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Der Betriebsleiter 1-2/2015

Der Betriebsleiter 1-2/2015

Ein Werkzeugbauer

Ein Werkzeugbauer ergänzt sein Kerngeschäft durch ein genau abgestimmtes Portfolio an Produkten und Fertigungsdienstleistungen. So verbreitert sich die Kundenbasis und die Maschinen sind optimal ausgelastet. Damit alles effizient und reibungslos funktioniert, deckt der schwäbische Mittelständler die Prozesskette zwischen CAD und CNC-Maschinen komplett mit einer CAD/CAM-Software ab. Im Werkzeugbau und darüber hinaus Mit der richtigen CAD/CAM-Strategie auf Erfolgskurs Mit der Strategie, uns auf unsere Kernkompetenzen zu konzentrieren und trotzdem so breit aufzustellen, dass unterschiedliche Kundengruppen bedient werden können, sind wir bisher sehr gut gefahren, vor allem auch in der Krise vor vier Jahren“, sagt Bernd Matzka, Inhaber von LSM Matzka im schwäbischen Deißlingen. Das von ihm im Jahr 2000 gegründete Unternehmen erzielt heute etwa 60 Prozent seines Umsatzes mit Komplettwerkzeugen mittlerer bis hoher Komplexität mit bis zu einer Tonne Gewicht, vorwiegend für die Kunststoffverarbeitung. Ein wichtiges Standbein sind zudem Fertigungsdienstleistungen, die rund ein Viertel zum Umsatz beitragen. „Weitere 15 Prozent erwirtschaften wir mit unserem Lieferprogramm an selbst entwickelten Elektrodenhaltern für Grafit- und Kupferelektroden sowie mit Elektroden-Rohlingen.“ Präzision gepaart mit Wirtschaftlichkeit Alle diese Aktivitäten stehen unter dem Motto „Präzision und Wirtschaftlichkeit“, das auch im Claim des Firmenlogos zu lesen ist. „Wir bieten hohe Qualität und Termintreue, viel Know-how – und das Ganze zu vernünftigen Preisen. Das bedeutet für unsere Kunden einen großen Mehrwert, außerdem spricht es sich herum“, erklärt Bernd Matzka das Konzept. Um dies optimal umzusetzen, sind alle Abläufe auf Effizienz getrimmt – und es wird immer wieder kräftig investiert: in neue Maschinen und Betriebsausrüstung ebenso wie in Aktualisierung und Ausbau der IT-Lösungen. Und natürlich in die Mitarbeiter, deren Zahl auf aktuell 16 Vollzeitkräfte angewachsen ist. Damit die Kapazitäten möglichst optimal genutzt werden, zählt in Deißlingen eine gut funktionierende Auftragsplanung und Fertigungssteuerung mithilfe einer ausgefeilten ERP-Lösung (Segoni) ebenso zum Handwerkszeug wie eine komplett durchgängige CAD- und CAM-Struktur, die sich heute von der Konstruktion über die NC-Programmierung bis hin zu den Fräsund Erodiermaschinen erstreckt. Diese Aufgabe wird bei LSM Matzka von der Software VISI übernommen, einer Produktfamilie des britischen Herstellers Vero Software, die mit ihren diversen Modulen speziell auf die Anforderungen des Werkzeug- und Formenbaus zugeschnitten ist. „VISI ist bei uns fast von Anfang an dabei, seit 2001, als unsere erste CNC-Fräsmaschine, eine Hermle U630 T, in Betrieb genommen wurde. Wir hatten uns für die Programmierung der Hermle damals hauptsächlich deshalb für VISI entschieden, weil das 3D- Komplettsystem zur damaligen Zeit im Formenbau bereits recht weit verbreitet war, auch hier bei uns in der Gegend“, erinnert sich Bernd Matzka. Gelobt wurde vor allem, dass VISI als modulares Komplettsystem über alle Bereiche hinweg über die gleiche selbsterklärende Bedienphilosophie verfügt und sowohl beim CAD als auch bei der NC- Programmierung mit demselben 3D-Datenmodell – auf Basis von Parasolid – arbeitet. Zudem sei es wichtig gewesen, „dass wir vor allem in der Anfangsphase bei Men at Work immer einen kompetenten Ansprechpartner hatten und heute noch haben, der mit Rat und Tat zur Seite steht.“ Men at Work betreut als Systemhaus VISI-Anwender, was auch ergänzende Eigenentwicklungen umfasst. Programmiert wird ausschließlich mit dem CAD/CAM-System Im Laufe der Zeit wurde der Maschinenpark bei LSM Matzka größer – einhergehend mit dem Umzug vor elf Jahren in das neu errichtete Gebäude am heutigen Standort in der Hegaustraße in Deißlingen, dem 2005 ein weiterer Ausbau folgte. Heute wird auf einer Fläche von knapp 800 m² im CNC-Bereich nicht nur mit bis zu fünf Achsen gefräst, einschließlich HSC-Grafitfräsen sowie Hartbearbeitung bis 62 HRC auf einer Röders RFM 600, sondern auch senk- und drahterodiert. „Inzwischen leiten wir die Programme für alle CNC-Maschinen mit VISI direkt vom 3D-CAD-Modell ab.“ Deshalb ist die Zahl der CAD/CAM-Arbeitsplätze aktuell auf zehn angewachsen, die überwiegend maschinennah in der Fertigung untergebracht sind. Auf allen Plätzen ist das 3D- CAD VISI Modelling zusammen mit dem Fräsmodul VISI Machining (2,5D und 3D) installiert – teilweise ergänzt durch weitere Module der VISI -Produktfamilie. Zum Beispiel mit VISI Mould Design, der Bauteilbibliothek sowie dem Modul Split und Analyse, über die der Konstruktionsplatz im Büro verfügt; hier ist im Übrigen auch die Arbeitsvorbereitung untergebracht. 22 Der Betriebsleiter 1-2/2015

