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Der Betriebsleiter 11-12/2016

Der Betriebsleiter 11-12/2016

Blitzsaubere Performance

Blitzsaubere Performance Bei der Werksreinigung strenge Hygienestandards wirtschaftlich einlösen Wilhelm Pfeuffer Die steigende Relevanz von Sauberkeit und Pflegezustand im Nutzenkonzept industrieller Betriebsstätten setzt den Reinigungsdienst unter Druck: Sowohl Umfang als auch Komplexität des Arbeitskontingents nehmen zu, Qualitätsund Kostenrisiken verschärfen sich. Umso dringlicher ist die konsequente Absicherung der Wirtschaftlichkeit durch Fine-Tuning des ressourcen- und verfahrensbasierten Leistungspotenzials. Wo liegen die vielverprechendsten Ansatzpunkte? Grundvoraussetzung preiswerter Top- Hygiene ist die effiziente Führungspraxis im Reinigungsreferat. Administrative Schwächen ziehen unweigerlich Komplikationen auf der Ausführungsebene nach sich und zehren an der Produktivität. Durch periodische Audits und Optimierungsinitiativen sollte man daher die Management- Wilhelm Pfeuffer, Würzburg leistungen systematisch auf Exzellenzniveau verankern. Im Fokus stehen Chef- Funktionen mit hoher Erfolgswirksamkeit: n bedarfsorientierte Aktualisierung des Reinigungsplans n Definition und Überwachung von Qualitätsstandards n Entwicklung und Implementierung rationeller Arbeitspraktiken n Budgetierung des Mengen- und Wertgerüsts der Kosten n Abwicklung von Rationalisierungs- und Investitionsprojekten n Bewirtschaftung von Verbrauchsmaterialien und Zubehör n Stellenplanung, Personalverwaltung und Entgeltregelung n Kapazitätsdisposition für Personal und Equipment Werden diese Aufgaben terminsicher, sachgerecht und rationell bewältigt und welche organisatorisch-technischen Maßnahmen können gegebenenfalls Engpässe beseitigen? Als radikalstes Fitnessprogramm gilt das Zero-Base-Budgeting: Alle notwendigen Leitungsfunktionen werden neu definiert, nach Zeit- und Qualifikationsanspruch eingeschätzt und schließlich zu Tätigkeitsprofilen gebündelt, aus denen sich die adäquate Organisationsstruktur ergibt. Scharfes Augenmerk verdient die Rolle des Vorarbeiters: Er ist die „Seele des Reinigungstrupps“, schult Mitarbeiter, stärkt das Qualitätsbewusstsein, motiviert durch konstruktive Kritik und Belobigung, liefert Verbesserungsvorschläge, erprobt neue Praktiken – Grund genug, ihn großzügig mit Befugnissen auszustatten. Sauberkeit leben Die mentale Disposition der Belegschaft gewinnt auf der Agenda des Hygienemanagements zu Recht zunehmend Priorität. Nur wer den Nutzen exzellenter Sauberkeit von Grund auf verstanden hat, wird sich ihr vorbehaltlos und dauerhaft verpflichtet fühlen. Die komplexe und wechselvolle Thematik sollte durch aktuelle Schaubilder, Merkblätter und Arbeitsordner, Aushänge am Schwarzen Brett oder Artikel in der Werkszeitung sowie bei Besprechungen, Einweisungen und Fortbildungen immer wieder eindringlich ins Bewusstsein gerufen und detailliert erläutert werden. Erheblich hängt das Engagement der Reinigungskräfte auch davon ab, ob das Chefbüro die definierten Standards konsequent durchsetzt oder Mängel und leistungshemmende Engpässe duldet. Wie gut der Betrieb in dieser Hinsicht aufgestellt ist, lässt sich anhand eines knappen Fragenkatalogs beurteilen: n Werden sämtliche Sauberkeitsstandards dem Personal verständlich, handlungsorientiert und einprägsam kommuniziert? n Sind sie durch objektive und plausible, optisch wahrnehmbare bzw. instrumentell nachweisbare Situationsmerkmale konkretisiert? n Wird ihnen bereits auf der Präventionsstufe durch Verhaltensregeln und technische Vorkehrungen ausreichend Rechnung getragen? n Lassen sie sich dank ausreichender Kapazität und effizienter Organisation ohne Stress und physische Hochbelastung realisieren? 34 Der Betriebsleiter 11-12/2016

