Aufrufe
vor 3 Wochen

Der Betriebsleiter 1-2/2020

  • Text
  • Zudem
  • Zeit
  • Anwender
  • Einsatz
  • Ergonomie
  • Schnell
  • Maschine
  • Unternehmen
  • Mitarbeiter
  • Betriebsleiter
Der Betriebsleiter 1-2/2020

INTRALOGISTIK

INTRALOGISTIK Energieführung trotzt Salzsäure Chemikalienbeständige Energieversorgung für Krane in einer Feuerverzinkerei 02 01 03 In der Vorbehandlungslinie einer Feuerverzinkerei herrschen schwierige Bedingungen: Die Werkstücke müssen vor dem eigentlichen Verzinkungsprozess unter anderem in verdünnter Salzsäure gereinigt werden. Dadurch liegt der Chlorwasserstoff-Anteil in der Luft bei ca. zwei Prozent. Dies bedeutet vor allem für die Hallenkrane und die dazugehörigen Komponenten eine außergewöhnliche Säurebelastung. Hier sind resistente Lösungen gefragt. Die Wiegel-Gruppe ist mit ca. 1 600 Mitarbeitern an 39 Standorten in Deutschland, Österreich, Tschechien und der Slowakei einer der größten Feuerverzinker in Europa. Beim Thema Krantechnik arbeitet Wiegel mit der Meissner Krane GmbH zusammen, einem Unternehmen, das auf die Ausrüstung von galvanischen Betrieben und Feuerverzinkereien mit Krananlagen und Hebezeugtechnik spezialisiert ist. 2015 hat Meissner Krane den ersten Prozesskran in der Vorbehandlungslinie einer Feuerverzinkerei der Firmengruppe Wiegel mit einem für die Umgebungsbedingungen passenden Energiekettensystem der Firma igus ausgestattet. In der Vergangenheit kam für die Energiezuführung der Prozesskrane an sämtlichen Standorten von Wiegel ein sogenanntes Festoon-System zum Einsatz. Leitungen und Schläuche werden hier wie bei einer Girlande aufgehängt und mit kleinen Rollwagen bewegt. Nachteilig an dieser Technologie ist jedoch, dass am Ende des Verfahrweges ein Kabelbahnhof einiges an Platz in Anspruch nimmt und so außerdem der Raum der Vorbehandlungslinie nicht komplett abgeschottet werden kann. Auch fallen die Rollen der Leitungswagen mitunter nach einiger Zeit aus, da die C-Profile, in denen sie geführt werden, aufgrund der Säurebelastung korrodieren und scharfkantig werden. Dadurch nutzen sich die Rollen schnell daran ab. Peter Zorn, Projektleiter Abteilung Technik bei der Wiegel Verwaltung GmbH & Co KG, erklärt die damalige Entwicklung: „Sehr wichtig waren zwei Dinge für uns: Eine dichte Lösung für den Raum der Materialvorbereitung, was zuvor bei einem Festoon-System nicht gegeben war, sowie eine hohe Verschleißfestigkeit. Von der Firma Meissner Krane kam daraufhin damals die Frage ‚Wollen wir nicht mal was ausprobieren?‘ Und unsere Antwort lautete: ‚Ja, gerne!‘ Denn was mich letztendlich von den igus Energiekettensystemen überzeugt hat, waren die Bilder aus Kompostieranlagen oder Zementwerken, wo durch die Verschmutzung kaum noch die Kette zu erkennen war und das System immer noch lief.“ 2015 wurde die erste Energiekette von igus im Wiegel-Werk Lauchhammer eingesetzt. „Erst Ende 2014 haben wir das Produkt der Firma Meissner Krane vorgestellt“, erinnert sich Christian Richter, zuständiger technischer Verkaufsberater von igus im Außendienst. „Meissner war sofort bereit, diese Neuheit zu testen.“ Ein Jahr später folgte am Standort in Feuchtwangen der nächste Einsatz, wo igus sowohl eine Energiekette der Serie E4/4 als auch die neue Kunststoffrinne aus dem chemikalienresistenten Werkstoff igumid EG+ lieferte. Dieser sorgt für eine hohe Chemikalienbeständigkeit, sodass sich der Einsatz der Füh- 28 Der Betriebsleiter 1-2/2020

