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Der Betriebsleiter 10/2017

Der Betriebsleiter 10/2017

FERTIGUNGSTECHNIK

FERTIGUNGSTECHNIK Gefährliche Energie sicher beherrschen Lockout-Tagout-Programm findet immer mehr Zuspruch Auf den Punkt gebracht Lockout Tagout ist die systemische Trennung von Maschinen sowie die Sicherung gegen Wiederanlauf. Zum LoTo-System gehören darüber hinaus die Entwicklung von Verfahren zur Energietrennung an Maschinen und Anlagen im Rahmen spezifischer Aufgabenstellungen sowie die Schulung von Maschinenbedienern. Elektrizität, Hydraulik, Pneumatik, Kinetik, Chemie, Thermik – Energie kann in jeder Form gefährlich sein, wenn sie unbeabsichtigt oder unkontrolliert freigesetzt wird. Um Maschinen jederzeit als sicher einstufen zu können, müssen sie nicht nur von allen Energiequellen getrennt sein; es muss auch sichergestellt werden, dass die Maschine durch gespeicherte Energie nicht unerwartet anläuft oder Maschinenteile sich nicht unerwartet bewegen. Dabei kommen immer häufiger Lockout-Tagout-Programme, wie sie in den USA vorgeschrieben sind, zum Einsatz. Autor: Niels Alpers, Customer Support Pilz GmbH & Co. KG, Ostfildern Eine wachsende Zahl an Unternehmen weltweit setzt das LoTo-Verfahren ein In den USA beschreibt die Occupational Safety and Health Administration (OSHA), wie mit gefährlichen Energien umzugehen ist. Dezidiert bestimmt die US-amerikanische Bundesrichtlinie 29 CFR 1910.147, dass Maschinen und sonstige Arbeitsausrüstung in speziellen Betriebsarten wie Reinigung, Wartung und Instandhaltung von der Energiezufuhr getrennt werden und so gesichert sind, dass ein unerwartetes Einschalten oder ein unerwarteter Anlauf von Maschinen und Ausrüstungen oder die Freisetzung gefährlicher Energie ausgeschlossen ist. Die Vorgaben werden dort unter dem Begriff LoTo (Lockout Tagout, also Wiedereinschaltsperre und Kennzeichnung) zusammengefasst. Physikalische Sperre plus Sicherheitsschloss LoTo besteht zum einen aus einer physikalischen Sperre. Das kann ein Hauptschalter sein oder eine Trenneinrichtung, mit der die Übertragung oder Freisetzung von Energie physikalisch verhindert wird, z. B. Trennschalter, Schieber, Ventile, Sperren und Blindflansche. Hinzu kommt ein „persönliches“ Sicherheitsschloss, das einer Person übergeben wird, damit diese einen Hauptschalter in der Stellung „AUS“ oder ein Ventil in einer festen, geschlossenen Stellung sperren kann. Abhängig von den Unternehmensregeln müssen z. B. alle Schlüssel für ein „persönliches“ Sicherheitsschloss von der Person aufbewahrt werden, an die das Sicherheitsschloss ausgegeben wurde oder an einer geeigneten Stelle gelagert werden. Ob es zusätzliche Schlüssel gibt und wer diese besitzt, muss im Unternehmen geregelt sein. Die Sperre stellt sicher, dass die Maschine nur dann betrieben werden kann, nachdem diese wieder ordnungsgemäß gelöst wurde. Des Weiteren wird verhindert, dass ein Bediener die Maschine willkürlich starten kann. Not-Halt-Taster gehören dabei nicht zu Trenneinrichtungen. Kennzeichnung der Trenneinrichtung LoTo umfasst daneben auch die entsprechende Kennzeichnung der Trenneinrichtung über ein Schild oder Anhänger am Schloss: Warum sind die Ausrüstungen gegen Wiedereinschalten gesichert bzw. entsprechend gekennzeichnet? Wer hat LoTo genehmigt? Wer hat LoTo durchgeführt? Wie lange dauert die Sperrung? Bei wem sind weitere Informationen erhältlich? Bei LoTo geht es jedoch nicht nur darum, ein Schloss und ein Hinweisschild anzubringen. Es ist ein umfassendes Programm, das weitreichend in das Unternehmen und den Umgang mit Maschinen eingreift. Das Ziel ist ein Prozess, mit dem unter normalen Betriebsbedingungen und unter anderen vorhersehbaren Bedingungen der sichere Umgang mit gefährlichen Energiequellen gewährleistet ist. Der erste Schritt ist eine Beurteilung der vorhandenen Maschinen und Energien. 28 Der Betriebsleiter 10/2017

