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Der Betriebsleiter 10/2019

Der Betriebsleiter 10/2019

INTRALOGISTIK

INTRALOGISTIK Informationen schneller austauschen Optimierung der Auftragsabwicklung durch Synchronisation der Inter- und Produktionslogistik Auf den Punkt gebracht Der nur begrenzt realisierte echt- zeitnahe Informationsaustausch zwischen produzierenden kleinen und mittelständigen Unternehmen (KMU) und Logistikunternehmen verursacht Wartezeiten sowie hohe Verschwendung von Ressourcen und Kapazitäten. Der Abstimmungs- bedarf zwischen dem produzieren- den Unternehmen und Logistik- dienstleistern lässt sich durch Bereitstellung aktueller Soll-/ Ist-Informationen optimieren, indem Logistikinformationen be- reits auf Shopfloor-Ebene integriert werden. Autor: Themo Voswinckel, M.Sc., Fachgruppe Produktionsplanung im Produktionsmanagement, FIR e.V. an der RWTH Aachen Durch eine verbesserte Datenintegration von Stamm- und Bewegungsdaten, prädiktiven Analysen und einem Echtzeitdatenaustausch können bisherige träge Kommunikationsstrukturen und Regeln innerhalb und zwischen Unternehmen abgelöst und durch flexible und automatisierte Lösungen ersetzt werden. Produzierende Unternehmen berücksichtigen bei der Kapazitäten- und Auftragsreihenfolgeplanung nur eingeschränkt exogene Einflussfaktoren wie die der Interlogistik. Insbesondere bei KMU werden durch den Logistikdienstleister (LDL) resultierende Einschränkungen bei Verfügbarkeiten, Kapazitäten oder Verzögerungen nahezu vollständig vernachlässigt. Eventuell notwendige Anpassungen in der Produktionsplanung oder -logistik zur Erreichung einer übergreifenden Effizienzsteigerung finden nicht statt und Ressourcen werden nicht optimal eingesetzt. Aufgrund der fehlenden Information zu Produktionsstatus und dem erwarteten Zeitpunkt der Fertigstellung von Waren müssen Logistikdienstleister Produktionsverzögerungen häufig tolerieren und erhalten erst beim Eintreffen Informationen über das Ausmaß. An der Laderampe, der physischen Schnittstelle zwischen Produktionsbetrieben und Transportunternehmen, führt die Asynchronität zwischen Logistikkapazitäten und der Produktionsplanung zu hohen Wartezeiten, Leerfahrten oder hohen Sicherheitsbeständen und damit zu monetären Verlusten. Laut Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung geben 69 Prozent der Transportunternehmen und 56 Prozent der Industrieunternehmen eine Wartezeit von mehr als einer Stunde bei industriellen Lagern bzw. bei der Warenübergabe an Laderampen an, wodurch das erhebliche Potenzial einer Optimierung dieser Schnittstelle verdeutlicht wird. Bei festen Lieferzeitfenstern, wie bspw. beim Schiffs- oder Bahnverkehr, sind die Konsequenzen durch die geringe Flexibilität besonders dramatisch. Hoher Abstimmungsbedarf In der volatilen Umgebung, in der sich kleine und mittlere Unternehmen bewegen, beispielsweise resultierend aus schwankenden Auftragslagen und Losgrößen sowie einer großen Produktvarianz, ist mit deutlichen Planabweichungen zu rechnen. Gleichzeitig treten auch bei Logistikdienstleistern durch Probleme mit den Fahrzeu- 46 Der Betriebsleiter 10/2019

