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Der Betriebsleiter 1-2/2017

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INTRALOGISTIK

INTRALOGISTIK Zukunftsfähige Intralogistiklösungen Intelligente Vernetzung der Prozesse und Warenströme in Lager und Produktion 01 Viastore kann auf zahlreiche Projekte in aller Welt zurückblicken – vom kleinen, manuell bedienten Lager bis zum Distributionszentrum mit mehreren Tausend Orderlines am Tag von Liefertermintreue und Umschlag, automatisierte Auftragskonsolidierung, Reduzierung von Fehllieferungen und deutliche Produktionssteigerungen in den Montageabteilungen – gesteuert von einer durchgängigen Software. Kunden sollten europaweit innerhalb von 48 Stunden mit Standardprodukten versorgt werden können. Schneller vom Auftragseingang zum Versand Innovative und zukunftsfähige Lösungen sind in der Intralogistik gefragt, um die steigenden Anforderungen durch die globalen Megatrends zu erfüllen. Als führender Intralogistik-Anbieter mit fast 50 Jahren Erfahrung ist Viastore Systems Experte darin, solche Lösungen zu finden, zu entwickeln und zu verwirklichen. Das Unternehmen kann auf zahlreiche Projekte verweisen. Dass die intelligente Vernetzung der Prozesse und Warenströme in Lager und Produktion für erhebliche Wettbewerbsvorteile sorgt, zeigt das Beispiel der Gebrüder Müller Apparatebau GmbH & Co. KG (Gemü). Der renommierte Hersteller von Ventil-, Mess- und Regeltechnik entschied sich für den Bau eines neuen Produktionsund Logistikzentrums (PLZ) im hohenlohischen Kupferzell, um die Logistikprozesse in der Produktion schlanker und effizienter zu machen. Mit dem neuen PLZ wollte Gemü nicht nur seine Kunden schneller beliefern und die interne Produktionsversorgung verbessern, sondern auch die dezentralen Lager der ausländischen Gesellschaften auf den Standort Kupferzell konzentrieren und die Chance auf eine optimale Prozess-Automatisierung nutzen. Entsprechend hohe Ansprüche hatte das Unternehmen bei der Planung: Erhöhung Intralogistiklösungen für Industrie 4.0 Viastore realisierte dafür eine Gesamtanlage, bestehend aus einem automatischen Palettenlager (APL) und einem automatischen Kleinteilelager (AKL) als Behälterlager. Das eingassige APL ermöglicht die doppelt tiefe Lagerung von Europaletten mit einem Maximalgewicht von 1200 Kilogramm und wird von einem automatischen Regalbediengerät vom Typ Viapal versorgt. Das zweigassige AKL ist als Einbauregal zur zweifach tiefen Lagerung von Kunststoffbehältern mit einem Maximalgewicht von jeweils 50 Kilogramm ausgelegt und wird von zwei Regalbediengeräten des Typs Viaspeed XL bedient. Es ist über einen Behälterloop an die Kommissionier- und Versandhalle angebunden. Hier wird ein zentral angeordnetes System mit Hubbalken-RBG, der sog. Versand- Commissioner, genutzt, um fertig kommis- „Vernetzung, Automatisierung und Prozesseffizienz bis zur Losgröße 1 waren schon immer Aufgabe der Intralogistik“, schildert Viastore-COO Detlef Ganz. „Jetzt haben wir dieses Thema nochmals intensiviert, um weitere innovative Lösungen für unsere Industrie-Kunden zu entwickeln, bei denen zum Beispiel Logistik und Fertigung immer mehr integriert sind. Unter anderem planen wir die Kunden-Anlagen mit Virtual-Reality-Tools, damit die Anlagen so realitätsnah wie möglich sind und Kundenanforderungen sofort einfließen können. Zudem nehmen unsere Experten die komplexen automatisierten Logistikzentren virtuell in Betrieb, um die Sicherheit zu erhöhen, Risiken und vor allem Inbetriebnahmezeiten zu minimieren. Außerdem haben wir Tools entwickelt, die Logistik-Anlagen intensiv überwachen, um Störungen zu beheben, bevor diese entstehen.“ 28 Der Betriebsleiter 1-2/2017