INTRALOGISTIK 01 In den Vorbehandlungslinien von Feuerverzinkereien der Firmengruppe Wiegel versorgen Energiekettensysteme von igus die Prozesskrane mit Energie und Daten 02 Gemeinsam mit Wiegel begann Meissner Krane vor einigen Jahren, die Energiezuführung der Krane zu modernisieren und Energiekettensysteme von igus einzusetzen 03 Die Ketten verfahren in Kunststoffrinnen aus dem chemikalienbeständigen Werkstoff igumid EG+, wodurch das System problemlos mit den Bedingungen zurechtkommt rungsrinne ideal in der Feuerverzinkung oder auch beispielsweise der Düngemittelherstellung anbietet. Erhöhte Resistenz gegen aggressive Chemikalien Der Werkstoff igumid EG+ ist gekennzeichnet durch eine sehr geringe Wasseraufnahme. Dies ermöglicht die erhöhte Resistenz gegen aggressive Chemikalien. Das Material ist mit seinen deutlich optimierten Gleiteigenschaften für die Führungsrinne und auch für die meisten e-ketten-Serien in einem Temperaturbereich von 0 bis + 100 °C einsetzbar. Da sowohl die e-kette als auch die Rinne im Komplettsystem aus dem chemikalienbeständigen Material bestehen, sind sie sehr gute Gleitpartner. Das komplette System, bestehend aus Kette und Rinne mit dem Namen guidelite plus EG, kommt inzwischen in vier Werken von Wiegel zum Einsatz. „Zurzeit modernisieren wir ca. zwei Wiegel-Werke pro Jahr und setzen dabei Energiekettensysteme von igus ein“, erklärt Ronny Horn, Projektleiter der Meissner Krane GmbH. „Ein weiterer großer Vorteil der Energiekette ist, dass wir mehr Möglichkeiten haben, die Leitungen und Schläuche – auch mit größeren Querschnitten – sicher führen zu können. Oder auch, sie nachträglich hinzufügen und verändern zu können.“ Bei der ersten Ausrüstung stand den Monteuren von Meissner Krane zusätzlich zur Montageanleitung ein Mitarbeiter von igus zur Seite. Seitdem erledigen in der Regel drei Monteure von Meissner Krane die Installation des Energiekettensystems alleine. Dabei hilft das überarbeitete Verschluss-Prinzip der Führungsrinne. Die Seitenteile werden durch Einclipsen und Einrasten per Hand und ohne Werkzeug verbunden. Der eigens für das System konstruierte Klemmmechanismus hält sie sicher und belastbar zusammen. „Die Kette wird von igus komplett mit Leitungen konfektioniert, aufgetrommelt und ausgeliefert“, erläutert Ronny Horn von Meissner Krane. In der Kette werden chainflex Leitungen von igus geführt, die speziell für die Bewegung in der Energiekette konstruiert wurden. Aufgrund des Salzsäuregehaltes kommen hier ausschließlich Leitungen mit PVC-Außenmantel zum Einsatz. Geforderte Standzeit: 10 Jahre Die ersten Systeme laufen bei Wiegel nun seit einigen Jahren. Die verhältnismäßig moderate Krangeschwindigkeit von 40 m/min stellt für das Energiekettensystem von igus keine große Herausforderung dar. Das Unternehmen realisierte bereits erfolgreich Anwendungen mit Geschwindigkeiten von ca. 10 m/s. Viel entscheidender ist hier die Haltbarkeit in der aggressiven Umgebung. Peter Zorn von Wiegel: „Wir mussten natürlich ein Stück weit mutig sein und uns auf die neue Lösung von igus verlassen. Zuvor haben wir die Kette aus dem chemikalienbeständigen Werkstoff lediglich ca. sechs bis acht Wochen am Kran mitlaufen lassen, um zu prüfen, ob der Werkstoff mit der Umgebung zurechtkommt. Jetzt erwarten wir eine Lebensdauer von mindestens zehn Jahren, damit sich die höheren Anschaffungskosten im Vergleich zu einem Festoon-System rechnen.“ Bisher zeigt sich, dass die Energieketten von igus bei Wiegel gut und zuverlässig verfahren. „Die seit 2015 vorliegenden Erfahrungen zeigen auf, dass der Einsatz einer säurebeständigen Energiekette im Bereich der Vorbehandlungslinie für die Energieund Signalübertragung die richtige Entscheidung war“, erklärt Ronny Horn von Meissner Krane abschließend. „In allen Werken laufen die Systeme seit der Inbe- Auf den Punkt gebracht Seit einigen Jahren bewähren sich für die Energiezuführung der Prozesskrane bei der Feuerverzinkerei Wiegel Kunststoff-Energiekettensysteme des motion plastics Spezialisten igus. Diese verfahren in Kunststoffrinnen aus einem chemikalienbeständigen Werkstoff, wodurch das System ohne Probleme mit den aggressiven Umgebungsbedingungen zurechtkommt. triebnahme störungsfrei.“ Und Peter Zorn von Wiegel ergänzt: „Die Kunststoffrinne war uns sehr wichtig. Weder Edelstahl in V2A noch V4A hätten bei diesen Umgebungsbedingungen standgehalten. Ebenso wichtig war uns, dass sich die Wand zur Vorbehandlungslinie nun komplett schließen lässt und wir außerdem mit dem neuen System viel weniger Wartung haben.“ Diese Anforderungen haben sich bisher vollständig erfüllt. So werden auch in den nächsten Wiegel-Werken, die Meissner Krane umrüsten wird, Energiekettensysteme von igus dabei sein. Bilder: igus www.igus.de 04 Die Beteiligten (v.r.n.l.): Matthias Götz, techn. Leiter Abt. Technik, Wiegel, Denis Meissner, Geschäftsführer, Ronny Horn, Projektleiter, beide Meissner Krane, Peter Zorn, Projektleiter Abt. Technik, Wiegel, Romain Studemund, International Sales & Marketing, igus Der Betriebsleiter 1-2/2020 29

Ausgabe

© 2018 by Vereinigte Fachverlage GmbH. Alle Rechte vorbehalten.