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Der Betriebsleiter 10/2020

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Der Betriebsleiter 10/2020

GESCHLOSSENE

GESCHLOSSENE MATERIALKREISLÄUFE FÜR KUNSTSTOFFPRODUKTE oder Lagerung schützen (Division Kapsto), über Töpfe und Trays für die Gartenbranche (Division Teku), hochpräzise technische Kunststoffbauteile für Branchen wie die Automobilindustrie (Division K-Tech) bis hin zu Verpackungen und hochkomplexen Funktionsteilen für Kunden aus der Lebensmittel- und Pharmaindustrie sowie der Medizintechnik (Division Famac). Ein verantwortungsvoller Umgang mit Kunststoff bedeutet für die Gruppe, durch Produktentwicklungen den Verbrauch zu minimieren und fossile Ressourcen zu schonen. Dies geschieht vor allem durch den Einsatz von Rezyklaten, die als Mahlgüter, Granulate oder in anderen aufbereiteten Formen für die Wiederverwertung in der Kunststoffproduktion zur Verfügung stehen. Pöppelmann setzt bereits seit über 45 Jahren Rezyklate ein, in der Anfangszeit zunächst aus Abfällen der kunststoffverarbeitenden Industrie, beispielsweise Stanzgitter. Sie liegen häufig sortenrein und ohne Verunreinigung vor und sind daher gut wiederverwertbar. Dank eines Compounding-Werkes in Holdorf besitzt die Gruppe eigenes technologisches Know-how zur Herstellung von Rezyklaten. Rund 7 500 t können dort jährlich auf zwei Anlagen hergestellt werden. UMWELTTECHNIK Weg vom linearen Wirtschaftsmodell der Einmalnutzung hin zur Kreislaufwirtschaft – dieses Ziel verfolgt ein Kunststoffspezialist. Dafür müssen Rezyklate in ihren Materialeigenschaften genauso verlässlich definierbar sein wie Neuware. Kunststoff ermöglicht der Menschheit seit über 100 Jahren Fortschritte in Bereichen wie Medizin, Haushalt, Kommunikation oder Mobilität. Ohne diesen wertvollen Werkstoff lassen sich heutige Ansprüche an Lebensstandards, an Hygiene und moderne Technologie nicht halten. Um einen verantwortungsvollen Umgang mit dem wertvollen Material voranzutreiben, setzt die Pöppelmann Gruppe aus Lohne auf Circular Economy. Das Produktportfolio des Kunststoffspezialisten reicht von Schutzkappen und -stopfen, die Bauteile bei Fertigung, Transport Autorin: Julia Uptmoor, Leitung Marketingkommunikation, Pöppelmann GmbH & Co. KG, Lohne QUOTE STEIGERN Mit Pöppelmann blue geht die Unternehmensgruppe einen wichtigen Schritt weiter. Erklärtes Ziel ist die Steigerung der Wiederverwertungsquote von Kunststoff. Die Anfang 2018 ins Leben gerufene Initiative bündelt alle Aktivitäten der Gruppe, die einen geschlossenen Materialkreislauf zum Ziel haben. Der Kunststoffspezialist setzt dafür verstärkt auf Post-Consumer-Rezyklate (PCR). Der hierzu aufbereitete Abfall besteht aus Produkten, die über die Dualen Systeme gesammelt wurden, aber auch Produkte, die in Industrie und Handel genutzt worden sind, z. B. Folienabfälle. Wenn ein Produkt aus PCR hergestellt wird, in dem vergleichbare Produkte enthalten sind, ist der Materialkreislauf auf ein und derselben Wertschöpfungsebene geschlossen. Entwicklerteams in allen vier Divisionen arbeiten an Konzepten zur Realisierung. Ein erster großer Erfolg sind die Pflanztöpfe aus Post Consumer Rezyklat der Division Teku: Das hierfür verwendete Material wird ausschließlich aus Kunststoffabfällen hergestellt, die über Gelbe Tonne oder Sack gesammelt wurden. Der Pflanztopf in der Farbe Circular blue wird nach der Nutzung im Gelben Sack entsorgt, dessen Material anschließend aussortiert, wiederaufbereitet und neu verarbeitet. Im Gegensatz zu den gängigen schwarzen Pflanztöpfen, deren Kunststoffart in den Sortieranlagen der Dualen Systeme nicht erkannt und deshalb den nicht sortierbaren Verpackungsresten zugeordnet wird, lassen sich die Töpfe durch ihre Färbung als Polypropylen identifizieren und für die Wiederaufbereitung herausfiltern. Damit hat Pöppelmann Teku erstmals mit einem Serienprodukt den Materialkreislauf auf ein und derselben Wertschöpfungsstufe wieder geschlossen. Bis zum Stichtag im Juli 2020 wurde der Kreislauf durch über 500 Mio. recyclingfähige Pflanztöpfe aus PCR geschlossen. Die ressourcenschonenden Produkte der Division Teku tragen das Umweltzeichen Blauer Engel sowie das neue R AL-Gütezeichen der RAL-Gütegemeinschaft Rezyklate. Dieses garantiert die Herstellung des entsprechenden Produkts aus Rezyklaten, die direkt aus im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne entsorgten Verpackungen stammen. S4 SUPPLEMENT 2/2020

