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Der Betriebsleiter 10/2015

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Das Material macht den

Das Material macht den Unterschied Professionelle Schutzanzüge richtig auswählen Ob ätzende Chemikalien, kontaminierte Partikel oder gefährliche Stäube – professionelle Schutzanzüge schützen die Haut sicher vor gesundheitsgefährdenden Substanzen. Deshalb sind sie in vielen Industriebetrieben zwingend erforderlich. Aber welcher Schutzanzug ist der richtige? Viele Sicherheitsingenieure stehen bei der Auswahl von geeigneter Schutzbekleidung vor einer großen Herausforderung. Denn die Schutztypenkennzeichnung allein reicht für die richtige Wahl nicht aus. Das Angebot an Schutzanzügen ist groß. Für die meisten Sicherheitsbeauftragten ist daher die Wahl des richtigen Anzuges eine sehr zeitintensive und aufwändige Aufgabe. Um eine sichere Entscheidung treffen zu können, ist es zunächst wichtig, sich die folgenden Fragen zu stellen: Welche Anforderungen habe ich an die Schutzkleidung und was sind die häufigsten Anwendungsgebiete für Schutzanzüge in meinem Betrieb? Brauche ich Anzüge für nicht-gesundheitsgefährdende Substanzen oder werden die Angestellten mit gesundheitsgefährdenden Partikeln oder Flüssigkeiten konfrontiert? Aus den Antworten lässt sich die erforderliche Kategorie ableiten. So sind bei nicht-gesundheitsgefährdenden Substanzen Schutzanzüge aus der Kategorie I erforderlich und bei gesundheitsgefährdenden Substanzen Schutzanzüge aus der Kategorie III. Insgesamt sechs Schutztypen hat die Europäische Union festgelegt: 1. gasdicht, 2. nicht gasdicht, 3. flüssigkeitsdicht, 4. sprühdicht, 5. partikeldicht und 6. bedingt sprühdicht. Für jeden dieser Typen gibt es gesetzliche Mindestanforderungen. In der Praxis ist jedoch vor allem auch wichtig, die auf dem Markt eingesetzten Materialien und deren Tragetestergebnisse zu berücksichtigen. Auf die Faser kommt es an In modernen Schutzanzügen steckt jede Menge Forschung und Entwicklung. Führende Hersteller von Schutzanzügen verwenden eine Viewlzahl innovativer Fasern und Beschichtungen, um die jeweiligen Schutzkriterien durch intelligenten Materialaufbau zu erfüllen. Zu diesen Materialien gehören: n Polypropylen: Schutzanzüge aus diesem hautverträglichen Kunststoff eignen sich vor allem für leichte Reinigungsarbeiten und allgemeine Tätigkeiten in Umgebungen ohne Gefahrenstoffe. Sie bieten zuverlässigen Schutz vor Partikeln, die nicht gefährlich für die Gesundheit sind. Wohin geht der Trend bei Schutzanzügen? n Polyethylenlaminat (PE Laminat): Dieser Kunststoff zeichnet sich besonders durch seine wasserabweisende Eigenschaft aus. Er ist außerdem fuselärmer als andere Materialien und besonders reißfest. Schutzanzüge aus PE-Laminat schützen zuverlässig vor Flüssigkeiten, haben aber in der Regel eine geringe Wasserdampfdurchlässigkeit. Deshalb wird das Material oft in zwei Untergruppen eingeteilt: n Mikroporöses PE Laminat: Dieser Kunststoff hat eine mikroporöse Beschichtung, die leicht atmungsaktiv ist. Durch diese- Beschichtung bietet er zuverlässigen Schutz vor gesundheitsgefährdenden Partikeln sowie geringen Mengen an Flüssigkeitsspritzern. n Nicht-mikroporöses PE Laminat: Diese Variante ist nicht atmungsaktiv und schützt gegen gesundheitsgefährdende Partikel und bestimmte Flüssigkeitsspritzern sowie Sprühnebel. n Spunbond-Meltblown-Spunbond (SMS): Das wasserdampfdurchlässige Material aus Spinnflies-Polypropylenfasern und Melt- Christian Kurtz, Anwendungstechniker bei 3M, ist Experte für Schutzbekleidung und kennt die neuesten Entwicklungen am Markt: „Bei der Entwicklung von PSA hat sich in den letzten Jahren viel getan. Moderne Schutzanzüge setzen heute neue Maßstäbe. Material, Passform, Größe, Nähte sowie Design: Alles ist auf die individuellen Anforderungsprofile der Anwender zugeschnitten. Dabei geht der Trend zu immer leichteren, atmungsaktiven Anzügen, zu leiseren Materialien (ohne Knistern und Rascheln) und zu einer immer besseren Verarbeitungsqualität wie beispielsweise gestrickten Bündchen. Viele Hersteller bieten heute auch schon auch eine breite Auswahl an Größen von S bis 4XL sowie die Variation von Farben. Früher hat die Farbe Weiß bei Schutzanzügen dominiert. Heute können Anzüge auch blau, rot oder orange sein. Das hat große Vorteile, beispielsweise für die Pharmabranche, denn so können Produktbereiche farbig unterschieden werden und Kontaminationsverschleppungen vermieden werden.“ 46 Der Betriebsleiter 10/2015

