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Der Betriebsleiter 11-12/2015

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FERTIGUNGSTECHNIK

FERTIGUNGSTECHNIK Retrofit für Koordinatenmesssysteme Wann lohnt sich die Modernisierung von Messmaschinen? Unternehmen, die vor der Entscheidung stehen, ihr in die Jahre gekommenes Koordinatenmessgerät durch ein neues zu ersetzen, können mitunter Geld sparen: Denn in manchen Fällen lassen sich auch ältere Messgeräte entsprechend der jeweiligen Anforderungen relativ preiswert auf- oder umrüsten. Ob sich die Modernisierung, das sogenannte Retrofit, eines Koordinatenmessgerätes lohnt, hängt laut Karl Sombrey, Produktmanager in der Abteilung Software & Retrofit bei Zeiss, von verschiedenen Faktoren ab. Wer die Präzision, die Maschinengeschwindigkeit und/oder die Größe der zu messenden Teile grundlegend verändern will, brauche beispielsweise nicht über ein Retrofit nachdenken, so der Experte. Hier sei der Erwerb eines neuen Messgerätes die richtige Wahl. Wem jedoch die Wiederherstellung der ursprünglichen Präzision seines in die Jahre gekommenen Messgerätes genügt, kann mit einem Update die Einsatzzeit seines Gerätes deutlich verlängern. Eine Modernisierung ist auch dann vielversprechend, wenn die Funktionalität des Messgerätes erweitert werden soll, etwa um Werkstücke durchgängig zu scannen. Eine Umrüstung lohnt zudem, wenn der Haupttreiber für den Wunsch nach einer Auf- oder Umrüstung eine veraltete Software ist, weiß Sombrey. In mehr als der Hälfte aller Anfragen, die bei der Abteilung Software & Retrofit eingehen, sei dies der Fall. Vielen Anwendern sei eine nutzerfreundliche, zeitgemäße Bedie n oberfläche ein Update wert. Oder sie möchten alle Messgeräte auf einen einheitlichen Stand bringen, z.B. um für mehrere Standorte und Maschinen einen einheitlichen Softwarepflegevertrag mit regelmäßigen Updates abschließen zu können. Neue Prozessoren für das Datenhandling „Wir bieten ausschließlich Umrüstungen auf der Basis von Standardkomponenten an“ Karl Sombrey, Produktmanager in der Abteilung Software & Retrofit bei Zeiss Je nach Messgerät und Gründen für eine Modernisierung steht das Retrofit-Team um Sombrey vor unterschiedlichen Aufgaben. Mit dem geringsten Aufwand verbunden ist es, nur die Messsoftware zu aktualisieren. Läuft diese schon auf Windows- und nicht mehr auf Unix- oder Linux-Basis, erwirbt der Anwender einfach die neueste Version oder installiert ein ergänzendes Softwarepaket. Zusätzlich den PC auszuwechseln, auf dem das Messprogramm läuft, ist laut dem Produktmanager dann sinnvoll, wenn dieser bereits vier Jahre oder älter ist. Denn ein größerer Arbeitsspeicher und neue Prozessoren helfen, die gestiegenen Datenmengen zu bewältigen, die zum Beispiel aufgrund größerer CAD-Dateien zu verarbeiten sind. Etwas aufwendiger ist die Umrüstung, wenn neben PC und Software noch die Gerätesteuerung ausgewechselt wird. Dies empfiehlt sich, wenn eine Maschine mindestens zehn Jahre alt ist. Dann müsste der technische Service dies im Reparaturfall nämlich ohnehin tun. Rundumerneuerung erweitert Funktionalität Die komplexeste Variante der Modernisierung, die das Zeiss-Team durchführt, ist eine Rundumerneuerung des Messgerätes, bei der nicht nur Software, Steuerung und Rechner ausgetauscht werden, sondern auch der Messkopf, sämtliche Kabel und evtl. auch Luftlager und Antriebseinheiten. Im Zuge einer solchen Generalüberholung lässt sich u.a. die Funktionalität eines Messgerätes erweitern: Möglich ist es zum Beispiel bei vielen taktilen Messgeräten, einen Messkopf mit Scanningfunktion nachzurüsten. Im Ver- 12 Der Betriebsleiter 11-12/2015