01 01 Geschlossener Materialkreislauf der Schutzkappen aus 100 % PCR im Kunststoffanteil, die nach Gebrauch wieder komplett recycelt werden können 02 Bis Juli 2020 wurden über 500 Mio. Pflanztöpfe recycelt 02 KOMPLETTE WIEDERVERWENDBARKEIT Auch in weiteren Geschäftsbereichen des Kunststoffspezialisten erzielte die Initiative Pöppelmann blue Erfolge: Die Division Kapsto bringt gängige Normreihen ihrer Schutzelemente als ressourcenschonende Alternative aus recyceltem Kunststoff auf den Markt. Die Produkte sind zu 100 % wiederverwertbar. Ein Artikel aus ressourcenschonendem PCR-PE wurde sogar mit dem Umweltzeichen Blauer Engel ausgezeichnet. Darüber hinaus erprobt Pöppelmann Kapsto in Pilotprojekten mit ausgewählten Kunden, darunter namhafte OEMs und deren Zulieferer, die Sammlung und Rückführung gebrauchter Schutzkappen und Schutzstopfen an Pöppelmann zur Wiederaufbereitung. Die Division Famac, die Verpackungen und technische Funktionsteile für die Lebensmittel-, Pharma- und Medizintechnikbranche herstellt, kann aufgrund gesetzlicher Vorgaben und Kundenanforderungen aktuell für nur wenige Produkte Sekundärrohstoffe verwenden. Dennoch hat Pöppelmann auch in dieser Sparte mit Universalverpackungen aus über 90 % PCR aus dem Dualen System für Non-Food-Produkte Erfolge erzielt. Diese lassen sich ebenfalls in der Abfallsortierung sicher identifizieren und komplett wiederverwerten. Für die ressourcenschonende Lösung erhielt Pöppelmann Famac den Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie Nachhaltigkeit sowie ebenfalls das RAL-Gütezeichen der RAL-Gütegemeinschaft Rezyklate. Für den Rezyklateinsatz in der Produktion von hochkomplexen technischen Kunststoffbauteilen der Division K-Tech gelten hohe technische Anforderungen der Kunden, z. B. aus der Automobilbranche. Doch selbst hier werden für Bauteile wie Abdeckungen oder Batterietechnik-Gehäuse mittlerweile Rezyklate eingesetzt. An einem geschlossenen Materialkreislauf der Produkte, die eine lange Verweildauer im Fahrzeug haben, wird von den Experten des Kunststoffspezialisten weiter gearbeitet und erste Pilotprodukte werden bereits bemustert. CHANCE FÜR DIE EUROPÄISCHE INDUSTRIE Insgesamt gilt bei Pöppelmann die Prämisse: Rezyklate, die für die Produkte der verschiedenen Divisionen eingesetzt werden, müssen in ihren Materialeigenschaften genauso verlässlich definierbar sein wie Neuware, damit das Produkt stimmt. So sind die Pflanztöpfe oder Non-Food-Verpackungen ausgezeichnet maschinengängig auf den Anlagen ihrer Anwender, die Schutzelemente verschließen Bauteile ebenso zuverlässig wie ihre „Geschwister“ aus Neuware. „Bei unseren Kunden kommt das gut an: Immer mehr suchen nach Kreislaufmodellen“, erzählt Benjamin Kampmann, Technologiescout bei Pöppelmann. Er sieht in der Hinwendung zur Circular Economy eine große Chance für die Branche: „Die Auseinandersetzung mit diesem Thema birgt großes Potenzial. Ganz besonders die europäische Kunststoffbranche kann hier eine weltweite Führungsrolle bei der Entwicklung neuer Materialien und Technologien übernehmen.“ Fotos: Pöppelmann www.poeppelmann.com SUPPLEMENT 2/2020 S5

Der Betriebsleiter 7-8

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