INTRALOGISTIK dern auch das Distributionszentrum in den USA. Um diesen Dreh- und Angelpunkt der Logistik an die steigenden Anforderungen des immer komplexeren Materialflusses anzupassen, entschied sich Kaeser dazu, den Standort mithilfe von Viastore auf das moderne SAP EWM mit HANA umzustellen. In das System eingebunden sind u. a. ein Hochregallager, 19 Lagerlifte, ein Kleinteilelager, das fahrerlose Transportsystem, die Fördertechnik, 6 Kleinteilpackplätze, 11 Palettenpackplätze sowie ein Pufferlager zur schnelleren Beladung der täglich bis zu 100 Lkw. Ein großer Vorteil von SAP EWM ist, dass die Steuerung dieser unterlagerten Systeme direkt an die Lagerverwaltung und das Materialfluss-System angebunden werden kann. EWM ist vom Materialflussrechner her darauf ausgelegt, direkt an die Technik anzukoppeln. Zudem ermöglicht die 02 Das Produktions- und Logistikzentrum von Gemü: Die Liefertermintreue hat sich dank viastore deutlich erhöht, und die Fehlerquote zeigt eine klare Tendenz nach unten Die intelligente Vernetzung der Prozesse und Warenströme in Lager und Produktion sorgt für erhebliche Wettbewerbsvorteile sionierte Aufträge für den Versand zwischenzulagern. Durch diese Konsolidierung wird verhindert, dass zu viele Einzelsendungen verschickt werden. Auch in der Montagehalle steht ein solches Puffer-System – der Produktions-Commissioner. Dort werden die kommissionierten Aufträge zur Montageversorgung zwischengespeichert. Der Produktions-Commissioner ist ebenfalls komplett in die Behälterfördertechnik integriert. Das Warehouse-Management-System Viadat verwaltet und steuert den gesamten Materialfluss – vom Wareneingang der Komponenten über Lagerung, Auslagerung und Versorgung der Produktion bis zur Kommissionierung und zum Versand. Viadat regelt auch die Pufferung der Montageversorgung, die Konsolidierung der Aufträge sowie den Druck von Lieferscheinen und Adressetiketten. Die notwendigen Daten holt sich die Software vom ERP-System, an das sie über eine Standardschnittstelle angebunden ist. Duchlaufzeiten deutlich reduziert Die Auslagerung der Montageaufträge aus dem Produktions-Commissioner erfolgt über zehn parallel angeordnete Gefällerollenbahnen. Ein Milkrun-System übernimmt die Behälter von der Fördertechnik. Die Montageplätze werden nach dem Kanban- Prinzip versorgt. Dieses System wird ebenfalls von Viadat gemanagt. Durch die Logistik-Lösung von Viastore wurden die Durchlaufzeiten deutlich reduziert: Standardprodukte erreichen jeden Standort in Europa innerhalb von 48 Stunden – ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Die Liefertermintreue hat sich deutlich erhöht, und die Fehlerquote zeigt eine klare Tendenz nach unten. Software erhöht Leistungsfähigkeit der Supply Chain Auch in der Anbindung und im Management von Technologien und Prozessen in den Standard-Softwarelösungen von SAP verfügt Viastore über umfangreiches Knowhow. Welche enormen Auswirkungen der Einsatz intelligenter Software auf die Leistungsfähigkeit der Supply Chain hat, zeigt das Beispiel Kaeser Kompressoren: Der weltweit führende Kompressorenhersteller und Druckluftsystemanbieter beliefert von seinem Distributionszentrum in Coburg aus nicht nur Händler und Kunden in ganz Europa mit Produkten und Ersatzteilen, son- Architektur des neuen Systems eine deutlich schnellere Kommunikation. Mit der Software SAP PCo (Plant Connectivity) wurde eine integrierte Standardplattform geschaffen, die die Hardware-Steuerungen in das EWM-System integriert. Früher wurden die Lagerlifte zum Beispiel über ein SAP-Add-on von Viastore gesteuert, heute ist das komplett in SAP EWM integriert. Dennoch waren noch einige individuelle Anpassungen notwendig: Ein wesentlicher Fokus von Viastore lag auf der Programmierung der User-Interfaces, also der Bildschirm-Dialoge für die Mitarbeiter an den Kommissionier- oder Packstationen. Prozesssicherheit war dabei ein wesentliches Kriterium. Der User hat nur die Eingabeund Kommunikationsmöglichkeiten, die er tatsächlich braucht. Das reduziert die Möglichkeiten, Fehler zu machen, erheblich. Viastore stellte zudem die gesamte Unternehmenssoftware von Kaeser auf SAP HA- NA um – erst das Customer Relationship Management, dann das SAP BI, danach die Absatz-, Distributions- und Produktionsplanung in SAP APO und schließlich das Warehouse-Management. Die größte Herausforderung beim Update des Warehouse- Management-Systems war, dass alle Arbeiten im laufenden Betrieb erfolgen mussten. Die Anlage läuft in Auftragsspitzenzeiten von 5 bis 24 Uhr. Das reduzierte die Zeiten zum Testen der Software enorm. Die Aufgabe von viastore lag bei der Umstellung auf HANA unter anderem darin, das Update von SAP EWM 7.1 auf 9.1 durchzuführen und anschließend die Kompatibilität zu kontrollieren. Gleichzeitig wurden neue Features zur Optimierung der Anlage beim Update implementiert. 03 Das Distributionszentrum von Kaeser Kompressoren: Nach der Umstellung auf SAP EWM und HANA ist die Zahl der Picks pro Tag um 40 Prozent gestiegen Prozesse beschleunigt Durch die Anbindung der unterlagerten Steuerungen muss das System viele Telegramme verarbeiten – perfekt für HANA. Dadurch verkürzen sich die Reaktionszeiten des Systems, die Prozesse im Distributionslager sind im Vergleich zur alten Lösung mit SAP LES heute deutlich schneller: Angelieferte Waren werden 20 Prozent schneller bearbeitet, 40 Prozent mehr Picks können gezählt werden, der Packvorgang ist um 50 Prozent schneller, Lageraktivitäten und Auswertungen erfolgen 20 Mal so schnell. Der Ausstoß des Distributionszentrums ist heute viel höher, das Unternehmen kann in jedem Bereich schneller arbeiten. Kaeser und viastore waren dabei Vorreiter: Es war eines der ersten SAP-Projekte dieser Art weltweit. www.viastore.com Im Fokus Effizienz Sicherheit Nachhaltigkeit Der Betriebsleiter 1-2/2017 29

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