01 Durch eine relativ preiswerte Auf- oder Umrüstung lässt sich manch ein Koordinatenmessgerät auch in Zukunft weiter betreiben Betriebs- und Lagereinrichtungen Flexibel, effizient und belastbar 02 Eine in die Jahre gekommene Koordinatenmessmaschine, wie diese Zeiss WMM 850 S, muss nicht zum alten Eisen gehören 03 Im Zuge einer Generalüberholung lässt sich auch die Funktionalität eines Messgerätes erweitern gleich zur Einzelpunktantastung bei der Messung kann dadurch bis zu 60 Prozent Zeit eingespart werden. Um komplexe Bauteile schneller zu messen, empfiehlt Sombrey zudem den Einbau eines Drehtisches. Denn dieser bringt das Werkstück rascher in die richtige Position zum Messtaster. Selbst ein zusätzlicher optischer Sensor lässt sich bei bestimmten Koordinatenmessgeräten ergänzend einbauen. Das bietet sich etwa dann an, wenn Kunden ihre Produktpalette um Teile erweitern, die sich taktil nicht akkurat messen lassen, wie etwa elastische Dichtungsringe. Retrofit beschleunigt Programmierung Solch eine Rundumerneuerung ist normalerweise durchaus noch mit einem Investitionsvolumen von weniger als 50 Prozent im Vergleich zu einer Neuanschaffung umsetzbar, je nachdem, wie alt das Messgerät ist. In Ausnahmefällen lassen sich sogar Oldtimer, die älter als 25 Jahre sind, einer solchen Überarbeitung unterziehen. Der Anwender kann dadurch nicht nur die Einsatzzeit seiner Messmaschine verlängern. Er profitiert darüber hinaus beispielsweise von einer aktuellen Messsoftware und einem schnelleren Messkopf. Das hat für ihn unter anderem zur Folge, dass er Messprogramme deutlich schneller programmieren und Nachmessungen einzelner Merkmale rascher durchführen kann. Letzteres ist mit veralteten Maschine wie einer Zeiss UMC ohne Retrofit sehr umständlich: Sollen zum Beispiel an einem Werkstück lediglich zwei Messelemente erneut gemessen werden, muss trotzdem das gesamte Messprogramm mit insgesamt bis zu 100 Merkmalen nochmals ablaufen. Dagegen misst eine aktualisierte Maschine auf dem kürzesten Weg ausschließlich die beiden gefragten Messelemente, ohne dass sie dafür umprogrammiert werden muss. Im Handumdrehen modernisiert Die technischen Lösungsansätze, auf deren Grundlage jede Umrüstung erfolgt, entwickeln Karl Sombrey und sein vierköpfiges Hardware-Expertenteam in Zusammenarbeit mit fünf Software- Spezialisten. Die Lösungen sind weltweit einheitlich. Lediglich ein bis sechs Tage benötigt ein Servicetechniker in der Regel für die Umsetzung des Retrofits beim Anwender vor Ort: „Wir experimentieren nicht herum, sondern bieten ausschließlich Umrüstungen auf der Basis von Standardkomponenten an. Anderenfalls wäre dies weder für uns noch für den Kunden wirtschaftlich und würde auch nicht den gewünschten Erfolg bringen.“ Muss der Produktmanager eine Modernisierung ablehnen, obwohl sie normalerweise möglich wäre, fällt ihm das nicht leicht: So wollte ein Anwender eine Koordinatenmessmaschine wieder in Betrieb nehmen, die acht Jahre lang weder genutzt noch gepflegt wurde. Durch die Vernachlässigung hatte sich inzwischen Rost in einzelne genauigkeitsrelevante Komponenten gefressen. Sombrey: „In so einem Fall sagen zu müssen, ein Retrofit ist leider nicht möglich, tut einem in der Seele weh. Zum Glück ist das die Ausnahme.“ www.zeiss.de/industrial-metrology Im Fokus Nachhaltigkeit Effizienz Sicherheit Mit einem der umfangreichsten Einrichtungsprogramme für Betrieb, Lager und Werkstatt bietet LISTA immer die passende Lösung. Flexible Einrichtungslösungen Rationale Arbeitsabläufe Sichere Investition www.lista.com

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