte Drehzahlregelung und die verbrauchsabhängige Steuerung Almig Air Control HE erreicht der Betreiber höchst mögliche Energie- und Kosteneinsparung. Der Betriebsdruck bleibt nahezu konstant und kann auf das niedrigst mögliche Druckniveau herabgesetzt werden (± 1 bar = ± 7 % Energiekosten). Die jährlichen Betriebsstunden werden nahezu gleichmäßig auf alle drei Kompressoren verteilt, obwohl in der Regel immer nur zwei Kompressoren benötigt werden. Damit kann Bad Meinberger nicht nur die Lebensdauer des einzelnen Kompressors Der Kompressor wird mit normalem Leitungswasser befüllt und erzeugt sein Frischwasser kontinuierlich selbst 02 Bad Meinberger setzt auf ölfreie wassereingespritzte Schraubenkompressoren der Lento-Baureihe von Almig verlängern, sondern auch vorgeschriebene Wartungsintervalle gleichzeitig durchführen, und das ohne Unterbrechung der Produktion und Sorge über Versorgungsengpässe bei der Druckluft. Außerdem ist noch genügend Redundanz vorhanden und weiteres Wachstum zunächst abgedeckt. Von Haus aus sind die HE-Steuerungen von Almig mit einem Bilanzierungs-Monitoring-System ausgestattet. „Diese Station enthält zusätzlich einen Webserver, der es ermöglicht, alle relevanten Daten über das Internet auszulesen“, beschreibt Bernd Müller. Service-Techniker können das Laufverhalten der jüngsten Betriebstage oder der vergangenen Betriebswochen ablesen und daraus erkennen, wann die Wartung ansteht und ob noch Reserven vorhanden sind. „Stellen wir fest, dass sich das Betriebsverhalten erheblich verändert hat, können die Techniker von Bad Meinberger sofort reagieren“, so Müller. Reibungsloser Betrieb Almig lieferte die Anlagen, ein kompetenter Fach- und Partnerbetrieb kümmerte sich um die Installation. „Das Ganze brachten wir an einem Samstag über die Bühne. Parallel zu den Montagearbeiten haben wir zwei der alten Anlagen im Notbetrieb laufen lassen“, erinnert sich Schlingmann. Die Verantwortlichen bei Bad Meinberger sind rundum zufrieden. „Wir müssen uns weder bei Wartungsmaßnahmen noch bei unseren Zukunftsplänen Sorgen um die Druckluft machen“, sagt Volker Schlingmann. „Im nächsten Schritt kümmern wir uns um die Beseitigung von Leckagen in unseren Druckluftnetzen.“ www.almig.de Im Fokus Effizienz Sicherheit Nachhaltigkeit BAUREIHE FE Standard für Europalette BAUREIHE FE mit 17 Grad Neigung BAUREIHE FE-A mit angebautem Aggregat Eckendorfer Straße 115 D- 33609 Bielefeld FON +49.(0)521.78 06 -151 FAX +49.(0)521.78 06 -110 info@flexlift.de www.flexlift.de BAUREIHE FEM mit Behälterneigegerät BAUREIHE FEM mit 360 Grad Drehplattform BAUREIHE FEM mit Rollenbahnaufsatz

Ausgabe

© 2018 by Vereinigte Fachverlage GmbH. Alle Rechte vorbehalten.