NächsteMessen: 10.03.-12.03.2020 LogiMAT 20.04.-24.04.2020 HANNOVER MESSE Echtzeitnaher Informationsaustausch zwischen produzierendem Unternehmen und Logistikdienstleistern als Grundlage für den effizienten Ressourceneinsatz gen oder externe Einflüsse immer wieder unerwartete Verzögerungen auf. Daraus folgt die Notwendigkeit eines hohen Abstimmungsbedarfs zwischen dem Produktionsunternehmen und LDL, der häufig nur begrenzt unmittelbar durchgeführt werden kann. Die mangelhafte Ausschöpfung bzw. Berücksichtigung von Logistikkapazitäten in der Produktionsplanung sowie die derzeitige Inflexibilität der Logistik durch mangelnde Kommunikations- und Austauschmöglichkeiten bedeuten große Einschränkungen und ineffiziente Ad-hoc-Einsätze für KMU. Schwankende und variierende Produktionsinformationen, die z.B. die kurzfristige Anmietung zusätzlicher Logistikkapazitäten bedingen oder an anderer Stelle eine vorläufige Kosteneinsparung bedeuten könnten, werden zu spät kommuniziert. Informations- und Kommunikationstechnologien können dazu beitragen, die deutlich gesteigerte Daten- und Informationsverfügbarkeit während des Produktionsprozesses gezielt zu verwerten und dadurch einen signifikanten Mehrwert in der Produktion und Logistik zu schaffen. Beispiele hierfür sind proaktive Lieferavis, Verspätungsmeldungen oder das Übermitteln technischer Produktdaten aus dem tatsächlichen Produktionsprozess. In der Regel führen produzierende Unternehmen und deren funktionale Unternehmensbereiche die Planung (z.B. Kapazitäts- und Terminplanung) innerhalb der Lieferkette eigenständig durch. Insbesondere KMU verwenden nur beschränkt Informationssysteme in der Produktion. Hier sind vornehmlich Enterprise- Ressource-Planning-Systeme (ERP) vorhanden, die die Grobplanung der Auftragsabwicklung verantworten und auf Tagesbasis arbeiten. Die Feinplanung läuft hierbei meist individuell und personenabhängig bei nur seltener Verwendung von Manufacturing-Execution-Systemen (MES). Das Leitsystem der Logistikdienstleister – das Transportmanagementsystem (TMS) – verantwortet die Planung, Steuerung, Abrechnung und Optimierung von Transportnetzwerken. Die jeweiligen Funktionen erstrecken sich vom Auftragseingang über die Frachtkostenrechnung bis hin zur Transportabwicklung und -überwachung. Die auf Seiten der beiden Akteure eingesetzten Informationssysteme sind jedoch nicht oder nur selten miteinander im Austausch, was auf deren originären Einsatzzweck zurückzuführen ist. Benötigt werden Schnittstellen wie Electronic-Data-Interfaces (EDI) oder intermediäre Systeme, die die Kommunikation und den Informationsaustausch umsetzen sowie eine unmittelbare Integration der Informationen in die jeweiligen Informationssysteme umsetzen. Träge Kommunikationsstrukturen ablösen Durch eine verbesserte Datenintegration von Stamm- und Bewegungsdaten, prädiktiven Analysen und einem Echtzeitdatenaustausch können bisherige träge Kommunikationsstrukturen und Regeln innerhalb und zwischen Unternehmen abgelöst und durch flexible und automatisierte Lösungen ersetzt werden. Das Resultat ist eine bessere Ausschöpfung teurer, personengebundener Ressourcen. Abstimmungsbedarfe zwischen dem produzierenden Unternehmen und LDL werden mittels Bereitstellung aktueller Soll-/Ist-Informationen reduziert, indem Logistikinformationen bereits auf Shopfloor-Ebene integriert werden. Die kurzfristige Anpassung von Produktions- und Logistikplänen bietet das Potenzial zur effizienten Nutzung von Logistikressourcen. Durch die Reduktion von Leerfahrten und die bessere Ausnutzung von Kapazitäten können Kosten auf Seiten des Logistikdienstleisters sowie des produzierenden Unternehmens reduziert werden. Die Integration dieser Schnittstelle bietet insbesondere für KMU eine hohe Relevanz zur Erhöhung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. www.fir.de Das nach da? Läuft. Wir beraten Sie gerne. www.haro-gruppe.de

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