FERTIGUNGSTECHNIK 01 Alle CNC-Fräsmaschinen beziehen ihre NC-Programme von VISI Machining, das in verschiedenen Konstellationen an insgesamt acht Arbeitsplätzen installiert ist. Im Vordergrund die 5-achsige Hermle C30U Seit einiger Zeit werden bei LSM Matzka Werkzeuge und Vorrichtungen nicht nur gefertigt, sondern zum Teil auch selbst konstruiert. Nach wie vor arbeitet man auch mit einem externen Konstruktionsbüro zusammen, das ebenfalls mit VISI konstruiert. Alle Mitarbeiter in der Fertigung haben zudem Zugriff auf den VISI Viewer. So kann jeder anhand des CAD-Modells sofort sehen, wie das fertige Bauteil aussieht, wohin es gehört und welche Funktion es hat. Durchgängig bis zum Erodieren Zu den Dienstleistungen, die bei LSM Matzka eng am Werkzeugbau angelehnt sind, zählt die Herstellung von Kupfer- und Grafitelektroden. Auch hier kommt der Systemgedanke von VISI voll zum Tragen: Wenn es noch keine fertige Elektrodenkonstruktion gibt, wird die Elektrode vom (angelieferten) 3D-CAD-Modell des zu bearbeitenden Bauteils mit VISI Elektrode abgeleitet und konstruiert. Sind alle Merkmale überprüft und freigegeben, generiert VISI Machining die NC-Sätze für die 3-achsige Röders. So reduziert sich die Durchlaufzeit zwischen Auftragseingang und Auslieferung der Elektroden auf nur wenige Tage. Ebenfalls effizient: Werden die Elektroden im eigenen Hause verwendet, muss der Auftrag an der Senkerodiermaschine nicht extra programmiert werden. Hier kommt der VISI EDM-Manager zum Einsatz, ein von Men at Work entwickeltes Tool, das die Geometriedaten von VISI Elektrode als XML-File exportiert. Das generierte NC- Programm wird dann zusammen mit den – gegebenenfalls manuell hinzugefügten – Technologiedaten an die Steuerung der Zimmer und Kreim Genius 600 übertragen. Bohrungen entstehen automatisch Dass Präzision und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch sein müssen, erläutert Bernd Matzka an einem weiteren Beispiel: „Seit wir das Modul VISI Compass zur automatischen Featureerkennung einsetzen, sind wir beim NC-Programmieren von Bohrungen für Formplatten und Formeinsätze doppelt so schnell geworden.“ Zudem sei diese Art der Programmierung mit weniger Fehlern verbunden. Bei Bearbeitungs-Features handelt es sich um Regelgeometrien. Dies können, wie bei LSM Matzka, Bohrungen sein, aber auch Rundungen, Kanten oder Frästaschen, die im CAD-System als solches gekennzeichnet sich zusätzlich beschreiben lassen. Das Modul VISI Compass erkennt diese Features, interpretiert sie und erzeugt auf Basis der in einer Datenbank hinterlegten Fertigungsdaten die dafür erforderlichen NC-Sätze automatisch. Im Vorfeld sind allerdings einige Hausaufgaben