FERTIGUNGSTECHNIK Konkret gehört dazu die Ermittlung und Beurteilung von Risiken und Gefährdungen, die Ermittlung von Quellen gefährlicher Energie, die Bestimmung der Trennpunkte und die Festlegung zusätzlicher erforderlicher Maßnahmen (wie z. B. Entlüftungen, etc.). Ebenfalls zu Beginn des LoTo-Prozesses ist festzulegen, welche Personen für Lo- To verantwortlich und welche Personen an LoTo beteiligt sind. Es ist zu klären, welche Erlaubnisse und Freigaben für die Arbeiten erforderlich sind. Danach gilt es, einen auf die individuellen Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnittenen LoTo-Prozess zu erstellen. In diesem werden die einzelnen Schritte, die Zuständigkeiten usw. beschrieben. In der Regel besteht eine LoTo-Prozedur aus den folgenden Schritten: 1. Beurteilung und Vorbereitung der an der Maschine durchzuführenden Aufgabe/ Arbeit. 2. Übergabe der Ausrüstung: Die Ausrüstung (Lock & Tag) kann zentral (Meister) oder auch dezentral (Instandhalter) verwaltet werden. 3. Energie trennen und Wiedereinschaltsperre plus Kennzeichung anbringen. 4. Prüfung von Punkt 3. 5. Durchführung der Aufgabe wie zum Beispiel Wartung. 6. Genehmigung zur Freigabe und Aufhebung der Trennung. 7. Aufhebung der Trennung durch Entfernen der Wiedereinschaltsperre sowie der Kennzeichnung. 8. Prüfung. 9. Rückgabe der Ausrüstung. Mitarbeiter-Schulung essenziell Für den Erfolg entscheidend ist es: Das Personal muss in diesem Verfahren geschult werden. Dies gilt für das gesamte Personal, unabhängig von der jeweiligen Rolle im Unternehmen, da alle Mitarbeiter verstehen müssen, wofür LoTo steht. Befugte Mitarbeiter benötigen ein intensives Training, beteiligte Mitarbeiter müssen über LoTo informiert sein und dürfen keine Wiedereinschaltversuche unternehmen. Weitere Mitarbeiter müssen die Bedeutung einer Absperrung kennen und auch Mitarbeiter von Fremdfirmen müssen bei den Schulungen berücksichtigt werden. Das Verfahren ist im gesamten Unternehmen zu implementieren. Das Feedback von allen Beteiligten zur Effektivität und Zweckmäßigkeit des (LoTo)-Prozesses sollte laufend ausgewertet werden. Das fließt dann in die kontinuierliche Prozessverbesserung ein. Hier wird es stets Veränderungen geben, da neue Maschinen hinzukommen und bestehende verändert werden. Komplettpaket für LoTo Bei der Umsetzung kann das Automatisierungsunternehmen unterstützen: Pilz bietet ein Komplettpaket für ein LoTo-System, das aus zwei Stufen besteht: Lockout-Tagout- Analyse und individuelle Lockout-Tagout- Verfahrensentwicklung. Sicherheitsexperten von Pilz unterstützen Unternehmen bei der Beurteilung von bestehenden LoTo-Programmen, damit gewährleistet ist, dass Mitarbeiter hinreichend geschützt sind. Bei der Dokumentation von Lockout- Tagout-Prozessen kann zudem das Software- Tool PASloto von Pilz unterstützen und so Maschinen sicher energiefrei geschaltet werden: Mit ihm können Tätigkeitsbeschreibungen für den Umgang mit gefährlichen Energiequellen einfach erstellt und dokumentiert 02 Mit PASloto bietet das Automatisierungsunternehmen Pilz eine Software zur Dokumentation von Lockout-Tagout- Prozessen an sowie LoTo-Berichte verfasst und die unternehmenseigenen LoTo-Regeln geprüft werden. PASloto erstellt das Plakat zur Dokumentation der gesamten LoTo-Prozedur einer Anlage und ermöglicht es, Fotos der Maschine und der Energiequellen zum Lockout-Tagout-Plakat hinzuzufügen. Zwar ist nach europäischem Recht ein Lockout-Tagout-Programm keine Pflicht, jedoch können die Vorgaben der BetrSichV durch ein LoTo-Verfahren erfüllt werden. Die wachsende Zahl an Unternehmen weltweit, die LoTo-Verfahren einsetzen, zeigt jedoch, dass die Industrie den zahlreichen Best-Practice-Beispielen folgt. www.pilz.de Im Fokus Sicherheit Effizienz Nachhaltigkeit Coo!ant Management Service rund um den Kühlschmierstoff – maßgeschneidert auf Ihren Produktionsprozess Oemeta Chemische Werke GmbH | Telefon: +49 (0) 4122-924-0 | products@oemeta.com www.oemeta.com

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