SPECIAL I REINIGUNGSTECHNIK n Werden sie mit angemessener Frequenz und Intensität kontrolliert, werden erkannte Mängel umgehend moniert und behoben? Nur bei durchgehend positiver Beantwortung steht zu erwarten, dass Betriebsangehörige keinerlei vermeidbare Verschmutzungen verursachen und sich die Kolonnenmitglieder loyal für erstklassige Reinigungsergebnisse einsetzen. Aufgabenprofile fortentwickeln Zu den zukunftsträchtigsten Projekten der Produktivitätsverbesserung im Reinigungsdienst zählt die Feinoptimierung der Aufgabenprofile. Tendenziell werden Arbeitsplätze mit breitem Aufgaben-Mix und weitgehender Entscheidungskompetenz ausgestattet. Derart lassen sich sowohl Zeitnutzungsgrad der Personal- und Maschinenkapazität steigern als auch direkte Kosten und Overheads abbauen. Als vorbildhafte Module aus dem Pflichtenheft von Reinigungskräften im Werksbereich gelten: n Inspektion zur Beurteilung des Verschmutzungszustands n Wahl von Verfahren, Reinigungsmitteln und Geräten n Bestimmung von Arbeitsablauf und Geräte- Einstelldaten n Koordination innerhalb der Kolonne und mit den Werkern n Routinewartung und Störungsbeseitigung am Gerät n Meldung technischer und organisatorischer Probleme n Teilnahme an Vorschlagswesen und Verbesserungsprozess n praktische Einweisung neuer Reinigungskräfte Unverkennbar ist der Trend zu einem vielseitigen Job-Enrichment weit über die Reinigungsfunktion hinaus: Langfristig dürfte sich ein komplexes Gewerk herausbilden, das neben konventionellen Reinigungsarbeiten einfache Wartungsmaßahmen am Maschinenpark sowie Funktionen der Materialwirtschaft (z. B. Bestückung von Montagearbeitsplätzen mit Kleinteilen), der Anlagen- wirtschaft (z. B. Umsetzen von Maschinengruppen) sowie der Haustechnik- und Haushandwerksab teilung enthält. Dieser Kurs ist indes mit strikten Anforderungen an die Personalführung verbunden: Schulungsprogramme zur Erst- und Anpassungsqualifikation sowie inten sives Coaching sind unverzichtbar. Innovationen forcieren Ohne kontinuierliche Identifizierung und zügige Realisierung von Verbesserungspotenzialen driftet die Reinigungspraxis schneller denn je vom Kosten/Nutzen-Optimum ab. Ergebnisorientiertes Innovationsmanagement stützt sich sowohl auf interne Schwachstellenanalyse als auch auf systematische Beobachtung der externen Angebotsszene. Die Anschaffung von Großgerät wie Scheuersaugfahrzeugen etc. sollte über einen Probeeinsatz mit Technologiebewertung und prognostischer Wirtschaftlichkeitsrechnung vorbereitet werden. Um die Rendite solcher – oftmals Die Anschaffung von Großgerät sollte über einen Probeeinsatz mit Technologiebewertung und prognostischer Wirtschaftlichkeitsrechnung vorbereitet werden Nur wer den Nutzen exzellenter Sauberkeit von Grund auf verstanden hat, wird sich ihr verpflichtet fühlen erheblich kapazitätssteigernder – Investitionsprojekte zu maximieren, empfiehlt sich häufig die Modernisierung des relevanten Gewerks (z. B. Bodenpflege der Zerspanungshalle) auf der Basis eines ganzheitlichen Rationalisierungsplans mit folgenden Items: n Zusatzinvestitionen (Handgeräte, Spezialzubehör, infrastrukturelle Vorkehrungen) n Revision des Reinigungsprogramms (Inhalt und Turnus der Reinigungsmaßnahmen) n Neudefinition des Work-Flows (Arbeitsschritte, Ressourcenzuteilung, Ablaufschemata) n Anpassungsqualifizierungen (Inhalt, Form und Dauer notwendiger Instruktionen) n Re-Organisation (Informations- und Steuerungsprozeduren, Dienst- und Fachaufsicht) n Finanzvorschau (z. B. Investitions- bzw. Leasingausgaben, Kosteneinsparungen) n Erfolgsszenario (Soll-Projektion aller relevanten Input- und Output-Parameter) Den Plan sollte ein detailliertes Realisierungskonzept begleiten; es schlüsselt den Handlungsbedarf anhand einer Maßnahmenliste auf, teilt Verantwortlichkeiten zu, gibt ein Terminraster vor und legt Kontrollpunkte fest – eine solide Orientierungshilfe, um im Betriebsalltag Kurs auf ehrgeizige Innovationsziele zu halten. Bilder: Kärcher, Winnenden www.kaercher.com Im Fokus Effizienz Sicherheit Nachhaltigkeit IWA.indd 1 18.10.2016 09:58:02 Der Betriebsleiter 11-12/2016 35

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