zu erledigen. So müssen zum Beispiel Regeln erstellt werden, die Compass mit den jeweils erkannten Features verknüpft, was wiederum eine gewisse Standardisierung der Abläufe erfordert. „Eine nicht ganz einfache Arbeit, die ohne die tatkräftige Unterstützung durch Men at Work nicht so reibungslos geklappt hätte“, erklärt Bernd Matzka. Noch gäbe es bei der Featureerkennung ein paar Tücken, die hauptsächlich bei fremden CAD-Daten auftreten. „Wir haben einen Kunden, der arbeitet mit einem Fremdsystem, das viel über Farben definiert.“ Zum Beispiel werden bestimmte Toleranzen und/oder Eigenschaften über Farben bestimmt. „Bauteile, die über eine Schnittstelle importiert werden, haben in Einzelfällen andere Farben als im Ursprungsdatensatz. Dann gilt es, die Attribute neu zuzuweisen. „Das sind dann die Arbeiten, die man sich spart, wenn alle von vorneherein mit VISI arbeiten“, erklärt Bernd Matzka. „Denn innerhalb des VISI- Workflows funktioniert Compass genial.“ Von den Compass-Vorteilen profitiert man bei LSM Matzka übrigens auch beim Drahterodieren mit der vor fünf Jahren angeschaften Sodick AQ537L, deren Programme seit Kurzem mit VISI Peps Wire entstehen; die Programmierung läuft in den gleichen Schritten ab wie beim Fräsen. Gut vernetzt Neben dem Automotive-Bereich bedient man inzwischen zahlreiche weitere Branchen, darunter viele Firmen aus der Umgebung. „Wir sprechen hier alle die gleiche Sprache“, sagt Bernd Matzka. „Zahlreiche befreundete Unternehmen und viele unserer Kunden arbeiten ebenfalls mit VISI, weshalb hier in der Region eine richtige Community entstanden ist, in der wir uns ständig austauschen.“ Dinge wie diese seien es, die den Nutzwert von VISI zusätzlich erhöhen und manches Problem im Alltag gar nicht erst entstehen lassen. Und Bernd Matzka ist sich sicher: Ohne VISI wäre der Aufstieg des Unternehmens vermutlich anders und nicht so erfolgreich verlaufen. Dazu hätten auch die zahlreichen neuen Funktionen beigetragen, 02 „Die klassische Zeichnung, hier ein sich gerade in der Montage befindendes Werkzeug, wird bei uns durch den VISI Viewer ergänzt, auf den alle Mitarbeiter in der Fertigung Zugriff haben“, erläutert Bernd Matzka 03 Frank Hornung, Geschäftsführer von Men at Work und Bernd Matzka an einem der vier Arbeitsplätze, an denen VISI Compass installiert ist die in Form neuer Module sowie im Rahmen der Releasewechsel im Laufe der Jahre hinzugekommen sind. Dies gelte auch für die Zukunft: „Je besser sich VISI entwickelt, umso erfolgreicher können wir wachsen.“ www.mecadat.de Im Fokus Effizienz Sicherheit Nachhaltigkeit Der Betriebsleiter 1-2/2015 23

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