lown-Polypropylen bietet Schutz vor gesundheitsgefährdenden Partikeln und geringen Mengen an Flüssigkeitsspritzern. Schutzanzüge aus diesem Material haben einen textilen Charakter, eine mechanische Festigkeit und sind zudem atmungsaktiv. Teilweise wird dieses Material auch aus mehreren Schichten zusammengesetzt (SMMS oder SMMMS). n Polyethylen-Vliesstoffe mit hoher Dichte: Dieses Material bietet nur bedingten Schutz vor flüssigen und festen Chemikalien, Staub und Fasern. Die Vielzahl unterschiedlicher Flüssigkeiten macht die Auswahl des richtigen Schutzanzugs besonders schwierig. Wichtige Anhaltspunkte für die Wahl des geeigneten Materials geben die Daten über die Penetration und Abweisung (EN ISO 6530) beziehungsweise die Permeation (EN ISO 6530) bezüglich getesteter Prüfchemikalien. Penetration ist ein physikalischer Vorgang, bei dem die Substanz durch Öffnungen oder Poren hindurch dringt. Permeation bedeutet, dass sich der Stoff auf molekularer Ebene durch das Anzugmaterial bewegt. Grundsätzlich gilt: Für Anzüge des Schutztyps 5/6 wird nur die Penetration und Abweisung, im sogenannten Dachrinnentest, gemessen. Dagegen wird bei höheren Schutztypen (ab Typ 4) auch die Permeation in Bezug auf bestimmte Prüfsubstanzen ermittelt. Wichtige Faktoren: Tragekomfort und Kompatibilität Aber nicht nur das Material ist wichtig. Auch der Tragekomfort muss stimmen. Denn nur, wenn ein Anzug bequem und mit der weiteren Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) kompatibel ist, erzielt man eine hohe Akzeptanz des Schutzes bei den Mitarbeitern und somit eine gute Tragequote. Entscheidend ist hier die richtige Wahl von optionalen Eigenschaften. Denn diese steigern den Tragekomfort. So sorgen zum Beispiel gestrickte Bündchen, eine dreiteilige Kapuze, ein Zwei-Wege-Reißverschluss und abgeklebte Patte für ein angenehmes Tragegefühl. Auch die clevere Kombination von Materialien kann den Tragekomfort verbessern – vor allem bei einer längeren Einsatzzeit. Ein Beispiel: Schutzanzüge zum Farbspritzen in der Automobilindustrie sind besonders komfortabel, wenn sie vorne aus mikroporösem PE Laminat bestehen, das einen sicheren Schutz vor gesundheitsgefährdenden Stäuben und leichten Flüssigkeitsspritzern bietet, und hinten aus SMS-Material gefertigt sind, was wiederum Atmungsaktivität garantiert. Weitere Faktoren können spezielle Beschichtungen sein oder auch die Schnitttechnik des Anzugs, die für die Bewegungsfreiheit eine wichtige Rolle spielt. Selbstverständlich muss der Anzug auch mit der weiteren PSA, wie beispielsweise Augen-, Gehör- oder Atemschutz, kompatibel sein. www.3M.de Im Fokus Sicherheit Effizienz Nachhaltigkeit ARBEITSSTÜHLE VON WERKSITZ EINE INVESTITION IN DIE GESUNDHEIT IHRER MITARBEITER Wir stellen aus! „A+A“ in Düsseldorf 27.–30. Oktober 2015 Halle 10 / Stand A 23 Probieren Sie unseren Web-Konfigurator: www.werksitz.de/konfigurator Jetzt gratis testen! WERKSITZ GmbH W. Milewski Telefunkenstr. 9 | D-97475 Zeil am Main | info@werksitz.de Tel. +49 9524 8345-0 | Fax +49 9524 8345-19 Werksitz.indd 1 23.09.2015 12:09:59 Der Betriebsleiter 10/2015 47

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